Aus Raspberry Pi Geek 06/2022

Aktuelle Hardware im Kurztest

Ausgepackt

Bernhard Bablok

Auvisio Speaker von Pearl mit Akku und internem Netzteil, passive Kühlelemente für den Raspberry Pi 4, USB und WLAN mit dem W5100S-EVB-Pico für den Pico, Steuern und Regeln in einem Drehencoder.

Angesteckt

Der Auvisio Speaker von Pearl bezieht Strom aus seinem Akku oder direkt aus der Steckdose.

Es gibt diverse Bluetooth-Mini-Lautsprecher, die von der Größe her zum Zero passen. In aller Regel handelt es sich um Akkugeräte, und normalerweise dienen sie in geselliger Runde als Ausgabegerät für das Smartphone. Als Lautsprecher für kleine Embedded-Projekte wie Wecker und Timer eignen sie sich wegen der begrenzten Akkulaufzeit nicht. Bluetooth-Lautsprecher mit Stromnetzanschluss spielen dagegen in einer anderen Liga, sind meistens groß und für die Bedürfnisse von Audiophilen ausgelegt.

Eine Ausnahme macht der Steckdosenlautsprecher MSS-300.pb (auch: ZX-1717) von Auvisio, der Hausmarke des Billigversenders Pearl. Der offeriert das Gerät als eierlegende Wollmilchsau für die Disziplinen Steckdosenlautsprecher, Powerbank, Bluetooth-Empfänger und Freisprecher. Für den Pi Zero W und W2 ist der Lautsprecher ein idealer Partner. Die USB-Buchsen liefern zusammen 2,1 Ampere, das wäre sogar genug für einen größeren RasPi. Der eingebaute 3000-mAh-Akku sollte konservativ gerechnet für zehn Stunden Laufzeit ausreichen. Das Koppeln per Bluetooth ist dank des (aktualisierten) Bluetooth-Audioprojekts [1] auch für Lite-Systeme kein Problem. Alsamixer zeigt sogar den Akkustand des Geräts an. Bauartbedingt ist die Audioqualität zwar kein Renner, aber für die Ausgabe einfacher Sounds, synthetischer Sprache oder Hintergrundradio völlig ausreichend.

Auvisio MSS-300.pb

 

Preis: 13 Euro

Bezugsquelle: Pearl

Gut gekühlt

Die passiven Kühlelemente von Pimoroni sorgen beim Raspberry Pi 4 für einen kühlen Kopf.

Der RasPi 4 gilt im Gegensatz zu seinen Vorgängern als Hitzkopf und muss in vielen Gehäusen aktiv oder passiv gekühlt werden. Von Pimoroni gibt es jetzt eine Kombi aus zwei massiven Alukörpern (Ober- und Unterseite), die die Rolle des Gehäuses übernehmen und eine vollständig passive Kühlung des RasPi 4 versprechen. Die gut verarbeiteten Aluprofile gibt es in vielen schönen Farben, was sie als Schaustück fürs Wohnzimmer prädestiniert. Da sie nicht viel teurer kommen als ein ordentliches Gehäuse, gibt es keinen Grund, nicht zuzugreifen. Auch die versprochene Kühlleistung ist gegeben.

Aussehen ist aber nicht alles. Wer den RasPi 4 per Ethernet ans Heimnetz anschließt, hat keine Probleme – aber wie reagiert das WLAN auf die massive Abschirmung? Die Ergebnisse sind durchwachsen: Beim Autor sank die mit Iperf3 gemessene Transferrate im 2,4-GHz-Band von 50 auf 30 Mbit/s. Im 5-GHz-Band hatte der Kühlkörper keine Auswirkungen auf die Transferleistung, sie lag stets bei 90 Mbit/s. Das ist auf den ersten Blick unverständlich, weil die Dämpfung bei hohen Frequenzen normalerweise stärker ausfällt. Allerdings wurde nicht die Signalstärke gemessen, sondern der Durchsatz, und der hängt auch von anderen Parametern ab.

Zu einer Abwertung führen auch die mitgelieferten Pads zur Wärmeleitung zwischen oberem Kühlkörper und den RasPi-Komponenten: Sie fallen zu dick für den gedachten Zweck aus. Wer schon einmal einen Kühler auf klassische CPUs montiert hat, der weiß: Hier wäre nur eine hauchdünne Schicht Wärmeleitpaste nötig und sinnvoll.

Pimoroni Heatsink Case

 

Preis: 14 Euro

Bezugsquelle: Pimoroni

Im Netz

Der W5100S-EVB-Pico von WIZnet rüstet beim RasPi Pico WLAN und Bluetooth nach.

Der Pico ist ein leistungsstarker Mikrocontroller, allerdings ohne Konnektivität. Für WLAN und Bluetooth braucht er Zusatzchips. WIZnet dagegen verheiratet gleich einen Netzwerkchip samt physischer Buchse mit einem Pico. Als Alternative zur Komplettplatine gibt es einen HAT zum Stecken.

Der Pico kommuniziert über SPI mit dem Netzwerkchip. Dank vorgefertigter Bibliotheken und Beispiele (unter anderem für CircuitPython) lässt sich ein Webserver oder -client auf der MCU schnell aufsetzen. Beim Autor kommt der W5100S-EVB-Pico in den Netzwerkschrank und ist dort für Schaltaufgaben sowie die Überwachung der Temperatur zuständig.

Der Netzwerkchip unterstützt maximal vier gleichzeitige Sockets, was die Gesamtzahl der Zugriffe beschränkt. Genauso limitiert ist die Bandbreite, aber für das Steuern und Abfragen von I2C-Sensoren und GPIOs genügen die Leistungswerte allemal.

WIZnet W5100S-EVB-Pico

 

Preis: 12,40 Euro (nur HAT: 6 Euro)

Bezugsquelle: Pimoroni

ANO-Encoder

Die Drehencoder von Zippy Technology kombinieren Taster, Steuerkreuz und Drehregler.

Klassische Drehencoder brauchen drei Pins und unterstützen Drehung und Tastendruck –ideal für die Kombination von An/Aus und eines weiteren Parameters, etwa die Lautstärke. Für jede Plattform und Programmiersprache gibt es passende Bibliotheken, so zum Beispiel Overlays für den RasPi. Sie bilden die Klicks und Drehungen auf das Input-System von Linux ab. Allerdings genügt ein solcher minimalistischer Encoder nicht jedem Anspruch. Die Firma Zippy Technology aus Taiwan produziert deshalb in den Serien ANO und ANQ Exemplare mit vier zusätzlichen Navigationstasten (oben, unten, links, rechts). Die Anzahl der benötigten Pins steigt dementsprechend.

Optisch wirkt der Baustein ansprechend, die Pins passen jedoch in kein vorgegebenes Raster. Adafruit vertreibt deshalb ein passendes Breakout (ADA5221), das die Pins auf den üblichen 2,54-mm-Abstand übersetzt. Außerdem gibt es bei Adafruit ein Tutorial zum Encoder und zum Breakout [2]. Während das Drehelement mit Rasterklicks eine gute haptische Rückmeldung gibt, ist das Feedback bei den insgesamt fünf Tasten nicht so gelungen. Ihr Druckpunkt wirkt etwas schwammig. Ansonsten gibt es aber nichts zu meckern. Der Baustein ist ideal für die schnelle Navigation durch Menüs oder die Kontrolle von mehreren Parametern mit einem minimalen, aber intuitiven Benutzer-Interface.

Zippy Tech. ANO/ANQ

 

Preis: 9,20 Euro (Breakout: 1,77 Euro)

Bezugsquelle: Adafruit und Reseller (schwarz), Conrad (weiß)

Infos

  1. Bluetooth-Audio auf Headless-Systemen: https://github.com/bablokb/pi-btaudio
  2. ANO-Encoder-Tutorial: https://learn.adafruit.com/ano-rotary-encoder
DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 2 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
RASPBERRY PI GEEK KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Raspberry Pi Geek bei Google Play Readly Logo
Nach oben