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Aus Raspberry Pi Geek 10/2018

Raspbian 2018-06-27 mit Assistent zur Systemkonfiguration

© lesnoj, 123RF

Erste Schritte

Christoph Langner

Moderne Betriebssysteme führen den Nutzer bei der Installation durch die wichtigsten Einstellungen. Auch Raspbian bringt jetzt einen Einrichtungsassistenten mit.

In regelmäßigen Abständen aktualisiert die Raspberry Pi Foundation ihr auf Debian GNU/Linux aufbauendes Betriebssystem Raspbian. Im Zuge solcher Updates übernehmen die Entwickler aktuelle Pakete des Debian-Unterbaus, fügen allerdings auch immer wieder eigene Neuerungen hinzu. Oft bekommen RasPi-Nutzer von der Aktualisierung wenig mit, da sich die wichtigsten Updates auf Komponenten unter der Haube des Systems beschränken, etwa auf die Firmware oder den Kernel. Das jüngste Update 2018-06-27 jedoch soll besonders Neulingen den RasPi-Einstieg erleichtern.

Bislang empfing ein frisch installiertes Raspbian den Anwender mit einem leeren Desktop. Die weiterführende Konfiguration, wie etwa das Einrichten des WLAN-Zugangs oder die Spracheinstellungen, musste der Nutzer von Hand anstoßen. Mit dem in Raspbian 2018-06-27 vorgestellten Setup-Assistenten ist das nicht mehr nötig: Das Programm startet automatisch beim ersten Hochfahren eines frisch installierten Raspbian-Systems. Anschließend leitet es den Anwender Schritt für Schritt durch die wichtigsten Einstellungen.

Setup-Assistent

Den Anfang machen die Spracheinstellungen. Dabei passt das System nicht nur die Sprache des Desktops und die Zeitzone an (allerdings erst nach dem nächsten Neustart), sondern auch Hardware-Konfigurationen wie den für das WLAN-Modul genutzten Ländercode (Abbildung 1). Je nach Land lassen sich ansonsten im 2,4 GHz-Band die Kanäle 12 und 13 nicht nutzen.

Abbildung 1: Der Einrichtungsassistent leitet RasPi-Einsteiger durch die wichtigsten Einstellungsoptionen des Betriebssystems.

Abbildung 1: Der Einrichtungsassistent leitet RasPi-Einsteiger durch die wichtigsten Einstellungsoptionen des Betriebssystems.

Der Assistent schränkt den Anwender hier jedoch ein wenig ein: Wer etwa in Deutschland wohnt und daher die für Deutschland relevanten Einstellungen aktiviert, aber einen englischsprachigen Desktop bevorzugt, den bremst der Assistent aus: Wählen Sie Germany als Country aus, stehen nur verschiedene deutsche Tastaturbelegungen zur Wahl. Englisch bekommen Sie nur zu Gesicht, wenn Sie United Kingdom, United States oder ein anderes englischsprachiges Land auswählen. In so einem Fall müssen Sie das System nachträglich über die Raspberry-Pi-Konfiguration (oder raspi-config aus dem Terminal) anpassen.

Im nächsten Schritt hilft Ihnen der Assistent beim Setzen eines Passworts für den Standardbenutzer pi. Danach geht es mit der Konfiguration des WLAN-Zugangs und anschließend dem Einspielen der neuesten Updates weiter (Abbildung 2). Schließlich fordert der Assistent Sie noch auf, das System neu zu starten. Als Resultat erhalten Sie ein deutschsprachiges System auf dem neuesten Stand, das sich per WLAN ins Netzwerk einbucht und durch ein frisches Passwort abgesichert ist.

Abbildung 2: Neben den Spracheinstellungen, dem Absichern des Systems über ein Passwort und dem Einspielen von Updates übernimmt der Assistent auch die Konfiguration des WLANs.

Abbildung 2: Neben den Spracheinstellungen, dem Absichern des Systems über ein Passwort und dem Einspielen von Updates übernimmt der Assistent auch die Konfiguration des WLANs.

Neuer PDF-Betrachter

Seit den ersten Ausgaben von Raspbian setzten die Entwickler des Systems zum Lesen von PDF-Dokumenten auf das Urgestein Xpdf [1]. Der Dokumentenbetrachter braucht wenig Ressourcen, weist nur minimal Abhängigkeiten auf und zeigt PDFs in der Regel zuverlässig an. Dennoch hinkt Xpdf der Zeit hinterher, was man schon allein an der kantigen Oberfläche erkennt, die auf dem Motif-Framework [2] basiert (Abbildung 3).

Abbildung 3: Alt und neu im Vergleich: Qpdfview (rechts) fügt sich deutlich besser in den Raspbian-Desktop ein als Xpdf (links) und lädt Dokumente zudem deutlich schneller.

Abbildung 3: Alt und neu im Vergleich: Qpdfview (rechts) fügt sich deutlich besser in den Raspbian-Desktop ein als Xpdf (links) und lädt Dokumente zudem deutlich schneller.

In der neuesten Raspbian-Version schwenkt das System auf Qpdfview [3] um. Die Oberfläche des neuen Programms wirkt deutlich moderner, zudem zeigt Qpdfview das geladene Dokument schneller an und hält die folgenden Seiten in einem Zwischenspeicher vor, wodurch sich der Seitenaufbau beim Lesen nochmals beschleunigt.

Aktualisieren Sie ein bestehendes Raspbian-System, spielt das Update den leistungsfähigeren Dokumentenbetrachter jedoch nicht automatisch ein. In diesem Fall müssen Sie Qpdfview von Hand installieren (Listing 1, erste Zeile). Im Anwendungsmenü unter Zubehör finden sich danach zwei Einträge mit dem Namen PDF Viewer. Gefällt Ihnen der Neue, lässt sich Xpdf über die Paketverwaltung aus dem System und somit auch aus den Menüs löschen (zweite Zeile).

Listing 1

 

$ sudo apt install qpdfview
$ sudo apt purge --auto-remove xpdf

Empfohlene Software

Bei der Auswahl der vorinstallierten Anwendungen müssen die Raspbian-Entwickler immer einen Kompromiss eingehen: Einerseits soll das System möglichst viele Anwendungsfälle durch vorinstallierte Programme abdecken, sodass Einsteiger gleich loslegen können, ohne sich erst Vorkenntnisse über die Paketverwaltung anlesen zu müssen. Auf der anderen Seite versucht die Foundation, das Betriebssystem nicht unnötig aufzublasen.

Um wichtige Programme besser zu präsentieren, ohne die Anwendungen vorinstallieren zu müssen, gibt es nun einen zusätzlichen Paketmanager. Sie finden ihn unter Einstellungen | Recommended Software. Die Foundation spricht in der Präsentation der neuesten Raspbian-Ausgabe [4] von ihrer Version eines Apple App Stores. Die Installation der Anwendungen beschränkt sich dort auf das Setzen eines Häkchens in der Spalte Install und einen Klick auf OK (Abbildung 4). Genauso lassen sich die Anwendungen auch wieder löschen.

Abbildung 4: Im Rahmen des Paketmanagers »Recommended Software« präsentiert die Raspberry Pi Foundation empfehlenswerte Software für den RasPi.

Abbildung 4: Im Rahmen des Paketmanagers »Recommended Software« präsentiert die Raspberry Pi Foundation empfehlenswerte Software für den RasPi.

Bei dem neuen App-Store handelt es sich erfreulicherweise nicht um einen Sonderweg zur Software-Installation an der Paketverwaltung vorbei; auch Flatpaks, Snaps oder andere Paketformate aus der umtriebigen Linux-Welt bleiben außen vor. Das Programm setzt, wie das weiterhin verfügbare Werkzeug Add**/**Remove Software, auf die Paketverwaltung von Debian auf. Es reduziert die angezeigten Programme jedoch auf einige wenige prominente Anwendungen wie Minecraft, das E-Mail-Programm Claws Mail, diverse Entwicklungsumgebungen und andere interessante Tools zum Programmieren von Anwendungen.

Dadurch ließ sich die Größe der Image-Datei von Raspbian 2018-06-27 im Vergleich zur Vorgängerversion Raspbian 2018-04-18 um 200 MByte von 4,7 auf 4,5 GByte reduzieren. Einsteiger müssen sich auf der Suche nach empfehlenswerten Anwendungen nun nicht mehr unbedingt durch lange Listen quälen, sondern finden in der Recommended Software direkt Hinweise auf besonders interessante Programme. Die Foundation möchte die entsprechende Auswahl künftig fortlaufend erweitern.

Wie aktualisieren?

Das Raspbian-Update erhalten Sie automatisch über die Paketverwaltung, ebenso den PDF-Dokumentenbetrachter (siehe Listing 1). Mit den Kommandos aus Listing 2 aktualisieren Sie das System (Zeile 1 und 2), ziehen das Programm Recommended Software nach (Zeile 3) und installieren den Einrichtungsassistenten – wobei Letzterer wohl eher nur bei einer neuen Installation des kompletten Systems zum Einsatz kommt.

Listing 2

 

$ sudo apt update
$ sudo apt full-upgrade
$ sudo apt install rp-prefapps
$ sudo apt install piwiz
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