Startseite>Aktuelle Software im Kurztest
Aus Raspberry Pi Geek 08/2018

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Uwe Vollbracht

Di 4.46 zeigt Festplatteninformationen übersichtlich an, Fastwipe 0.3 putzt Dateien zuverlässig von der Festplatte, Systemmonitor Loadavg 2.2 überwacht Headless-RasPis, Framework Nikola 8.0.0b1 hilft beim Entwickeln von Webseiten.

Bestandsaufnahme

Mit flexiblen Ausgabeformaten bietet Di 4.46 eine interessante Alternative zum klassischen GNU Df.

Das GNU-Werkzeug Df ermittelt den verfügbaren und verbrauchten Platz auf einer Partition, liefert aber eine in Skripten oder anderen Programmen nur schwer weiterzuverarbeitende Ausgabe. Hier springt das Tool Di mit seiner frei formatierbaren Ausgabe als Alternative in die Bresche und erspart ein lästiges Nachbearbeiten mit Awk oder Sed. So blenden Sie etwa mit dem Parameter -n die Spaltenbeschreibung in der Kopfzeile aus. Mit dem Parameter -t summieren Sie die Werte einer Spalte auf und geben sie in MByte (Vorgabe), GByte oder TByte aus.

Die Ausgabeformatierung passen Sie über den Parameter -f an Ihre Bedürfnisse an. Das Kapitel Format Strings in der Di-Manpage gibt Aufschluss über die Formatierungsmöglichkeiten. Zum Weiterverarbeiten in anderen Programmen liefert Di beim Aufruf mit -c alle Daten im CSV-Format, für das TSV-Format verwenden Sie stattdessen -C. Mit dem Parameter -I schränken Sie die Auswertung auf bestimmte Dateisysteme ein, auch auf virtuelle wie etwa Sysfs oder Cgroup. Standardmäßig gibt Di nur die wichtigen Informationen zurück, wie Mountpoint, Dateisystem und Füllstand. Für eine detaillierte Ansicht sorgt der Parameter -A, macht die Ausgabe allerdings unübersichtlicher. Standardmäßig sortiert Di die Ausgabe nach den Mountpoints, mit -s geben Sie eine andere Sortierreihenfolge vor.

Eine Übersicht aller Aufrufparameter inklusive Anwendungsbeispielen finden Sie in der Di-Manpage, die Online-Hilfe (--help) enthält nicht alle möglichen Einstellungen. Benötigen Sie nur eine Übersicht aller eingebundenen Mountpoints samt Parameter, aber ohne Füllstand, hilft das vorkonfigurierte Di-Aufrufalias Mi weiter – einfach, aber nützlich.

Di 4.46

★★★★

Lizenz:Zlib/Libpng

Quelle:http://www.gentoo.com/di/

Reinemachen

Das intuitiv bedienbare Fastwipe 0.3c putzt Dateien schnell und zuverlässig von einer Festplatte.

Beim Löschen einer Datei mit Rm verschwinden die Daten keineswegs: Lediglich der Platz steht im Dateisystem wieder zur erneuten Verwendung bereit. Mit den richtigen Tools lassen sich die “gelöschten” Daten rekonstruieren. Wollen Sie das verhindern, brauchen Sie ein Werkzeug wie Fastwipe. Das Tool fehlt allerdings im Raspbian-Repository, sodass Sie es aus den Quellen kompilieren müssen. Im Verzeichnis /bin/ finden Sie nach der Installation die beiden Tools Fwip und Wipe. Ersteres dient dem Bereinigen kompletter Datenträger oder Partitionen, Letzteres übernimmt das Löschen einzelner Dateien. Bei der aktuellen Version 0.4b lässt sich das Tool Wipe allerdings nicht kompilieren; hier müssen Sie auf die Vorgängerversion 0.3c zurückgreifen.

Um den Inhalt einer Datei auch wirklich zu löschen, überschreibt Fastwipe die fraglichen Blöcke mit Daten aus dem Zufallsgenerator. Dabei haben Sie die Wahl zwischen zwölf verschiedenen Verfahren; eine Liste aller Algorithmen liefert das Tool bei einem Aufruf ohne Parameter. Einige der Verfahren stammen aus dem staatlichen Bereich, wie jenes des US-Verteidigungsministeriums oder der britische HMG-IS5-Standard. Je nach Verfahren überschreibt Fastwipe die Datenblöcke mehrfach und prüft abschließend, ob alles geklappt hat. Sie können das jeweilige Verfahren mit dem Parameter -r auch beliebig oft wiederholen.

Damit Fastwipe die Daten schnell überschreiben kann, nutzen die Entwickler einen RAM-Puffer, der eine große Anzahl an Zufallswerten vorhält – je größer der Puffer, desto höher die Löschgeschwindigkeit. Die Größe des RAM-Buffers in MByte geben Sie bei Bedarf beim Programmstart mit dem Parameter -bf an. Für das Löschen einzelner Dateien genügt bereits ein Puffer von wenigen MByte Umfang, RAM-Buffer im GByte-Bereich bringen nur beim Vernichten großer Datenmengen einen Vorteil.

Fastwipe 0.3c

★★★

Lizenz:GPLv3

Quelle:https://sourceforge.net/projects/

Überwachung

Mit Loadavg 2.2 fragen Sie die Systemlast eines Raspberry Pi bequem aus der Ferne via Webbrowser ab.

Raspbian bietet zahlreiche Konsolen-Tools, um die aktuelle Prozesslast oder den Datendurchsatz einer Netzwerkschnittstelle zu ermitteln. Für einen RasPi im Headless-Betrieb bietet Loadavg dazu eine clevere Alternative. Das PHP-Tool stellt in einer intuitiv bedienbaren, webbasierten Verwaltungsoberfläche alle wichtigen Systeminformationen wie Speicherbedarf oder Prozessorlast übersichtlich als Verlaufsgrafik dar. So erkennen Sie auf einen Blick, wie sich die Systemlast in den letzten Minuten entwickelt hat. Im Gegensatz zu anderen Monitoring-Lösungen benötigt Loadavg kein Datenbanksystem zum Speichern der erfassten Daten, sondern verwaltet diese in eigenen Logdateien.

Zur Erfassung der Systemdaten stellt Loadavg ein eigenes Logger-Skript bereit, das Sie zur regelmäßigen Ausführung in die Crontab des Systems eintragen müssen. Den entsprechenden Eintrag zeigt das Tool während der Grundkonfiguration im Browserfenster an, sodass Sie ihn nur noch per Copy & Paste übertragen müssen. Standardmäßig läuft das Skript alle fünf Minuten, Sie können das Intervall aber nach Belieben anpassen. Zur Installation von Loadavg entpacken Sie das Quellarchiv ins Dokumentenverzeichnis des Webservers. Die Grundkonfiguration startet automatisch beim ersten Aufruf der Seite und fragt unter anderem den Hostnamen des Rechners und die Zugangsdaten für den administrativen Benutzer ab. Das Passwort des administrativen Benutzers hinterlegt Loadavg in Form eines Hash-Werts in der Konfigurationsdatei.

Loadavg besitzt keine Benutzerverwaltung und kennt lediglich einen administrativen Benutzer. Nach einer Anmeldung als dieser gelangen Sie auf die Dashboard-Ansicht der Webseite. Verschiedene Verlaufsgraphen zeigen hier Speicher- und Plattenverbrauch, Prozessorlast und Uptime an. Welche Verlaufsgraphen Sie sehen wollen, legen Sie in der Modulauswahl des Menüpunkts Settings fest. Hier finden Sie auch Module zum Überwachen wichtiger Dienste wie Apache, MySQL oder SSH. Generelle Systeminformationen wie Kernel-Version, Prozessortyp, Festplattenpartitionierung und Größe von Arbeits- und Swap-Speicher stehen im Menüpunkt Server zur Verfügung.

Loadavg 2.2

★★★★

Lizenz:GPLv3

Quelle:https://github.com/loadavg/loadavg/releases

Seitenbau

Das leistungsfähige Framework Nikola 8.0.0b1 unterstützt Sie beim Erstellen und Verwalten statischer Webseiten.

Im modernen WWW gehört der Einsatz dynamischer Inhalte zwar mittlerweile zum Standard, doch für viele Auftritte genügt auch eine statische Präsentation, die zudem einen Geschwindigkeitsvorteil und höhere Sicherheit bietet. Mit Nikola steht Ihnen ein leistungsfähiges Framework auf Python-Basis zum Verwalten solcher statischen Webauftritte zur Verfügung. Im Raspbian-Repository findet sich allerdings nur eine recht angestaubte Version, sodass sich die Installation aus den Quellen lohnt. Eine Liste aller dazu benötigten und empfohlenen Python-Module enthalten die Dateien requirements.txt und requirements-extra.txt im Quellarchiv. Wollen Sie die Abhängigkeiten nicht händisch aus dem Raspbian-Repository auflösen, delegieren Sie mit dem Aufruf pip3 install -r requirements.txt die Aufgabe an den Python Package Installer.

Zum reichen Funktionsumfang von Nikola zählen neben einem Syntax-Highlighting für alle gängigen Programmiersprachen auch Routinen zum Import von Inhalten aus anderen Webplattformen wie WordPress. Auch das Erstellen eines Blogs oder einer Bildergalerie geht mit dem Framework einfach von der Hand. Um einen Rahmen für einen neuen Webauftritt zu erzeugen, rufen Sie Nikola mit dem Unterbefehl init auf. Ein einfaches Assistenzsystem führt Sie dann durch die Grundinstallation der Seite. Dabei geben Sie neben dem Wurzelverzeichnis der Seite unter anderem Seiten- und Autorennamen, eine E-Mail-Adresse sowie die spätere URL und die gewünschte Sprache an. Im Anschluss wechseln Sie in das Verzeichnis der Webseite und erzeugen mit dem Befehl nikola new_page den Rahmen für eine neue Seite. Ergänzen Sie den Aufruf um den Parameter -e, startet Nikola den Standardeditor, und Sie können sofort den Seiteninhalt eintragen.

Haben Sie alle Seiten mit Inhalt befüllt, setzen Sie über den Aufruf nikola build die Webseite zusammen und übertragen sie mit nikola deploy auf den Server. Um den Inhalt der Seite stattdessen bei Github zu platzieren, gibt es das Kommando github_deploy. Um den Seiteninhalt vor der Auslieferung lokal zu kontrollieren, starten Sie mit nikola serve einen rudimentären Webserver, der die Seite anzeigt. Der Unterbefehl orphans spürt verwaiste Seiten auf.

Nikola 8.0.0b1

★★★★

Lizenz:MIT

Quelle:https://getnikola.com

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 2 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
€0,99 – Kaufen
RASPBERRY PI GEEK KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland