Aus Raspberry Pi Geek 04/2020

BerryLan vereinfacht die Installation eines Headless-RasPi

© Aleksandr Elesin, 123RF

Kopflos starten

Christoph Langner

Das auf Raspbian aufsetzende BerryLan installiert auf einem RasPi ein System, das sich per Bluetooth und Smartphone-App ins WLAN integrieren lässt – ideal für den an Schnittstellen armen Raspberry Pi Zero W.

Mit Raspbian liefert die Raspberry Pi Foundation ein Betriebssystem, mit dem sich ein RasPi in wenigen Augenblicken startklar machen lässt – egal, ob Sie sich für die Variante mit oder ohne Desktop-Umgebung entscheiden. Ausgehend von der Standardinstallation lässt sich das System dann mit wenig Aufwand an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Das setzt allerdings zwingend den Anschluss von Tastatur, Maus und Bildschirm voraus. Schon für den Zugang über SSH wird es ein wenig komplizierter, da Raspbian schon seit Längerem den SSH-Server nicht mehr automatisch startet [1].

Der Aufbau eines Headless-RasPi, also eines Rechners ohne Peripheriegeräte oder gar ein Netzwerkkabel, erfordert hingegen mehr Aufwand sowie ein gewisses Know-how. Schon vor dem ersten Start des Raspbian-Systems gilt es in diesem Fall, die Konfigurationsdatei /etc/wpa_supplicant zu bearbeiten und die Zugangsdaten zum Netzwerk einzutragen [2]. Eben diese Arbeit möchte Ihnen das Projekt BerryLan abnehmen. Mithilfe des angepassten Raspbian-Images und eines Smartphones hängt das RasPi-System innerhalb von wenigen Minuten im Netz.

Starthilfe

Für BerryLan [3] greifen die Entwickler auf das bewährte Raspbian zurück, beschränken sich allerdings auf die Lite-Variante des Systems (siehe Kasten “Raspbian Lite”). Sie erweitern das System in der Grundkonfiguration lediglich um den Nymea-networkmanager [4], der es erlaubt, das Netzwerk des Raspberry Pi über eine Bluetooth-LE-Verbindung von einem Smartphone aus ohne weitere manuelle Interaktion einzurichten. Dazu bietet das Open-Source-Projekt passende Apps in den jeweiligen App-Stores an.

Raspbian Lite

Mit Raspbian Lite pflegt die Raspberry Pi Foundation einen Zweig ihres Betriebssystems, der lediglich ein abgespecktes System ohne grafische Bedienoberfläche installiert, was die begrenzten Ressourcen des Raspberry Pi schont. Die Lite-Version empfiehlt sich daher für Nutzer, die den RasPi Headless betreiben möchten, also ohne Ein- und Ausgabegeräte. Bei Bedarf lässt sich das System allerdings schnell mit der gewohnten Oberfläche aufrüsten. Dazu spielen Sie über die Paketverwaltung einige Anwendungspakete ein (Listing 1). Damit das System dann die grafische Desktop-Umgebung lädt, rufen Sie sudo raspi-config auf und wählen unter 3 Boot Options | B1 Desktop/CLI die Option B4 Desktop Autologin.

Listing 1

$ sudo apt install raspberrypi-ui-mods rpi-chromium-mods lightdm

Die Installation von BerryLan gleicht der eines normalen Raspbian-Systems. Sie laden BerryLan in der aktuellen Version von der Homepage des Projekts herunterladen, extrahieren das ZIP-Archiv raspbian-stretch-berrylan-lite-latest.zip und schreiben dann die daraus resultierende Image-Datei auf die gewünschte Speicherkarte. Wie üblich erledigen Sie das mit den bekannten Kommandozeilenwerkzeugen oder mit grafischen Tools wie zum Beispiel dem betriebssystemübergreifend verfügbaren Etcher [7].

TIPP

Besitzen Sie einen RasPi, der schon unter Raspbian seine Arbeit verrichtet, müssen Sie das System des Mini-Rechners nicht unbedingt neu mit BerryLan aufsetzen und das System wieder frisch an Ihre Anforderungen anpassen. In der FAQ des Projekts [8] findet sich eine Anleitung, um ein bestehendes Raspbian-System mit BerryLan zu erweitern.

Konfiguration

Nach dem Schreiben der SD-Speicherkarte legen Sie diese in den Raspberry Pi ein und starten das System. Für die Konfiguration installieren Sie dann die für Ihr Smartphone geeignete BerryLan-App. Die Entwickler pflegen Varianten für Android [5] und iOS [6]; für den Artikel greifen wir auf die Android-Version der App zurück.

Die App beginnt umgehend, den Raspberry Pi über Bluetooth aufzuspüren. Dazu muss zum einen Bluetooth auf dem Handy aktiviert sein; zum anderen müssen Sie BerryLan unter Android erlauben, den Gerätestandort abzurufen. Lassen Sie sich davon nicht verwirren: Hier geht es nicht um GPS-Ortung, sondern um Bluetooth-Routinen, die auch zur Ortung herangezogen werden können [8].

Der mit BerryLan gestartete Raspberry Pi meldet sich in der App als BT WLAN setup. In der Liste erscheinen allerdings auch andere Pairing-fähige Bluetooth-Geräte (Abbildung 1). Tippen Sie im Dialog den RasPi an, überträgt BerryLan alle vom RasPi erkannten WLAN-Netze in der näheren Umgebung zur App. Im nächsten Schritt wählen Sie das gewünschte Netzwerk aus und geben die entsprechenden Zugangsdaten über die Tastatur des Smartphones ein (Abbildung 2). Klappt der Verbindungsaufbau, zeigt die App im letzten Schritt die IP-Adresse des frisch installierten Raspbian-Systems an (Abbildung 3).

Abbildung 1: Der mit BerryLan gestartete Raspberry Pi meldet sich in der BerryLan-App mit dem Eintrag VT WLAN setup.

Abbildung 2: Der RasPi scannt in der Umgebung nach verfügbaren WLANs und überträgt die Liste zur BerryLan-App auf dem Handy.

Abbildung 2: Der RasPi scannt in der Umgebung nach verfügbaren WLANs und überträgt die Liste zur BerryLan-App auf dem Handy.

Abbildung 3: Nach Abschluss des Verbindungsaufbaus zeigt die App auf dem Smartphone die IP-Adresse des Raspberry Pi an.

Abbildung 3: Nach Abschluss des Verbindungsaufbaus zeigt die App auf dem Smartphone die IP-Adresse des Raspberry Pi an.

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