VoIP-Telefonie funktioniert heute anders als noch vor zwei Jahren. Dabei kommt es neben der Hardware vor allem auf die VoIP-Software an.
Aufgrund der voranschreitenden Digitalisierung finden Meetings heutzutage verstärkt digital statt, häufig in Form von Videokonferenzen oder VoIP-Telefonaten. Insbesondere bei Produkt- und Usability-Tests sowie im Homeoffice sind diese Kommunikationstechniken gang und gäbe.
Doch wie sieht es damit auf dem Raspberry Pi aus? Sowohl Videokonferenzen als auch VoIP-Telefonate bewältigt der RasPi 3 zwar, sein Nachfolger RasPi 4 absolviert diese Aufgaben aber besser. Wir zeigen in diesem Artikel, welche Zusatzhardware sich für den RasPi 3/4 eignet und welche VoIP-Software auf dem jeweiligen Modell läuft.
SIP-Account
Anbieter von SIP-Anschlüssen gibt es wie Sand am Meer, jedoch lohnen sich insbesondere drei Anbieter. Sofern Sie in Deutschland, Polen, der Schweiz, Spanien oder Großbritannien wohnen, erhalten Sie bei Sipgate eine Ortsrufnummer zum Nulltarif [1]. Allerdings sind Sie mit der Ortsrufnummer eines VoIP-Anbieters nicht an zu Hause gebunden. Solange Sie sich bei Sipgate einloggen, sind Sie überall auf der Welt unter dieser Nummer erreichbar.
Daneben gibt es den Anbieter Messagenet, der Ortsrufnummern für Italien sowie Großbritannien kostenlos zur Verfügung stellt [2]. Lediglich für abgehende Telefongespräche brauchen Sie Ihr Guthaben bei Messagenet aufzuladen. Darüber hinaus können Sie Ortsrufnummern für andere Länder von Sonotel beziehen [3].
Sound
Für den RasPi 3 eignen sich ressourcenschonende Peripheriegeräte. Für Sound kommt beispielsweise das Waveshare-Modul WM8960 infrage, das über ein Mikrofon sowie Anschlüsse für Lautsprecher oder Kopfhörer verfügt [4]. Ansonsten bleibt als Mikrofon nur noch eine USB-Webcam, beispielsweise die Creative VF0790 [5].
Falls Sie sich für eine USB-Webcam entscheiden, müssen Sie den Kopfhörer in der Regel über die 3,5-mm-Buchse des RasPi anschließen. Verglichen mit dem Waveshare-Soundmodul ist der Onboard-Sound des Raspberry Pi jedoch deutlich schlechter. Das trifft auch auf das Mikrofon der hier vorgestellten USB-Webcam zu: Der Gesprächsteilnehmer am anderen Ende der Leitung nimmt den Ton deutlich leiser wahr, weshalb Sie die USB-Webcam nah am Mund halten beziehungsweise laut sprechen müssen.
Mit dem RasPi 4 lässt sich dieselbe Hardware wie mit dem RasPi 3 nutzen. Darüber hinaus können Sie an den RasPi 4 eine USB-Soundkarte wie die Sound Blaster G3 von Creative anschließen [6]. Vom Einsatz dieses Boards am RasPi 3 ist abzuraten, da er zu langsam für diese Karte wäre und auch keine USB-3-Schnittstellen besitzt. Die Sound Blaster G3 holt einiges aus einem Gaming-Headset wie dem BigBen Stereo heraus, sodass beim Gesprächspartner der Ton gut ankommt [7].
Beide hier vorgestellten USB-Audiogeräte benötigen keine Treiber und sind sofort einsatzbereit. Mittels des Befehls lsusb überprüfen Sie, ob das Linux-System des Raspberry Pi das USB-Audiogerät erkennt (Listing 1).
Listing 1
Angeschlossene USB-Geräte ermitteln
$ lsusb
[...]
Bus 002 Device 003: ID 041e:3267 Creative Technology, Ltd Sound Blaster G3
Unter Linux organisieren Pulseaudio und die Advanced Linux Sound Architecture (kurz Alsa) die Audiogeräte [8]. Es gibt immer noch VoIP-Softphones wie Twinkle, die lediglich Alsa unterstützen. Deshalb sollte auf dem RasPi Alsa installiert sein. Im Paket alsa-utils befindet sich zudem das Tool Alsamixer, mit dem Sie die Lautstärke einstellen oder das passende Audiogerät zum Aufnehmen auswählen.
Pulseaudio
Moderne VoIP-Software wie Linphone unterstützt hingegen Pulseaudio [9], das bei etlichen Linux-Distributionen zur Standardkonfiguration gehört. Pulseaudio erleichtert das Einstellen der Lautstärke sowie die Wahl der Audiokanäle. Die Lautstärke lässt sich mit diversen Plugins regeln. So steuert unter KDE Plasma etwa das Plugin Audio Volume die Lautstärke, und die Systemeinstellungen greifen direkt auf Pulseaudio zu. Bei anderen Window-Managern empfiehlt sich das Plugin Pavucontrol [10], das Sie über den Paketmanager installieren.
Bei der Auswahl des Audiogeräts innerhalb der VoIP-Software wird oftmals Internes Audiogerät eingeblendet, sodass man mithilfe des Befehls alsamixer ermittelt werde muss, um welches Audiogerät es sich tatsächlich handelt. Pulseaudio erlaubt jedoch das Umbenennen der Audiogeräte. Dazu geben Sie auf der Konsole den Befehl aus Listing 2 ein, um die von Pulseaudio erkannten Audiogeräte auszugeben.






