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Aus Raspberry Pi Geek 02/2020

Ubuntu Server 19.10 in 32 und 64 Bit auf dem Raspberry Pi (Seite 2)

Frisch gestartet, belegt das System rund 1 GByte im Arbeitsspeicher. Es empfiehlt sich daher, einen RasPi 4 mit 2 oder besser gleich 4 GByte RAM zu verwenden. Die Ladezeiten beim Start von Anwendungen halten sich in Grenzen, selbst größere Anwendungen wie der zusammen mit dem Kubuntu-Desktop vorinstallierte Firefox-Browser laden in wenigen Momenten. Schwergewichte wie LibreOffice Writer benötigen allerdings mehr als 15 Sekunden, um auf dem Desktop zu erscheinen.

Abbildung 1: Der KDE-Desktop von Kubuntu präsentiert stolz seine grafischen Effekte. Dadurch nimmt das System allerdings entsprechend Ressourcen in Beschlag und reagiert langsamer als nötig.

Abbildung 1: Der KDE-Desktop von Kubuntu präsentiert stolz seine grafischen Effekte. Dadurch nimmt das System allerdings entsprechend Ressourcen in Beschlag und reagiert langsamer als nötig.

In Sachen Aktualität gibt sich Ubuntu 19.10 kaum eine Blöße: Unter der Haube arbeiten der Kernel 5.3.0 (bereitgestellt über das Paket linux-raspi2), die Glibc 2.30, Python 3.7.5 (samt Interpreter Python 3.8.0), Ruby 2.5.5 und PHP 7.3.8 sowie Apache 2.4.41 und MySQL 8.0.17.

Der Kubuntu-Desktop basiert auf KDE Plasma 5.16.5 und dem KDE Framework 5.62.0, mit an Bord sind unter anderem Firefox 69 und LibreOffice 6.3. Mit der Installation des Lubuntu-Desktops erhält man LXQt 0.14.1 zusammen mit den für den Desktop typischen Tools Qterminal, LXImage und PCManFM-Qt 0.14.1.

Der Xubuntu-Desktop basiert auf der aktuellen Version XFCE 4.14.0, in der erstmals alle Kernkomponenten GTK 3 verwenden, was die lange Entwicklungszeit von mehr als 4 Jahren erklärt.

Rank und schlank

Aufgrund des trägen Auftritts des Kubuntu-Desktops werfen wir noch einen Blick auf den Lubuntu-Desktop, der auf LXQt [6] aufsetzt. Bei LXQt handelt es sich um eine Portierung von LXDE, dem Standard-Desktop von Raspbian, auf das Qt-Toolkit, das auch der Plasma-Desktop von KDE verwendet.

Auch wenn LXQt weniger auf die Systemressourcen drückt, braucht die Installation des Lubuntu-Desktops erst einmal mehr Platz als die des Kubuntu-Pendants. Die Installation spült insgesamt 1543 zusätzliche Pakete mit einem Download-Volumen von 792 MByte auf die Speicherkarte. Im System ausgepackt, verbraucht die Desktop-Umgebung dann 3424 MByte. Der erhöhte Platzverbrauch resultiert unter anderem daraus, dass Lubuntu automatisch LibreOffice einspielt, was bei Kubuntu nicht geschieht.

WLAN und Bluetooth

Unter allen getesteten Desktop-Umgebungen funktionierte die Integration in ein bestehendes WLAN ohne Probleme. Bluetooth hingegen benötigt unter Ubuntu 19.10 noch ein manuelles Eingreifen. Anderenfalls entdecken die Bluetooth-Manager der Desktop-Umgebungen keine Geräte, und Kommandozeilen-Werkzeuge wie sudo hcitool dev oder sudo bluetoothctl show liefern keine Ergebnisse.

Der Grund dafür: Das System sucht an einer falschen Stelle nach der Firmware des Bluetooth-Moduls des Raspberry Pi. Mit den Kommandos aus den ersten zwei Zeilen von Listing 4 richten Sie als Abhilfe einen Symlink ein und aktivieren dann den Bluetooth-Controller. Um die hciattach-Anweisung über einen Neustart hinaus permanent im System zu verankern, erstellen Sie zusätzlich noch eine /etc/rc.local (Zeile 8) mit dem Inhalt aus Listing 5 und machen die Datei ausführbar (Zeile 9).

Listing 4

$ sudo ln -s /lib/firmware /etc/firmware
$ sudo hciattach /dev/ttyAMA0 bcm43xx 921600 -
bcm43xx_init
Set Controller UART speed to 921600 bit/s
Flash firmware /etc/firmware/brcm/BCM4345C0.hcd
Set Controller UART speed to 921600 bit/s
Device setup complete
$ sudoedit /etc/rc.local
$ sudo chmod +x /etc/rc.local

Listing 5

#!/bin/sh -e
if [ -n "$(which hciattach)" ]; then
  hciattach /dev/ttyAMA0 bcm43xx 921600
fi
exit 0

Im Vergleich zu KDE Plasma geht der LXQt-Desktop auf dem Raspberry Pi 4 wesentlicher schneller zur Sache. Das Anwendungsmenü klappt unmittelbar nach dem Mausklick auf, Fenster lassen sich ohne Ruckeln auf dem Bildschirm verschieben, und der komplette Desktop wirkt wesentlich flüssiger. Subjektiv betrachtet liegen der LXDE-Desktop von Raspbian und LXQt unter Ubuntu 19.10 in Sachen Geschwindigkeit gleichauf.

Auch beim Aufbau der Desktops unterscheiden sich LXDE und LXQt nicht wesentlich – wenn auch LXQt das Panel mitsamt dem klassischen Startmenü unten platziert, statt wie LXDE an der oberen Bildschirmkante (Abbildung 2). Insgesamt wirkt der LXQt-Desktop mit seinen blasseren Farben und schlichteren Icons ein wenig erwachsener als der von Raspbian.

Abbildung 2: Das LXQt-System ähnelt LXDE, setzt allerdings auf das Qt-Toolkit von KDE. Der Desktop verzichtet auf Spielereien, ist aber dennoch von Aussehen und Funktionalität her auf Höhe der Zeit.

Abbildung 2: Das LXQt-System ähnelt LXDE, setzt allerdings auf das Qt-Toolkit von KDE. Der Desktop verzichtet auf Spielereien, ist aber dennoch von Aussehen und Funktionalität her auf Höhe der Zeit.

Damit der Lubuntu-Desktop Deutsch spricht, gilt es, noch die nötigen Sprachpakete zu installieren. Dazu gibt es unter Preferences | Language Support ein eigenes Werkzeug. Hier setzen Sie unter Install / Remove Languages den Haken bei German und installieren dann mit Apply die Auswahl.

Damit das System Deutsch als Standardsprache verwendet, müssen Sie noch den Eintrag Deutsch (Deutschland) in der Liste Language for menus and windows an die erste Stelle ziehen sowie den Schalter Apply System-Wide aktivieren (Abbildung 3). Mit den Kommandos aus Listing 6 lässt sich dann noch der SSDM-Login-Manager auf Deutsch umstellen und die automatisch aufklappende virtuelle Bildschirmtastatur deaktivieren.

Abbildung 3: Damit das Lubuntu-System Deutsch spricht, müssen zusätzliche Sprachpakete aus der Paketverwaltung eingespielt werden. Der Login-Manager lässt sich allerdings nur mit Kommandos eindeutschen.

Abbildung 3: Damit das Lubuntu-System Deutsch spricht, müssen zusätzliche Sprachpakete aus der Paketverwaltung eingespielt werden. Der Login-Manager lässt sich allerdings nur mit Kommandos eindeutschen.

Listing 6

$ echo "setxkbmap de" | sudo tee -a /usr/share/sddm/scripts/Xsetup
$ echo -e "[General]\nInputMethod=" | sudo tee -a /etc/sddm.conf

WiringPi: Zu alt für den RasPi 4

Ubuntu führt die beliebte WiringPi-Bibliothek direkt in den Paketquellen. Die Installation beschränkt sich daher auf das Kommando sudo apt install wiringpi. Mit dem Kommando gpio -v lässt sich dann die Version ermitteln; es handelt sich um WiringPi 2.50. Dieselbe Version findet sich aktuell auch in Raspbian “Buster”. Anwender mit einem Raspberry Pi der vierten Generation stehen hier allerdings vor einem Problem: Erst ab Version 2.52 unterstützt WiringPi den RasPi 4. Beim Starten meldet das Programm Oops: Unable to determine board revision […]. Da der WiringPi-Entwickler Gordon Henderson inzwischen frustriert das Handtuch geworfen hat, lässt sich das Programm in der benötigten Version auch nicht mehr aus seinem Git-Repository installieren.

Mit X geht es auch gut

Das XFCE-Projekt [7] hat mit XFCE 4.14 erst im August 2019 eine komplett überarbeitete Version des leichtgewichtigen Desktops veröffentlicht. Im Vergleich zum Vorgänger nutzen nun alle Kernkomponenten des Desktops das GTK-3-Toolkit. Damit rückt XFCE wieder näher an Gnome heran, wobei die Entwickler allerdings nach wie vor auf Experimente verzichten, etwa die Aktivitätenübersicht oder die dynamischen Desktops der Gnome-Shell. XFCE verwendet in der Standardkonfiguration nach wie vor nur ein Panel mit klassischem Startmenü und Benachrichtigungsfeld (Abbildung 4).

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