Aus Raspberry Pi Geek 02/2021

Editorial 01-02/2021

Raspberry Pi inside

Christoph Langner

Schneller, höher, weiter zählt zwar bei Olympia, doch die IT-Branche setzt eher auf den Nutzwert als auf Zahlen. Das spürt auch die Raspberry Pi Foundation und passt ihre Produktstrategie dahingehend an, meint Redakteur Christoph Langner.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Raspberry Pi Foundation hat der Community dieses und letztes Jahr viele heiß ersehnte Wünsche erfüllt. Die vierte Generation des Raspberry Pi verfügt über reichlich Arbeitsspeicher und bremst endlich nicht mehr den Netzwerkanschluss und die USB-Ports aus, die sich zuvor immer durch einen engen Flaschenhals in Form eines internen USB-Kanals quetschen mussten. Mit echtem Gigabit-Netzwerk und schnellem USB 3.0 dürfen wir den Mini-Computer als annähernd ausgewachsen bezeichnen.

Das scheint auch die Foundation so zu sehen. Obwohl der RasPi 4 bereits im Juni 2019 vorgestellt wurde, kursieren noch keine ernsthaften Gerüchte über einen potenziellen Nachfolger. Stattdessen präsentierten die Entwickler mit dem Raspberry Pi 400 ihren ersten Komplettrechner auf Basis des eher für industrielle Anwendungen gedachten Compute Module 4, der Mini-Version des Mini-Rechners Raspberry Pi 4. Auf Seite 10 dieser Ausgabe widmen wir uns dem neuesten Gerät ausführlich.

Der RasPi 400 könnte sich als Wegweiser in die zukünftige Produktstrategie der Raspberry Pi Foundation deuten lassen. Alleine mit mehr Geschwindigkeit, mehr Arbeitsspeicher oder mehr Schnittstellen ist es nicht mehr getan. Eine ähnliche Sättigung sieht man auf dem Smartphone-Markt: Die Top- und Mittelklasse-Modelle des Vor- und Vorvorjahres sind immer noch gut genug – warum also für viel Geld etwas Neues anschaffen, wenn man kaum eine Veränderung spürt? Im Gegensatz zum Handy haben Nutzer des RasPi nicht einmal das Problem, dass die Software veraltet. Auf dem ersten Raspberry Pi läuft dasselbe Betriebssystem wie auf der vierten Generation.

Der mit dem Raspberry Pi 400 eingeschlagene Weg könnte darauf hindeuten, dass es in Zukunft weitere offizielle “Pi-inside”-Geräte gibt. Warum nicht ein iMac-artiger Kompaktrechner in einem stabilen All-in-one-Gehäuse, bei dem sich das integrierte Compute Modul gegen zukünftige Varianten austauschen lässt? Der allgegenwärtigen Obsoleszenz der IT-Branche wäre damit ein Schnippchen geschlagen – kein großes, aber zumindest mal wieder ein kleines. Hard- und Software wären trotz der hochintegrierten Bauweise mit geringen Kosten und wenig Aufwand stets auf einem aktuellen Stand.

Ähnliches könnte man sich bei einem Raspberry-Pi-Notebook vorstellen. Projekte dafür gab es in den vergangenen Jahren bereits reichlich, allerdings wirkte das Ergebnis selten reif für den Massenmarkt. Im Gegensatz zu Linux-Smartphones könnte solch ein Raspberry Pi 4000 durchaus jedoch ein kommerzieller Erfolg werden. Die vom RasPi genutzte Software ist mehr als alltagstauglich, und im Gegensatz zu Android- und iOS-Alternativen fehlt kein App-Store mit wichtigen Apps, die das Gerät erst fürs breite Publikum interessant machen. Schauen wir also, was uns 2021 bringt.

Bleiben Sie gesund,

Christoph Langner

Redakteur

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