Aus Raspberry Pi Geek 02/2020

Ubuntu Server 19.10 in 32 und 64 Bit auf dem Raspberry Pi (Seite 3)

Damit das System Deutsch als Standardsprache verwendet, müssen Sie noch den Eintrag Deutsch (Deutschland) in der Liste Language for menus and windows an die erste Stelle ziehen sowie den Schalter Apply System-Wide aktivieren (Abbildung 3). Mit den Kommandos aus Listing 6 lässt sich dann noch der SSDM-Login-Manager auf Deutsch umstellen und die automatisch aufklappende virtuelle Bildschirmtastatur deaktivieren.

Abbildung 3: Damit das Lubuntu-System Deutsch spricht, müssen zusätzliche Sprachpakete aus der Paketverwaltung eingespielt werden. Der Login-Manager lässt sich allerdings nur mit Kommandos eindeutschen.

Abbildung 3: Damit das Lubuntu-System Deutsch spricht, müssen zusätzliche Sprachpakete aus der Paketverwaltung eingespielt werden. Der Login-Manager lässt sich allerdings nur mit Kommandos eindeutschen.

Listing 6

$ echo "setxkbmap de" | sudo tee -a /usr/share/sddm/scripts/Xsetup
$ echo -e "[General]\nInputMethod=" | sudo tee -a /etc/sddm.conf

WiringPi: Zu alt für den RasPi 4

Ubuntu führt die beliebte WiringPi-Bibliothek direkt in den Paketquellen. Die Installation beschränkt sich daher auf das Kommando sudo apt install wiringpi. Mit dem Kommando gpio -v lässt sich dann die Version ermitteln; es handelt sich um WiringPi 2.50. Dieselbe Version findet sich aktuell auch in Raspbian “Buster”. Anwender mit einem Raspberry Pi der vierten Generation stehen hier allerdings vor einem Problem: Erst ab Version 2.52 unterstützt WiringPi den RasPi 4. Beim Starten meldet das Programm Oops: Unable to determine board revision […]. Da der WiringPi-Entwickler Gordon Henderson inzwischen frustriert das Handtuch geworfen hat, lässt sich das Programm in der benötigten Version auch nicht mehr aus seinem Git-Repository installieren.

Mit X geht es auch gut

Das XFCE-Projekt [7] hat mit XFCE 4.14 erst im August 2019 eine komplett überarbeitete Version des leichtgewichtigen Desktops veröffentlicht. Im Vergleich zum Vorgänger nutzen nun alle Kernkomponenten des Desktops das GTK-3-Toolkit. Damit rückt XFCE wieder näher an Gnome heran, wobei die Entwickler allerdings nach wie vor auf Experimente verzichten, etwa die Aktivitätenübersicht oder die dynamischen Desktops der Gnome-Shell. XFCE verwendet in der Standardkonfiguration nach wie vor nur ein Panel mit klassischem Startmenü und Benachrichtigungsfeld (Abbildung 4).

Abbildung 4: Der XFCE-Desktop von Xubuntu begnügt sich ebenfalls mit wenig Ressourcen. Das mit Ubuntu 19.10 ausgelieferte XFCE 4.14 setzt erstmals vollständig auf GTK 3, was Kompatibilität zu aktuellen Gnome-Anwendungen schafft.

Abbildung 4: Der XFCE-Desktop von Xubuntu begnügt sich ebenfalls mit wenig Ressourcen. Das mit Ubuntu 19.10 ausgelieferte XFCE 4.14 setzt erstmals vollständig auf GTK 3, was Kompatibilität zu aktuellen Gnome-Anwendungen schafft.

Die Installation umfasst 1269 neue Pakete und 666 MByte an Downloads; sie belegt 2969 MByte auf der Speicherkarte. Auch beim Xubuntu-Desktop gehören große Brocken wie LibreOffice oder Gimp zum Lieferumfang. Die XFCE-Standardtools wie der Bildbetrachter Ristretto, Atril zum Öffnen von PDFs oder der Mediaplayer Parole gehören allerdings eher in die Kategorie der Leichtgewichte. Bei der Umstellung auf Deutsch hilft derselbe Assistent wie bei Lubuntu, den Sie unter Settings | Language Support finden. Anschließend fügen Sie noch unter Einstellungen | Tastatur | Tastaturbelegung ein deutsches Tastaturlayout hinzu.

Fazit

Ubuntu 19.10 für den Raspberry Pi präsentiert sich noch nicht von seiner bestmöglichen Seite. Schon alleine der beim offiziellen Release vorhandene Kernel-Bug, der die USB-Ports blockiert, zeigt deutlich, dass die Prioritäten bei Canonical eher auf den konventionellen x86-Versionen für Server, Desktop und Notebook liegen, nicht bei der ARM-Variante für den Raspberry Pi. Zwar wird mit Sicherheit ein Kernel-Update das Problem noch beheben, doch Raspbian erweist sich durch die Bank besser auf den RasPi eingestellt. So fehlt unter Ubuntu zum Beispiel auch ein zu Raspi-config vergleichbares Werkzeug zur Konfiguration der Hardware.

Das Ubuntu-System empfiehlt sich daher aktuell eher für Nutzer, die generell immer auf Ubuntu setzen und sich, trotz der geringen Unterschiede, nicht mit Raspbian beschäftigen möchten. Dabei muss man beachten, dass Ubuntu 19.10 als Server-System ausgelegt ist. Zwar lassen sich zahlreiche Desktops, von KDE bis zu XFCE, über die Paketquellen nachinstallieren. Damit der Desktop so rund läuft wie LXDE unter Raspbian braucht es immer wieder Eingriffe unter der Haube des Systems, etwa beim Aktivieren des Bluetooth-Moduls. Bis Ubuntu offiziell eine Variante mit Desktop anbietet, sollte man daher besser noch bei Raspbian bleiben. 

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 6 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
RASPBERRY PI GEEK KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Raspberry Pi Geek bei Google Play Readly Logo
Nach oben