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Aus Raspberry Pi Geek 02/2018

Digital Signage mit Info-beamer hosted und dem Raspberry Pi

© destinacigdem, 123RF

Plakativ

Christoph Langner

Wo früher Schilder und Plakate informierten, hängen heute Displays mit laufend aktualisierten Informationen. Mit Info-beamer lässt sich so ein System bis hin zur Videowand unkompliziert aufbauen.

Ob das aktuelle Programm einer Konferenz, die Abflug- und Ankunftszeiten in der Wartehalle eines Flughafens oder das Menü eines Fast-Food-Restaurants: Digitale Anzeigen (oder neuhochdeutsch Digital Signage) sind aus kaum einem Teil unseres Lebens mehr wegzudenken. Digitale Anzeigen lassen sich dynamisch gestalten und jederzeit aktualisieren, auch über das Internet. Die Kosten für Druck oder Austausch von Postern fallen komplett weg.

In diesem Geschäftsfeld tummeln sich zahlreiche Anbieter, die von der Software über die Dienste im Hintergrund bis hin zur Hardware alles organisieren. Doch auch für Do-it-yourself-Enthusiasten finden sich eine Reihe von Open-Source-Tools, wie etwa Screenly [1] oder Xibo [2]. Als weiterer Anbieter setzt der in Karlsruhe ansässige Dienst Info-beamer [3] ganz auf den Raspberry Pi. Dabei bietet die Lösung sehr innovative Ansätze.

Den Quellcode der Software gibt das Unternehmen unter der BSD-Lizenz frei [4]. Private Anwender dürfen die Software kostenlos verwenden, kommerzielle Nutzer müssen eine Lizenz erwerben; Preise nennt der Hersteller nur auf Anfrage. Alternativ bietet der Entwickler mit Info-beamer hosted [5] eine über ein zentrales Webfrontend steuerbare Version an, die man tageweise buchen kann. Ein Gerät und 1 GByte Speicher sind frei, weitere Geräte sowie Speicherplatz lassen sich für 25 Cent pro Tag hinzubuchen. Auf diese Option konzentriert sich der Artikel.

Installation

Info-beamer hosted erhalten Sie nach der Registrierung beim Dienst als ZIP-Datei oder als Image. Zudem müssen Sie sich zwischen einem Stable- und einem Testing-Build entscheiden. Für die neuesten Funktionen sollten Sie die Testversion ausprobieren.

Das Image schreiben Sie mit den üblichen Werkzeugen direkt auf die Speicherkarte. Alternativ formatieren Sie eine SD-Karte mit dem FAT-Dateisystem und entpacken den Inhalt des ZIP-Archivs darauf. Beim ersten Start bereitet das System die Speicherkarte vor und lädt die eigentliche Umgebung. Zur Konfiguration müssen Sie dann den Raspberry Pi ans Stromnetz und LAN anschließen.

Sie steuern das komplette System über das Frontend unter http://info-beamer.com. Auf dem Schirm des mit Info-beamer hosted gestarteten RasPi sehen Sie daher erst einmal nur das Logo des Unternehmens sowie einen Code (Abbildung 1). Den verwenden Sie, um das System im Dashboard unter Devices über den Button Register Device.. dem System hinzuzufügen. Gebühren fallen erst ab dem zweiten Display-RasPi an. Ein Assistent begleitet Sie bei den ersten Schritten in der Weboberfläche.

Abbildung 1: Der kleine Raspberry Pi unten wartet darauf, dass Sie ihn mithilfe seines Registrierungscodes zum Info-beamer-System hinzufügen.

Abbildung 1: Der kleine Raspberry Pi unten wartet darauf, dass Sie ihn mithilfe seines Registrierungscodes zum Info-beamer-System hinzufügen.

Unter der Haube

Info-beamer ist darauf ausgelegt, auf einem Raspberry Pi mit kabelgebundenem Netzwerkanschluss zu laufen. Gerade auf gut besuchten Konferenzen steht eine zuverlässige WLAN-Verbindung nicht immer zur Verfügung. Bei Bedarf lässt sich der WLAN-Zugang jedoch über die Datei /config/wireless im System konfigurieren [7]. Nehmen Sie dazu die Karte aus dem RasPi und bearbeiten Sie die Datei über einen Kartenleser am PC.

RasPi-Konfigurationen wie etwa das Drehen des Bildschirms über die Option display_rotate tragen Sie im Info-beamer-System nicht in der Datei config.txt ein, sondern stattdessen in /config/userconfig.txt. Das System überschreibt die config.txt bei jedem Neustart mit den Standardeinstellungen. Bei der Konfiguration hilft Ihnen zudem das Info-beamer os configuration tool [8]. Darin klicken Sie in einer Weboberfläche die WLAN-Konfiguration sowie Einstellungen wie Bildschirmauflösung oder Audioausgang zusammen. Über ein Konfigurationspaket übertragen Sie die Einstellungen dann auf das System.

Paketweise

Ein Klick auf die Seriennummer in der Devices-Übersicht führt zum Gerät. Dort blendet das System verschiedene Informationen ein, darunter Auflösung, Hardware, Uptime, Temperatur und mehr. Zudem sehen Sie als Live View, was der entsprechende RasPi gerade ausgibt. Über Update Live View lässt sich die Ansicht aktualisieren. Daneben informiert Sie das System über etwaige Probleme mit dem RasPi-Board (im Beispiel aus Abbildung 2 eine unzureichende Spannungsversorgung). Zudem blendet die Seite auf Wunsch Signalbalken zur Speicherauslastung, Systemlast und Framerate ein. Dazu müssen Sie allerdings in Ihrem Benutzerprofil die Option Show advanced/developer options aktivieren.

Abbildung 2: Info-beamer zeigt in der Weboberfläche zahlreiche Informationen zu den angebundenen Geräten sowie eine Liveansicht an.

Abbildung 2: Info-beamer zeigt in der Weboberfläche zahlreiche Informationen zu den angebundenen Geräten sowie eine Liveansicht an.

Damit der Info-RasPi nun etwas anzuzeigen bekommt, installieren Sie unter Packages ein Programmpaket. Für den Bild- und Videobetrachter laden Sie jedoch zunächst einmal ein paar eigene Bilder mit einer maximalen Auflösung von 2048 x 2048 Pixel oder ein mit H.264 codiertes MP4-Video mit maximal Full HD in die Assets hoch. Anschließend wechseln Sie im Reiter Packages zu Add Package | Import from Gallery. Am einfachsten funktionieren die Pakete HD Image/Video Player und Flickr Image Group Viewer (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die von Info-beamer angebotenen Pakete decken zahlreiche Anwendungsfälle aus dem Bereich Digital Signage ab.

Abbildung 3: Die von Info-beamer angebotenen Pakete decken zahlreiche Anwendungsfälle aus dem Bereich Digital Signage ab.

Über Import Package fügen Sie das gewünschte Paket der Installation hinzu und vergeben dafür einen für sich sprechenden Namen. In der Konfiguration des Setups nehmen Sie die Einstellungen zum entsprechenden Paket vor. Beim Bild- und Videobetrachter schnüren Sie beispielsweise Bilder und Videos zu einer Playlist zusammen. Beim Flickr-Browser wählen Sie eine Flickr-Gruppe aus, deren Bilder dann auf dem Schirm erscheinen. Zudem lassen sich Details wie Anzeigedauer, Überblendgeschwindigkeit und Ken-Burns-Effekt definieren.

Damit das Paket dann auch auf dem Display-RasPi ankommt, wählen Sie unter Setups den Punkt Install on a device… und danach das gewünschte Gerät. Info-beamer nimmt daraufhin Kontakt mit dem ausgewählten RasPi auf und überträgt das Paket mitsamt allen benötigten Daten, also den Bildern und Videos. Besonders bei größeren Filmen dauert diese Aktion ein wenig. Am Ende sollte das Gerät jedoch die im Paket definierten Medien abspielen. Kontrollieren lässt sich die Wiedergabe nicht; installieren Sie jedoch ein Paket auf mehreren Info-beamer-RasPis, dann stimmen diese die Wiedergabe so ab, dass auf allen Bildschirmen immer dasselbe zu sehen ist.

Magische Videowand

Auf diese Weise lassen sich sehr schnell verteilte Info-Bildschirme, etwa vor Konferenzräumen, aufsetzen und zentral über die Weboberfläche steuern. Es braucht dazu nur genügend RasPis mit Display und Netzwerkzugang. Weiter gibt es vorgefertigte Pakete für beispielsweise eine Wetteranzeige, eine Twitter-Wall oder einen Willkommensbildschirm. Für besondere Wow-Effekte greifen Sie zu den Paketen Magic Video Wall und Media on freely arranged screens. Insbesondere die Videowand eignet sich sehr gut, um Eindruck zu schinden – dabei überzeugt nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Weg dorthin.

Mit der Magic Video Wall vereinen Sie frei im Raum platzierte Displays zu einer großen Anzeige. Die Bildschirme müssen dabei nicht zwingend nebeneinander auf gleicher Höhe Kante an Kante stehen und gleich groß sein. Info-beamer ermittelt automatisch, wie es das Bild aufteilen und verzerren muss. Für eine solche Videowand müssen Sie zwei oder mehr RasPis mit Info-beamer hosted aufsetzen, mit einem Bildschirm ausstatten und die Geräte an ihrem vorgesehenen Platz aufstellen. Anschließend installieren Sie das Paket Magic Video Wall und erstellen ein entsprechendes Setup, das Sie dann auf den entsprechenden Geräten einspielen.

In der Konfiguration zur Videowand erscheinen die gekoppelten Geräte in der Screen Configuration zunächst als Not mapped. Auf den Bildschirmen der Geräte sehen Sie einen QR-Code, der die Seriennummer sowie die Abmessungen des Bildschirms verrät. Info-beamer ermittelt die Dimensionen, sobald Sie ein Bild von Ihrer Installation hochladen. Am einfachsten öffnen Sie dazu die Konfigurationsseite auf einem Smartphone (Abbildung 4) und wählen Upload/Capture Mapping Picture. Unter Android haben Sie dann die Möglichkeit, ein schon erstelltes Bild auszuwählen oder die Kamera-App zu starten. Das Bild schießen Sie von der Position des Betrachters aus, wobei alle “Codes” in einer Aufnahme zu sehen sein müssen (Abbildung 5).

Abbildung 4: Über ein Smartphone lässt sich das Mapping einer Videowand am schnellsten ins System einfügen.

Abbildung 4: Über ein Smartphone lässt sich das Mapping einer Videowand am schnellsten ins System einfügen.

Abbildung 5: Info-beamer erkennt die Codes auf den verknüpften Displays und errechnet daraus die ideale Aufteilung der Bildschirminhalte.

Abbildung 5: Info-beamer erkennt die Codes auf den verknüpften Displays und errechnet daraus die ideale Aufteilung der Bildschirminhalte.

Danach fügen Sie, wie schon beim Bild- und Videobetrachter-Paket, der Playlist Configuration Medien aus den Assets hinzu. Nachdem das System die Daten übertragen hat, erscheint das Bild dann automatisch über alle Anzeigen verteilt (Abbildung 6). Was im Beispiel mit einem 22-Zoll-Monitor und einem Raspberry-Pi-Display recht mickrig aussieht, erscheint auf einem größeren Aufbau mit mehreren Full-HD-Bildschirmen deutlich eindrucksvoller.

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