Aus Raspberry Pi Geek 07-08/2020

Einen Sonos-Symfonisk von Ikea mit freien Komponenten umbauen

© Ikea

Sonos meets Himbeere

Christian Saga

Moderne WLAN-Lautsprecher müssen nicht immer von einem großen Hersteller sein. Es geht auch als Open Source – ein Schritt in die digitale Unabhängigkeit.

Smarte Lautsprecher gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Je schlauer die Funktionen der Lautsprecher ausfallen, desto problematischer ist es oft, sie über eine lange Lebenszeit am Laufen zu halten. Zudem sind sie im Funktionsumfang und bei möglichen Updates immer auf die Hersteller angewiesen: Nur was diese für sinnvoll erachten, landet auf den Lautsprechern. So gab es bei Sonos über Jahre kein Upgrade des enthaltenen Samba-Clients [1], mit dem Hinweis, das Gerät habe dafür nicht genug Hardware-Ressourcen. Verwunderlich, dass trotzdem etliche andere neue Funktionen Platz fanden.

Nach der Ankündigung von Sonos, den Support für die erste Generation einzustellen [2] und auf S2 (das neue Betriebssystem für Sonos-Geräte) zu wechseln, zeigte sich, dass absolut funktionstüchtige Geräte plötzlich massive Einschränkungen erfuhren [3]. Andere Hersteller bekleckern sich in dieser Richtung ebenfalls nicht mit Ruhm: Die Konkurrenz des Pioniers für raumübergreifende Lautsprecherkomponenten stellt oft viel früher den Support für seine Geräte ein.

Mit freier Technik

Es stellte sich daher schnell die Frage, ob solch ein smartes System für die Wohnung nicht unabhängig von speziellen Herstellern sein sollte. Grundsätzlich standen folgende Funktionen auf der Wunschliste: Lautsprecher per WLAN angebunden, Synchronisation mehrerer Lautsprecher zu Stereo-Paaren, Zugriff auf lokale Musikbibliotheken, Anbinden von Streaming-Diensten und das Steuern über eine App oder gegebenenfalls den Webbrowser.

Neben den grundsätzlichen Funktionen eines smarten Lautsprechers, wie Betrieb im WLAN oder Einsatz von Streaming, war dem Autor der Einsatz freier Hardware wichtig, um Austausch und Reparatur zu ermöglichen. Durch den Einsatz offener Software bleiben Sie in Bezug auf die Funktionen flexibel. Das Design sollte sich ins Wohnzimmer integrieren und alles zusammen einen überschaubaren Aufwand bei der Pflege erzeugen.

Nun gibt es im Internet viele Anleitungen für Eigenbauten, die den Funktionsumfang smarter Lautsprecher nachbilden. Oft ist jedoch ein für das Wohnzimmer taugliches Design das Problem. Um einen kleinen Lautsprecher mit Bedienteilen und ansprechendem Design selbst zu kreieren, fehlen meist die nötigen Fertigkeiten und Werkzeuge.

Hier kommt das fertige System Symfonisk von Ikea ins Spiel: Das vom schwedischen Möbelhaus für 99 Euro vertriebene und zu Sonos kompatible Gerät eignet sich ideal als Plattform für eine RasPi-Sonos-Alternative. Sie rüsten es mit frei verfügbaren Komponenten und dem Raspberry Pi Zero in einen smarten Open-Source-Lautsprecher um.

Eine Bemerkung vorab: Es gibt für etliche der in diesem Workshop verwendeten Komponenten gute Alternativen. Die Auswahl aus der Tabelle “Komponenten” spiegelt lediglich die Präferenzen des Autors wider. Der Workshop erfordert grundlegende Kenntnisse im Löten und dementsprechend auch einen für Elektronikarbeiten geeigneten Lötkolben. Ein einfaches Multimeter sowie eine Klebepistole für Heißkleber helfen ebenfalls.

Bauteil

Preis (gerundet)

Ikea Symfonisk

99 Euro

Mean Well HDR-60-15 Hutschienen-Netzteil (15 V/DC, 4 A, 60 W)

20 Euro

Pi Zero WH

15 Euro

HiFiBerry Amp2

50 Euro

Micro-SD-Karte

7 Euro

Verlängerung SD-Kartenslot

4 Euro

Verlängerung Micro-USB-Port

4 Euro

FPC-Adapter mit 10 Pins (0,5 mm)

2 Euro

Kabel für Stromanschluss (Durchmesser > 1 mm)

vorhanden(1)

Abstandshalter (2 cm und 1 cm Höhe) für den Raspberry (M2 liegen dem HiFiBerry Amp2 bei, entsprechend sollten Sie wieder M2 wählen)

vorhanden(1)

Schaltlitze zum Verbinden

vorhanden(1)

Schrumpfschlauch zur Isolation

vorhanden(1)

1 Die Artikel waren in der Elektronikkiste des Autors vorhanden, kosten aber auch nur wenig.

Symfonisk-Box zerlegen

Als Erstes zerlegen Sie den Lautsprecher komplett in seine Einzelteile, was recht einfach klappt. Trotzdem ist es wichtig, das Gehäuse samt Frontabdeckung, die Vorderseite mit beiden Lautsprechertreibern, die Verkabelung an den Lautsprechern, den Stromanschluss auf der Rückseite sowie die LED und Knöpfe auf der Vorderseite mit Flex-Kabel Richtung Mainboard nicht zu beschädigen, da Sie diese später benötigen.

SICHERHEITSHINWEIS

Bitte achten Sie beim Hantieren mit den Innereien des Geräts auf die Kondensatoren der Hauptplatine: Hier droht die Gefahr eines Stromschlags durch gespeicherte Energie, auch wenn der Lautsprecher gerade nicht mit der Steckdose verbunden ist.

Der Zugang zu den Innereien des Lautsprechers erfolgt von der Vorderseite. Dazu ziehen Sie einfach an dem Ikea-Wimpel, um die Stoffabdeckung zu entfernen. Die Abdeckung steckt in kleinen schwarzen Gummifassungen, die Sie einfach mit einem Schraubendreher oder einer Spitzzange herausziehen. Dahinter befinden sich dann die Kreuzschrauben, um die Front zu lösen.

Nach dem Lösen aller Schrauben kommt nun der Schritt, bei dem Sie am meisten aufpassen müssen. Die Frontblende mit den Treibern ist mit einem Antirutschband ins Gehäuse gesteckt. Um die Front nach vorn herauszulösen, stecken Sie einfach einen Finger in den Schalltrichter und ziehen langsam an (Abbildung 1). Hierbei müssen Sie darauf achten, die Front lediglich aus dem Gehäuse zu lösen und etwas vorzuziehen, da alle Frontbauteile noch mit dem Innenleben verbunden sind.

Abbildung 1: Links der Schalltrichter, in der Mitte der kleine Hochtöner, rechts der Mitteltöner.

Abbildung 1: Links der Schalltrichter, in der Mitte der kleine Hochtöner, rechts der Mitteltöner.

Ist die Front gelöst, trennen Sie vorsichtig die Kabel dahinter ab. Die Anschlüsse der Lautsprecher haben einen kleinen Sicherungshaken, den Sie mit einer Zange oder einem spitzen Stift lösen müssen, bevor sich die Anschlüsse abziehen lassen. Das Flachbandkabel der Bedienelemente ist mit einer kleinen Klappe gesichert, die Sie mit einem Schraubendreher öffnen müssen, bevor Sie das Flachbandkabel herausziehen (Abbildung 2).

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