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Aus Raspberry Pi Geek 10/2017

Schlankes Raspbian-Derivat DietPi

© Computec Media GmbH

Diätkost

Erik Bärwaldt

Für ältere Modelle des RasPi erweist sich Raspbian mittlerweile als zu schwergewichtig. Mit dem schlanken DietPi helfen Sie diesen Modellen wieder auf die Sprünge.

Seit dem ersten Modell im Jahr 2012 hat der Raspberry Pi kontinuierlich leistungsfähigere Komponenten erhalten. Gleichzeitig setzte jedoch über die Jahre das Betriebssystem Raspbian Speck an und schleppt inzwischen derart viel Ballast mit sich herum, dass ältere Modelle des Einplatinen-PCs bereits an ihre Leistungsgrenzen stoßen.

Um auf betagteren Geräten noch ordentlich Dampf zu machen, riefen findige Entwickler das auf Debian “Jessie” basierende, jedoch radikal abgespeckte DietPi ins Leben. Sie erhalten das Image in Gestalt eines nur rund 80 MByte großen 7ZIP-Archivs auf der Projektseite [1].

Das Archiv entpacken Sie in ein Verzeichnis auf Ihrem Rechner. Danach transferieren Sie mit dem Befehl aus Listing 1 das neu angelegte, gut 520 MByte große Image auf eine (Micro-)SD-Karte. Deren Gerätenamen ermitteln Sie vorab mit lsblk, um nicht versehentlich eine Partition auf dem Rechner zu erwischen, was die darauf befindlichen Daten unwiederbringlich zerstören würde.

Listing 1

 

$ sudo dd if=Abbilddatei of=Gerätedatei bs=1M; sync

Nach kurzem Warten ist das Abbild übertragen. Setzen Sie den neu angelegten Datenträger in den Raspberry Pi ein. Für die folgenden Schritte benötigt der Mini-Rechner einen Internet-Zugang via LAN, da die Distribution Dateien nachlädt, um die Installation abzuschließen.

Das System bootet recht zügig, prüft dabei das Dateisystem und legt zusätzlich einen 54 MByte großen Swap-Bereich an. Anschließend melden Sie sich mit dem Benutzernamen root und dem Passwort dietpi an. Nach dem Bestätigen der GNU-GPLv2-Lizenz aktualisiert sich das System sofort automatisch, was etwas Zeit in Anspruch nimmt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die schlanke Distribution DietPi aktualisiert und ergänzt direkt nach dem ersten Booten die Software, noch vor der ersten Konfiguration.

Abbildung 1: Die schlanke Distribution DietPi aktualisiert und ergänzt direkt nach dem ersten Booten die Software, noch vor der ersten Konfiguration.

Konfiguration

Nach einem Warmstart und erneutem Einloggen erscheint ein Ncurses-basierter Dialog, der Sie durch die weiteren Schritte führt. Hier konfigurieren Sie zunächst mit dem Config-Modul den Rechner. Das Menü bietet in übersichtlicher Form in zehn verschiedenen Masken Optionen bezüglich der Hardware an.

Im Menüpunkt 3 Performance Options findet sich ein Punkt zum Overclocking des Prozessors, der in den aggressiven Profilen die CPU massiv übertaktet und daher die Betriebstemperatur und infolgedessen den Verschleiß erhöht. Über 5 Language/Regional Options passen Sie die Parameter für Tastatur und Sprache an.

Die Gruppe 6 Security Options bietet die Möglichkeit, das Standardpasswort und den Hostnamen gegen individuelle Werte auszutauschen. Unter 10 Tools finden Sie ein Benchmark-Programm und einen Lastgenerator, mit deren Hilfe Sie den RasPi testen. Anhand der Ergebnisse lassen sich eventuelle Probleme mit der Hardware leichter lokalisieren.

Über die beiden Einträge Software Optimized und Software Additional im Hauptfenster der Routine passen Sie anschließend den Software-Fundus des Systems Ihren Wünschen an. Anders als Raspbian kommt DietPi ohne grafische Oberfläche aus und bietet lediglich eine stark abgespeckte Auswahl an Programmen (Abbildung 2). Eine detaillierte Übersicht zu den vorhandenen vorkonfigurierten Software-Paketen finden Sie in der ausführlichen Dokumentation des Projekts [2].

Abbildung 2: Das Software-Menü wirkt sehr einfach, erfüllt aber seinen Zweck. Wer mehr als das hier Gebotene installieren will, braucht zusätzliche Tools.

Abbildung 2: Das Software-Menü wirkt sehr einfach, erfüllt aber seinen Zweck. Wer mehr als das hier Gebotene installieren will, braucht zusätzliche Tools.

Unter Software Optimized finden Sie eine größere Auswahl an Desktops, darunter LXDE, XFCE, Maté und GNUstep. Als alternativen Browser bietet die Routine den relativ schlanken Chromium an. Zusätzlich stehen hier viele gängige Server-Dienste in für DietPi angepassten Varianten zur Auswahl. Unter anderem besteht hier die Möglichkeit, das System mithilfe von Squeezebox, dem Logitec Media Server und dessen Frontend Squeezelite oder der Media-Streaming-Server Ampache und Emby Server zu einer Jukebox auszubauen. Daneben sind der Media-Server Plex, das Mediacenter Kodi und das JRiver Media Centre mit an Bord.

Für das Büro gibt es unter anderem einen Samba-Server, Owncloud und dessen Fork Nextcloud, den Tonido-Cloud-Server sowie Backup-Lösungen wie Pydio und Urbackup. Ein komplettes LAMP-System setzen Sie ebenso per automatisierter Installation auf wie dessen Abwandlungen LASP, LAAP, LEMP oder LESP. Falls gewünscht, funktionieren Sie den RasPi zu einem WLAN-Hotspot um, bei Bedarf sogar mit automatisiertem Zugang ins Internet über Tor. Als eine interessante Option erweisen sich zudem die Programme, die den Mini-Rechner zur Steuerzentrale für die Heimautomatisierung machen.

Nach der Auswahl der Software fragt das System zunächst die Autostart-Optionen ab. Hier definieren Sie, ob Sie beim Hochfahren eine grafische Oberfläche sehen möchten und welche Daemons automatisch starten. Beim Einrichten der grafischen Oberfläche zieht der Installer alle Abhängigkeiten automatisch nach, wie etwa den X-Server.

Anschließend wählen Sie zusätzliche Pakete in der Gruppe Software Additional aus. Die Installation nimmt unter Umständen eine längere Zeit in Anspruch, da der Installer die Pakete aus dem Internet lädt. Währenddessen zeigt das Frontend nur wenige Informationen über den Fortgang der Routine an und unternimmt direkt nach dem Beenden einen Warmstart.

TIPP

Findet sich ein gewünschtes Programm nicht im DietPi-Fundus, können Sie auf das Raspbian-Repository zurückgreifen, allerdings nur via Apt im Terminal, da jegliches grafische Frontend zum Verwalten der Raspbian-Software fehlt.

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