Aus Raspberry Pi Geek 07-08/2020

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Uwe Vollbracht

DNS-Abfragen verarbeiten mit Dnsproxy 0.26.3, Metadaten auslesen mit Exiftool 11.99, Textdateien bearbeiten mit Micro 2.0.3, PDF-Dokumente zuschneiden mit Pdftools 2.0.1

Namenspatron

DNS-Abfragen verarbeiten Sie im lokalen Netzwerk mit Dnsproxy 0.26.3.

In LAN leitet in der Regel der DSL-Router des Providers DNS-Anfragen an einen der übergeordneten Server weiter, ohne große Eingriffsmöglichkeiten durch den Nutzer. Mit dem Tool Dnsproxy verwenden Sie den RasPi zum Verarbeiten von DNS-Anfragen. Auf der Github-Seite des Tools finden Sie fertige Binärpakete. Zwar gibt es im Raspbian-Repository ein gleichnamiges Werkzeug, doch dabei handelt es sich um ein anderes, seit 2016 nicht mehr gepflegtes Programm.

Um Dnsproxy als reinen Proxy ohne aufwendige Konfiguration zu nutzen, rufen Sie es mit der Option -u auf, die Sie bei Bedarf auch mehrfach angeben. Dabei übergeben Sie die Ziel-IP(s) des oder der zu verwendenden DNS-Server(s) als Parameter. Das Programm übergibt die Anfrage dann an den ersten DNS-Server, der einen Verbindungsaufbau erlaubt. Mit dem Parameter -s ist es möglich, die Anfrage gleichzeitig an alle DNS-Server zu senden.

Das Programm wartet auf Port 53 an allen Schnittstellen auf eingehende TCP- oder UDP-Verbindungen. Da es sich um einen sogenannten privilegierten Port handelt, erfordert die Aktion administrative Rechte. Mit -p geben Sie einen anderen Port vor, mit -l beschränken Sie Dnsproxy auf eine einzelne Schnittstelle. Aktivieren Sie mit dem Parameter -z das Caching, kann das Tool schneller auf wiederkehrende Anfragen reagieren. Die Cache-Größe legen Sie über -e fest.

Neben den üblichen DNS-Abfragen unterstützt Dnsproxy aktuelle Techniken wie DNS-over-HTTPS (DoH) und DNS-over-TLS. Dadurch kann es Programme mit DoH-Unterstützung ausstatten, die die Technik von Haus aus nicht kennen. Um DNS-Anfragen via DoH zu stellen, geben Sie beim Start mit -h einen alternativen Port an, auf dem Dnsproxy Anfragen annimmt. Bei DNS-over-TLS spezifizieren Sie den Port mit -t. Außerdem legen Sie mit -c und -k ein Zertifikat und einen privaten Schlüssel fest. Anwendungsbeispiele finden Sie im Github-Repository des Tools.

Dnsproxy 0.26.3

 

Lizenz: GPLv3

Quelle: https://github.com/AdguardTeam/dnsproxy

Metawerkzeug

Mit Exiftool 11.99 verarbeiten Sie die Metadaten von Mediadateien.

Die meisten Multimedia-Dateiformate enthalten neben den Nutzdaten auch Metadaten. Dazu zählen etwa Zeitstempel, GPS-Koordinaten oder eine Kennung des Geräts, das die Daten erfasst hat. Mit dem Perl-Tool Exiftool greifen Sie via Konsole auf diese Metadaten zu. Das Programm unterstützt über 30 verschiedene Formate, von PNG, JPEG und GIF über AVI, MP3, MP4 und MKV bis hin zu EPUB und Ogg. Darüber hinaus liest es Informationen aus ZIP-, RAR- und ISO-Archiven aus. Bei einigen wenigen Formaten wie JPEG, GIF oder PNG lassen sich die Metadaten auch bearbeiten. Die Palette der Kandidaten, für die Exiftool sogar Metadaten erzeugt, bleibt mit sieben Formaten übersichtlich. Eine Übersicht aller unterstützen Formate und die Art der Unterstützung entnehmen Sie der Manpage des Programms.

Daneben eignet sich Exiftool dazu, weitere Informationen wie Vorschaubilder aus den jeweiligen Formaten zu extrahieren oder Metadaten aus einer oder mehreren Dateien zu entfernen. Standardmäßig erzeugt es dabei eine neue Datei und macht das Original durch eine Erweiterung des Dateinamens kenntlich. Mit Optionen wie -overwrite_original_in_place und -overwrite_original umgehen Sie dieses Verhalten. Zum späteren Weiterverarbeiten exportieren Sie die extrahierten Metadaten bei Bedarf als CSV, im JSON-Format oder als PHP-Array. Zur Online-Präsentation ist mit -h die Ausgabe als HTML-Datei möglich. Exiftool bietet zahlreiche Manipulationsmöglichkeiten, die Sie über Kommandozeilenparameter automatisieren. Damit eignet sich das Tool zur Integration in Skripten.

Exiftool 11.99

 

Lizenz: GPLv2

Quelle: https://exiftool.org

Schreibzwerg

Der kompakte Editor Micro 2.0.3 macht auf dem RasPi eine gute Figur.

Neben bekannten Größen wie Vim oder Emacs stehen kompakte Editoren gerade auf dem RasPi hoch im Kurs. In diese Kategorie fällt der Go-basierte Editor Micro, der keinerlei Abhängigkeiten zu Bibliotheken aufweist. Im Github-Repository des Tools finden Sie Binärpakete für alle wichtigen Betriebssysteme und Plattformen. Die Dokumentation beschränkt sich auf eine README-Datei im Archiv; weitere Informationen liefert die Github-Seite.

Rufen Sie Micro mit der Option -options auf, listet es seine Parameter auf. Nach dem Programmstart steht in der Konsole ein schlichtes Fenster mit aktivierter Zeilennummerierung bereit. Statusinformationen wie Dateiname, Zeichenkodierung oder Art des Zeilenumbruch zeigt Micro in der Fußzeile an. Hier finden Sie außerdem die Tastenkürzel für die Online-Hilfe und eine Liste aller weiteren Tastenkürzel. Mit [Strg]+[S] speichern Sie den Inhalt, über [Strg]+[Q] beenden Sie den Editor. Nicht alle Funktionen lassen sich per Tastenkürzel erreichen. Mit [Strg]+[E] öffnen Sie eine Befehlszeile, in der Sie bei Bedarf Funktionen direkt aufrufen. Eine Übersicht aller Funktionen liefert der Befehl help commands.

Trotz seiner kompakten Bauweise kann Micro mehrere Dateien parallel in einzelnen Reitern öffnen. Über die interne Befehlszeile wechseln Sie mit dem Befehl tabswitch in jeden gewünschten Reiter oder aktivieren das Syntax-Highlighting. Das Aufteilen des Fenster gelingt mit den Befehlen vsplit und hsplit. Seine Konfiguration legt Micro im JSON-Format unter .config/micro/ ab. Hier speichert das Programm außerdem alle gepufferten Daten und Plugins. In einigen Erweiterungen kommt die Skriptsprache Lua zum Einsatz; auf Github findet sich eine Anleitung zum Bau eigener Plugins.

Micro 2.0.3

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/zyedidia/micro

Manipulator

Mit Pdftools 2.0.1 bearbeiten Sie PDF-Dokumente auf der Kommandozeile.

Das Portable Document Format hat sich in den letzten 25 Jahren zum Standard für die Publikation und Weitergabe von Dokumenten entwickelt. Wer solche Dateien nachträglich anpassen möchte, braucht meist teure Tools. Wollen Sie lediglich ganze Seiten austauschen, genügt Pdftools. Es bietet neun verschiedene Funktionen, um Seiten aus einem PDF-Dokument zu entfernen, neue hinzuzufügen oder das Dokument neu auszurichten. Das Python-basierte Tool setzt dabei auf die Pypdf2-Bibliotheken. Die Software fehlt im Raspbian-Repository, Sie müssen sie aus den Quellen installieren. Als Dokumentation gibt es lediglich eine README-Datei; über den Parameter -h rufen Sie eine Online-Hilfe auf. Bei einem Start ohne Parameterangabe listet das Programm alle verfügbaren Funktionen auf.

Mit dem Befehl add fügen Sie Seiten aus einer PDF-Datei in eine andere ein, mit copy duplizieren Sie sie in eine andere Datei. Mit remove entfernen Sie einzelne Seiten aus einem Dokument. Mehrere PDF-Dokumente fügen Sie mit merge zusammen. Der Befehl split ermöglicht das Aufteilen eines PDFs in Einzeldateien mit einer festgelegten Anzahl von Seiten. Bei Bedarf drehen Sie einzelne Seiten oder den gesamten Inhalt eines Dokuments mit rotate um 90 Grad im Uhrzeigersinn. Jeder Befehl besitzt individuelle Parameter, deren Funktion Sie über die Online-Hilfe ermitteln. Das vollständig über Aufrufparameter gesteuerte Pdftools eignet es sich zur Integration in Skripte und damit für das automatische Verarbeiten von PDFs.

Pdftools 2.0.1

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/stlehmann/pdftools

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