Aus Raspberry Pi Geek 04/2016

Pi-Top: Laptop auf Raspberry-Pi-Basis (Seite 2)

Nach dem Starten öffnet sich ein Anmeldebildschirm. Hier funktioniert weder das Anlegen eines neuen Nutzers noch die Anmeldung über die Pi-Top-Nutzerdaten, die Sie während des Bestellvorgangs des Geräts erhalten. Offenbar scheitert die Verbindung zum Pi-Top-Server. Mit den Pi-Top-Tasten lässt sich der Anmeldevorgang abbrechen, sodass man sich mit dem Standardnutzer pi-top in das System einloggen kann.

Das Pi-TopOS unterstützt, wie sich das für einen Laptop gehört, das komplette Powermanagement samt Anzeige des Ladezustands und das Abschalten des kompletten Systems beim Herunterfahren sowie beim Drücken des Ein/Aus-Tasters für mehr als 3 Sekunden. Das System spricht im Auslieferungszustand nur Englisch, über die Paketverwaltung lassen sich jedoch die entsprechenden Sprachpakete schnell nachinstallieren. Auf der 8 GByte großen Speicherkarte belegt Pi-TopOS bereits 5,9 GByte, es bleibt also nicht viel Platz für eigene Daten. Das gilt auch für die Referenzanwendung des Autors: FreeCAD [4] zusammen mit dem OpenGL-Treiber des Raspberry Pi [5] (Abbildung 3).

Abbildung 3: Mit Pi-TopOS stellt der Hersteller ein an den RasPi-Laptop angepasstes Raspbian-System zur Verfügung.

Abbildung 3: Mit Pi-TopOS stellt der Hersteller ein an den RasPi-Laptop angepasstes Raspbian-System zur Verfügung.

Die Installation und Konfiguration des OpenGL-Treibers erwies sich hier als Stolperstein: Der Pi-Top bootete nach dem Neustart nur noch in Zeitlupe und kam nie am Desktop an. Auf Rückfrage teilte der Pi-Top-Support mit, dass Pi-TopOS aktuell noch kein OpenGL unterstützt. Von einem anderen Rechner aus ließen sich die Konfigurationseinstellungen für den OpenGL-Treiber wieder aus der config.txt entfernen.

Damit bootete das System wieder schneller, den Start des Desktops musste man jedoch erst wieder über Raspi-config aktivieren. Auch waren Teile des Powermanagements verschwunden: Beim Herunterfahren blieb zum Beispiel der RasPi unter Spannung, sodass die LEDs munter weiterleuchteten. Das Problem ließ sich nur mit einer erneuten Installation des Pi-Top-Images auf der Speicherkarte beheben.

RISC OS

Um die Kompatibilität des Pi-Top auf die Probe zu stellen, musste sich dieser auch mit RISC OS [6] beweisen. Nach der Installation zeigte sich eine ähnliche Problematik wie beim Betrieb unter Raspbian “Jessie”: Das System erkennt den Bildschirm nicht von selbst. Sie müssen den “WimpMode”, also die Auflösung in der grafischen Oberfläche, manuell setzen oder über eine Obey-Datei selbst in Choices.Boot.Tasks hinterlegen. Auch funktionieren Powermanagement und Tastatur nicht mehr richtig. Die schlechte Bedienbarkeit der Tastatur, unabhängig vom Betriebssystem, bestätigen mehrere englischsprachige Nutzer.

Unter RISC OS gelingt es mithilfe der Tools StrongKey und KeyMapper, einzelnen Tasten eine andere Belegung zuzuweisen. Dabei gibt StrongKey den Low-Level-Code der gerade betätigten Taste aus, für den man dann mit KeyMapper eine neue Zuordnung trifft. StrongKey stürzte im Test jedoch mit der aktuellen Tastatur beim Verwenden der Sondertasten ab. Das Problem scheint allerdings nur bei aktuelleren Geräten aufzutreten – Modelle aus den ersten ausgelieferten Chargen laufen stabil. Dafür klagen deren Benutzer über ein noch schlechteres Anschlagverhalten der Tastatur.

Fazit

Der erste gute Eindruck des Pi-Top bestätigte sich im Praxistest nicht. Der RasPi-Laptop zeigt zwar sehr gute Ansätze, scheitert aber an einigen Details. Vor allem eine Nachbesserung der Tastatur sollte der Hersteller dringend in Angriff nehmen. Auch bei der Gestaltung des Gehäuses gibt es noch Luft nach oben: So lassen sich zum Beispiel die RasPi-Anschlüsse für Netzwerk, Audio und Video gar nicht oder nur mit offener Blende nutzen.

Die Möglichkeit, den vollen Funktionsumfang des Pi-Top auch außerhalb des Pi-TopOS zu nutzen, steht ebenfalls hoch oben auf der Wunschliste. Zumindest für die Linux-Varianten der Betriebssysteme sollte der Hersteller entsprechende Pakete problemlos bereitstellen können. Ohne solche Nachbesserungen bleibt der Pi-Top eher ein Sonderling, der für volle Kompatibilität ein speziell angepasstes Betriebssystem benötigt. 

Infos

  1. Pi-Top: http://www.pi-top.com/product/pi-top
  2. Pi-Top CEED: https://www.pi-top.com/product/ceed
  3. Pi-TopOS: https://www.pi-top.com/product/pi-top-os
  4. FreeCAD: http://www.freecadweb.org/?lang=de/
  5. OpenGL für Raspberry Pi: https://www.raspberrypi.org/blog/another-new-raspbian-release/
  6. RISC OS auf dem RasPi 2: Raik Fischer, “Einfach anders”, RPG 05/2015, S. 8, http://http:/raspi-geek.de/34771
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