Startseite>Pi-Top: Laptop auf Raspberry-Pi-Basis
Aus Raspberry Pi Geek 04/2016

Pi-Top: Laptop auf Raspberry-Pi-Basis

© Raspberry Pi Foundation

Zähe Himbeere

Raik Fischer

Manchmal fristet der RasPi sein Dasein als Server in einer dunklen Ecke, manchmal steht er als minimalistischer Arbeitsplatzrechner auf dem Schreibtisch. Mit dem Pi-Top mutiert er nun auch zum Notebook – inklusive Display, Akku und Tastatur.

Der Raspberry Pi reduziert die Größe eines kompletten Computers auf das Format des alten Personalausweises, doch damit ist der Rechner noch nicht komplett: Er braucht in der Regel noch einen Bildschirm sowie Tastatur und Maus. Damit Sie die Peripherie nicht mit sich herumschleppen müssen, baut der Pi-Top [1] ein Laptop-Gehäuse inklusive Display, Tastatur und Akku um den RasPi herum. So nutzen Sie den Raspberry auch mobil. Neben der Laptop-Variante bietet der Hersteller mit dem Pi-TopCEED [2] noch ein Gerät zum Aufstellen ohne integrierte Tastatur und Akku an. Wir werfen einen kritischen Blick auf die Laptop-Variante des Pi-Top.

Versand-Debakel

Die Bestellung des Geräts erfolgt relativ unproblematisch über den Online-Shop. Das Gehäuse des Pi-Top gibt es in den Farben Signalgrün und Grau (sehr dunkel, eher schwarz), zudem stehen zwei Tastaturlayouts (UK und US) zur Auswahl. Aktuell liefert der Hersteller das Gerät mit einem Raspberry Pi 3 zum Preis von 299,99 US-Dollar aus. Besitzen Sie bereits einen passenden RasPi, bestellen Sie den Pi-Top stattdessen ohne Board und sparen so 35 Dollar. Das “Desktop-Modell” Pi-TopCEED kommt mit 99,99 US-Dollar (oder 134,99 Dollar inklusive RasPi 3) deutlich günstiger, bei diesem Gerät fehlen jedoch bauartbedingt die Tastatur und der Akku.

Technische Daten

Pi-Top

Display

13,3 Zoll, WXGA, 1366 x 768 Pixel

Akku

51,8 Wh, 10 bis 12 Stunden Laufzeit

Tastatur

UK- oder US-Layout, inklusive Touchpad

Speicher

8 GByte Micro-SD, Class 10 (inklusive Pi-TopOS)

Pi-TopCEED

Display

14 Zoll, WXGA, 1366 x 768 Pixel, matt

Speicher

8 GByte Micro-SD, Class 10 (inklusive Pi-TopOS)

Preise

Pi-Top (ohne Board)

264,99 US-Dollar

Pi-Top (mit RasPi 3)

299,99 US-Dollar

Pi-TopCEED (ohne Board)

99,99 US-Dollar

Pi-TopCEED (mit RasPi 3)

134,99 US-Dollar

Versandkosten

35,00 US-Dollar

Die Bezahlung erfolgt über eine Kreditkarte, für die Auslieferung nach Deutschland müssen Sie jedoch mit 35 US-Dollar Versandkosten rechnen. Weitere Kosten, wie etwa Gebühren für die Abwicklung durch den Zoll fallen nicht an: Die Zollgebühren sind in den Versandkosten enthalten. Nach erfolgreicher Bestellung erhalten Sie eine Bestätigungsmail mit einem Link zum Bestellstatus und kurze Zeit später eine Info zum Liefertermin. So weit die Theorie: Beim Autor blieben diese E-Mails aus, was zu einem nervenaufreibenden Prozedere und unnötigen Verzögerungen führte (siehe Kasten “Bestellchaos”). Haken Sie also gegebenenfalls unverzüglich beim Hersteller nach.

Bestellchaos

Zum Abschluss des Bestellvorgangs für das Testgerät meldet der Pi-Top-Online-Shop, dass Käufer eine E-Mail mit einem Link zur Bestätigung der Bestelldaten erhalten. Ohne diese Bestätigung bearbeitet Pi-Top die Bestellung nicht, auch wenn die Zahlung geleistet und ein Liefertermin benannt wurde. Die E-Mail an den Autor landete jedoch im Nirgendwo. Nachdem der Liefertermin überschritten war und sich der Bestellstatus nicht änderte, hakte der Autor direkt bei Pi-Top nach.

Die E-Mail zur Kontrolle der Bestelldaten erzeugt offenbar ein Mitarbeiter bei Pi-Top manuell – dort fiel die Mail unter den Tisch. Pi-Top entschuldigte sich und versprach als Wiedergutmachung ein kleines Geschenk. Das Unternehmen liefert jedoch nur einmal am Anfang eines Monats neue Geräte aus. Der letzte Termin war gerade durch, sodass sich die Auslieferung einen knappen weiteren Monat hinzog. Doch auch dieses Mal klappte der Versand nicht: Eine Erinnerungsmail und ein weiterer Monat Geduld waren nötig.

Der Versand erfolgte dann schlussendlich via DHL Express, wobei die Zollkontrolle für weitere Verzögerungen sorgte. DHL brauchte trotz Nachfrage fünf Tage, um den Autor zu kontaktieren – der Zoll wollte die Zollerklärung mit der Rechnung vergleichen. Nach dem Zusenden der gewünschten Informationen landete der Pi-Top dann nach weiteren drei Tagen endlich beim Autor. Das versprochene Geschenk entpuppte sich als ein nagelneuer Raspberry Pi 3.

Aufbau und Montage

Aufgrund der soliden Verpackung kam der Pi-Top zu guter Letzt unbeschädigt an. Der erste Eindruck, für den es bekanntlich keine zweite Chance gibt, stimmt durchweg positiv. Anbei liegt ein gut bebildertes Handbuch, das die Montage Schritt für Schritt erklärt. Der Deckel mitsamt Display, das Unterteil samt Akku und das Oberteil mit Tastatur hat der Hersteller bereits vormontiert, Sie müssen die Teile nur zusammenfügen (Abbildung 1). Die Montage des Pi-Hubs und des Raspberry Pi selbst stellen kein Problem dar. Die benötigten Kabel inklusive der für die Montage nötigen Werkzeuge liegen bei, das Wohin erläutert die Anleitung anschaulich.

Abbildung 1: Auf den ersten Blick kaum zu erkennen: Im Inneren des Pi-Top arbeitet ein Raspberry Pi.

Abbildung 1: Auf den ersten Blick kaum zu erkennen: Im Inneren des Pi-Top arbeitet ein Raspberry Pi.

Der GPIO-Erweiterungsport des RasPi ist komplett mit einem Kabel belegt, das zum Pi-Top-Hub führt. Dieser übernimmt beispielsweise das Powermanagement. Eine externe Nutzung des Ports ist daher aktuell nicht möglich, das Pi-Top-Team arbeitet aber bereits an einer Lösung für dieses Problem. Das RasPi-Board liegt hinter einem Gehäusedurchbruch, was die Nutzung der zwei am Rand befindlichen USB-Anschlüsse von außen ermöglicht. In der Praxis erweisen sich jedoch viele USB-Sticks als zu groß für die Aussparung, sodass Sie diese nur mit einem USB-Verlängerungskabel an den Pi-Top anschließen können. Die zweite USB-Buchse lässt sich nur intern nutzen, wobei einer der beiden Ports dieser Buchse durch die Tastatur belegt ist. Der zweite Port bietet Platz für einen kurzen USB-Speicherstick oder wie im Beispiel einen USB-WLAN-Adapter.

Eine getönte Blende versteckt den RasPi mitsamt allen anderen Komponenten des Pi-Top. Unter der Abdeckung lassen sich die LEDs des Mini-Rechners jedoch weiterhin gut erkennen. Bei Bedarf schieben Sie die Blende nach rechts weg und haben so jederzeit Zugriff auf den RasPi, um beispielsweise die Speicherkarte neu zu beschreiben (Abbildung 2). Insgesamt macht das Gerät einen soliden Eindruck und wirkt trotz seines Bastelcharakters recht professionell. Für die Montage des Gehäuses und die erste Inbetriebnahme des RasPi-Laptops benötigen Sie etwa 30 Minuten.

Abbildung 2: Das Hub-Board (links) verbindet den RasPi über den GPIO mit den Komponenten des RasPi-Laptops.

Abbildung 2: Das Hub-Board (links) verbindet den RasPi über den GPIO mit den Komponenten des RasPi-Laptops.

Der zweite Eindruck

Im Betrieb soll sich das Pi-Top zuerst einmal mit einem Raspberry Pi 2 beweisen, der bereits eine aktuelle Raspbian-Installation mitbrachte. In den Pi-Top eingebaut, ließ sich dann aber die LXDE-Oberfläche nicht dazu bewegen, den kompletten Bildschirm zu nutzen. Etwa ein Viertel des rechten Bildschirmrands blieb schwarz, egal, ob wir die Bildschirmauflösung über die Desktop-Oberfläche anpassten oder über die config.txt entsprechende Vorgaben machten.

Mit der Installation von XFCE aus den Paketquellen verbessert sich jedoch buchstäblich das Bild. Nach dem Wechsel auf diesen Desktop ließ sich die Auflösung über die Einstellungen problemlos ändern. Allerdings erkannte das System die richtige Auflösung immer noch nicht automatisch. Ein frisch installiertes Raspbian “Jessie” startete zwar mit der korrekten Auflösung, nach einem Reboot ohne jegliche Änderungen machte sich jedoch der schwarze Rand wieder breit. Anwendungen mit höheren Anforderungen an die Grafikleistung, etwa FreeCAD, funktionieren mit den OpenGL-Treibern gewohnt flott. Wenig verwunderlich, schließlich arbeitet unter der Haube des Pi-Top ja weiterhin ein Raspberry Pi.

Neben dem Display stellt sich auch die Tastatur als nur eingeschränkt nutzbar heraus. Das Keyboard reagierte zum einen nicht auf jeden Tastenanschlag, zum anderen machte die englischsprachige Tastenbelegung das Arbeiten in der Praxis mühsam. Das Testgerät besitzt ein UK-Layout, das der deutsche Kunde mit Tastaturaufklebern auf ein lokales Layout “umbauen” soll. Allerdings vertauscht das Tastatur-Layout des Pi-Top nicht nur [Y] und [Z], was normal wäre, sondern ihm fehlt unter anderem auch eine eigene Taste für das Größer/Kleiner-Zeichen beziehungsweise den Backslash auf der englischen Tastatur. Eine externe USB-Tastatur erleichtert die Arbeit, von einer “Lösung” des Problems kann man dabei jedoch nicht wirklich sprechen.

Pi-TopOS

Als Betriebssystem-Alternative bietet sich das vom Hersteller mitgelieferte Pi-TopOS [3] an. Es setzt auf Raspbian auf, beinhaltet allerdings eine Reihe von Änderungen, die das System für das Raspberry-Pi-Notebook optimieren. Doch auch Pi-TopOS zeigt noch einige Kinderkrankheiten.

Nach dem Starten öffnet sich ein Anmeldebildschirm. Hier funktioniert weder das Anlegen eines neuen Nutzers noch die Anmeldung über die Pi-Top-Nutzerdaten, die Sie während des Bestellvorgangs des Geräts erhalten. Offenbar scheitert die Verbindung zum Pi-Top-Server. Mit den Pi-Top-Tasten lässt sich der Anmeldevorgang abbrechen, sodass man sich mit dem Standardnutzer pi-top in das System einloggen kann.

Das Pi-TopOS unterstützt, wie sich das für einen Laptop gehört, das komplette Powermanagement samt Anzeige des Ladezustands und das Abschalten des kompletten Systems beim Herunterfahren sowie beim Drücken des Ein/Aus-Tasters für mehr als 3 Sekunden. Das System spricht im Auslieferungszustand nur Englisch, über die Paketverwaltung lassen sich jedoch die entsprechenden Sprachpakete schnell nachinstallieren. Auf der 8 GByte großen Speicherkarte belegt Pi-TopOS bereits 5,9 GByte, es bleibt also nicht viel Platz für eigene Daten. Das gilt auch für die Referenzanwendung des Autors: FreeCAD [4] zusammen mit dem OpenGL-Treiber des Raspberry Pi [5] (Abbildung 3).

Abbildung 3: Mit Pi-TopOS stellt der Hersteller ein an den RasPi-Laptop angepasstes Raspbian-System zur Verfügung.

Abbildung 3: Mit Pi-TopOS stellt der Hersteller ein an den RasPi-Laptop angepasstes Raspbian-System zur Verfügung.

Die Installation und Konfiguration des OpenGL-Treibers erwies sich hier als Stolperstein: Der Pi-Top bootete nach dem Neustart nur noch in Zeitlupe und kam nie am Desktop an. Auf Rückfrage teilte der Pi-Top-Support mit, dass Pi-TopOS aktuell noch kein OpenGL unterstützt. Von einem anderen Rechner aus ließen sich die Konfigurationseinstellungen für den OpenGL-Treiber wieder aus der config.txt entfernen.

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 4 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
€0,99 – Kaufen
RASPBERRY PI GEEK KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland