
Abbildung 3: Der Raspberry Pi 3 spielt die Videos nur in Full-HD-Qualität ab. HEVC-kodierte Videos fangen schon bei geringen Bitraten an zu ruckeln.
Mit HEVC (H.265) kodierte Full-HD-Clips mag der Raspberry Pi 3 gar nicht. Immerhin: Bis hin zu einer Bitrate von 10 Mbit/s funktioniert die Wiedergabe. Die Statistikanzeige meldet, dass die vier Kerne des RasPi 3 nicht ausgelastet sind. Bei 20 Mbit/s treten dann bereits erste Ruckler im Bild auf, was Kodi auch als dropped frames meldet (Abbildung 1). Bei 45 Mbit/s und 55 Mbit/s treten die Ruckler durchgehend auf, zudem kommt das Abspielen zunehmend ins Stocken. Bei 110 Mbit/s nimmt sich das System dann längere Pausen.
Der Versuch, 4K-Material auf dem RasPi-3-System abzuspielen, scheitert – egal, welcher Codec zum Einsatz kommt. Der bei 120 Mbit/s mit H.264 kodierte Clip bringt nur Grafikmüll auf den Bildschirm (Abbildung 4). Das bei gleicher Bitrate HEVC-kodierte Video lässt das LibreELEC-System auf dem RasPi 3 sofort nach dem Anspielen abstürzen. Ein Test mit in besserer Qualität kodierten Videos erübrigt sich daher.

Abbildung 4: An Videos in 4K-Auflösung scheitert der RasPi 3 generell. H.264-kodierte 4K-Clips spielt das System nur mit Grafikfehlern ab.
… RasPi 4 läuft wie Tier
Der Raspberry Pi 4B kommt beim Abspielen der Testclips im Vergleich zum RasPi 3 wesentlich weniger ins Schwitzen. Die H.264-Videos in Full-HD-Auflösung spielt er allesamt bis hin zu der vom Jellyfish-Projekt maximal bereitgestellten Bitrate von 110 Mbit/s ohne den geringsten Ruckler ab. Die mit H.264 kodierten 4K-Clips überfordern allerdings auch den RasPi 4 – die hochauflösenden Videos stocken bereits in der kleinsten Version mit 120 Mbit/s.
Beim Abspielen der HEVC-Clips (H.265) ergibt sich dasselbe Bild. Die Full-HD-Videos spielt LibreELEC auf dem RasPi 4 bis hin zu 110 Mbit/s ohne Ruckler oder gar Aussetzer ab. Die Wiedergabe von Videodateien mit 4K-Auflösung stottert allerdings schon ab der kleinsten Variante mit 120 Mbit/s, funktioniert aber andererseits noch bis hoch zur maximalen Bitrate von 400 Mbit/s, wenn auch mit ähnlichen kurzen Aussetzern.
Anderes gebräuchliches Videomaterial, etwa die in 4K-Auflösung gerenderten Versionen der Filme “Tears of Steel” [4] und “Sintel” [5], die im Rahmen des Open-Movie-Projekts der Blender Foundation entstanden, bringt der RasPi 4 anders als sein Vorgänger auch in den jeweiligen HEVC-Versionen ohne jeglichen optischen Aussetzer auf den Bildschirm. Auch anderes aus dem Internet gesammeltes und mit HEVC kodiertes Material verursacht keine Probleme mehr.
Netflix und Amazon Prime
Nutzer der beiden Videostream-Anbieter profitieren von der Leistungssteigerung des Raspberry Pi 4 aktuell noch nicht. Integriert man die Dienste in das LibreELEC-System, lassen sich die Videos der beiden Film- und Serien-Videotheken ansteuern und das angebotene Material zwar abspielen, doch beide Anbieter streamen ihr Material mit H.264 kodiert auf den Raspberry Pi. Die Qualität schwankt dabei von Film zu Film: Amazon liefert oft nur Videos mit 540p aus, bei Netflix schwankt die Qualität zwischen 1080p für ältere Titel und 540p für Blockbuster und aktuelles Material (Abbildung 5).
Das Einspielen der entsprechenden Addons funktioniert auf der Alphaversion von LibreELEC 9.2 ohne Probleme. Die jeweiligen Entwickler bieten für eine möglichst einfache Installation eigene Repositories an. Für das Amazon-Instant-Video-Addon nutzen Sie das Repository des Kodi-Entwicklers Sandmann79 [7]. Für Netflix müssen Sie aktuell auf das CastagnaIT-Repository [8] zurückgreifen; das ursprüngliche Asciidisco-Repository [9] lässt sich schon seit Monaten nicht mehr erreichen. Details zur Installation entnehmen Sie dem Artikel “Popcorn-Kino” aus RPG 06/2019 [10].

Abbildung 5: Die Addons für Netflix und Amazon Prime profitieren von den Fähigkeiten des RasPi 4B nicht: Beide Anbieter streamen ihr Material mit H.264 und oft nur in geringer Auflösung auf den RasPi.
Fazit
Das aus vielen Quellen in zunehmend besserer Qualität angebotene Videomaterial überfordert die dritte Generation des Raspberry Pi oft. Immer wieder kommt es in detailreichen Szenen zu Bildaussetzern, oder die Filme laufen von Anfang an nur stockend ab. Manch ein Video lässt sich unter LibreELEC auf dem RasPi gar nicht wiedergeben. Auf den Raspberry Pi setzende Filmfans müssen die Videos daher in solchen Situationen am PC umkodieren.
Das Upgrade auf einen Raspberry Pi 4B sorgt hier in allen Belangen für Abhilfe. Der RasPi 4B kommt mit Full-HD-Material problemlos zurecht, egal, ob die Videos mit H.264 oder HEVC (H.265) kodiert wurden. Bei 4K-Videos allerdings kommt es aktuell noch auf die Bitrate an. Die mit sehr hoher Qualität erstellten Jellyfish-Videos etwa laufen zwar, aber nur ruckelnd. Deren Bitraten sind allerdings eher akademischer Natur als praxisnah.
Infos
- DVB-T2 mit H.265 auf dem RasPi 3B+: Bernhard Bablok, “Faktencheck”, RPG 10/2019, S. 32, http://raspi-geek.de/42973
- LibreELEC 9.2a1 für den RasPi 4: https://libreelec.tv/2019/06/libreelec-9-2-alpha1-rpi4b
- Testdateien: http://jell.yfish.us
- “Tears of Steel”: https://mango.blender.org/download
- “Sintel”: https://durian.blender.org/download/
- LibreELEC USB-SD Creator: https://libreelec.tv/downloads_new
- Amazon Instant Video Addon for Kodi Media Center: https://github.com/Sandmann79/xbmc
- CastagnaIT-Repository für Netflix-Addon: https://github.com/CastagnaIT/repository.castagnait
- Inputstream based Netflix Plugin for Kodi: https://github.com/asciidisco/plugin.video.netflix
- Netflix und Co. streamen: Christoph Langner, “Popcorn-Kino”, RPG 06/2019, S. 26, http://raspi-geek.de/42674





