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Aus Raspberry Pi Geek 04/2020

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Uwe Vollbracht

Schlanker Editor Nano 4.7, Systeme administrieren mit Runoverssh 3.0.3, stressfreies VPN mit TinyFecVPN 20180820.0, Konsolenprogramme im Browser mit Ttyd 1.5.2.

Textzwerg

Der schlanke Editor Nano 4.7 leistet auf Headless-Systemen wie dem RasPi gute Dienste.

Die Auswahl an Texteditoren unter Raspbian reicht von grafischen Varianten wie Kate oder Gedit bis hin zu Tools für Poweruser wie Emacs und Vim. Bei Einsteigern erfreut sich der schlichte Editor Nano besonderer Beliebtheit, der jetzt in der aktuellen Version 4.7 erschienen ist. Er besticht durch minimalen Ressourcenbedarf, eine einfache Bedienoberfläche und eignet sich auch für den Einsatz auf entfernten Systemen. Ältere Versionen der Software sind im Repository von Raspbian enthalten; die aktuelle Version kompilieren Sie bei Bedarf recht flott aus den Quellen.

Nach dem Start bietet Nano eine schlichte Oberfläche. Die Navigation erfolgt über Tastenkürzel, von denen Sie die wichtigen im unteren Bereich finden. Über [Strg]+[G] gelangen Sie in die Online-Hilfe, die alle wichtigen Kürzel aufführt und kurz beschreibt. Der Editor bietet alle Standardfunktionen: Neben Ausschneiden, Suchen und Ersetzen oder Kopieren besticht er durch die Möglichkeit zum Wiederherstellen von Änderungen. Beim Syntax-Highlighting unterstützt er über 40 Satz- und Programmiersprachen. Für erfahrene Anwender besteht außerdem die Möglichkeit, eigene Definitionen hinzuzufügen. Die vorab integrierten stehen als einzelne Dateien im Verzeichnis /usr/share/nano/ bereit und eignen sich als Vorlage für eigene Erweiterungen. Um den Editor individuell zu konfigurieren, legen Sie eine eigene Konfigurationsdatei ~/.nanorc an.

Da Raspbian Nano standardmäßig in der Version 3 mitliefert, ist ein Update auf die aktuelle Version für alle interessant, die intensiver mit dem Editor arbeiten. Neuere Versionen brechen sehr lange Zeilen nicht mehr automatisch um und versehen auch ohne das Tool Spell tadellos ihren Dienst. Mit der aktuellen Version erwartet der Editor aber, dass Sie die Schlüsselwörter in der .nanorc kleinschreiben. Übernehmen Sie eine ältere Datei, fällt eventuell etwas Handarbeit an.

Nano 4.7

 

Lizenz: GPLv3

Quelle: https://www.nano-editor.org

Kommandojongleur

Mit Runoverssh 3.0.3 fällt es leicht, mehrere Systeme gleichzeitig zu administrieren.

Die Zeiten, in denen es im Haushalt nur einen Rechner gab, sind spätestens seit dem IoT-Trend und dem Aufkommen des RasPi vorbei. Bei Letzterem sowie seinen Verwandten erfolgt die Administration aber oft via SSH. Um nicht nacheinander auf mehreren Rechnern dieselben Befehle absetzen zu müssen, gibt es Tools wie Runoverssh: Mit diesem Shell-Skript stoßen Sie einzelne Befehle oder Befehlsfolgen parallel auf mehreren Computern an.

Das Tool erfindet das Rad nicht neu, sondern greift transparent auf den OpenSSH-Client von Raspbian zurück. Zum Verwalten der Passwörter kommt Sshpass zum Einsatz, das Sie gegebenenfalls aus dem Raspbian-Repository nachinstallieren. Die Konfiguration von Runoverssh erfolgt über Kommandozeilenparameter. Um einen Befehl auf mehreren Systemen auszuführen, übergeben Sie den Namen des Remote-Benutzers, den auszuführenden Befehl sowie die Liste der Hostnamen oder IP-Adressen. Alternativ verweisen Sie mit --hostsfile auf eine Datei mit Adressen.

Das Tool setzt einen identischen Namen des Remote-Benutzers auf allen System voraus. Mit dem Parameter -g geben Sie ein globales Passwort an. Andernfalls fragt die Software beim Start die Passwörter für alle Systeme interaktiv ab und startet anschließend mit dem Ausführen der Befehle. Mit --logfile speichert das Tool die Ausgaben in einer Datei, ohne schreibt es sie in die Standardausgabe. Interessiert die Ausgabe nicht, schalten Sie mit -q auf lautlos. Wollen Sie auf Remote-Systemen mehrere Befehle ausführen, übergeben Sie mit -s eine Datei mit Befehlen. In diesem Fall ignoriert das Tool alle Befehle, die Sie auf der Kommandozeile übergeben.

Ist zum Ausführen ein bestimmter Shell-Interpreter vorgesehen, geben Sie diesen mit --shell an. In der aktuellen Version unterstützt die Software aber nur die rudimentäre Shell sowie die Bash. Parameter für die jeweilige Shell geben Sie mit --shellflags an. Entsprechende Beispiele finden Sie auf der Github-Seite des Tools. Kommt es beim Ausführen zu einem Fehler auf Remote-Seite oder kommt eine Verbindung nicht zustande, überspringt Runoverssh das System, gibt den Fehler aus und fährt mit dem nächsten Rechner fort.

Runoverssh 3.0.3

 

Lizenz: GPLv3

Quelle: https://github.com/yuriescl/runoverssh

Tunnelbauer

Mithilfe von TinyFecVPN 20180820.0 bauen Sie unkompliziert ein VPN auf.

Beim Aufbau eines virtuellen privaten Netzwerks kommen unter Linux meist leistungsfähige Lösungen wie OpenVPN, Tinc oder Wireguard zum Einsatz. Eine einfachere Alternative bietet das ressourcenschonende TinyFecVPN. Da das Programm im Raspbian-Repository bislang fehlt, bleibt nur der Griff zum Binärpaket aus dem Github-Repository. Die Konfiguration erfolgt via Kommandozeilenparameter. Mit -s und -l legen Sie die IP-Adresse und den Port fest, auf dem das Tool im Server-Modus auf neue Verbindungen wartet. Die Software erzeugt eine neue TUN-Schnittstelle im privaten Segment 10.22.22.0. Mit --sub-net geben Sie ein anderes Segment vor, wofür Root-Rechte vonnöten sind.

Das Programm unterstützt unter anderem Forward Error Correction, kurz FEC. Laut Projektseite verbessert das bei schlechten Verbindungen die Qualität der Übertragung. Über -f beeinflussen Sie den Grad der Korrektur, indem Sie das Verhältnis zwischen gesendeten und redundant gesendeten Paketen festlegen, was Einfluss auf die Bandbreite hat. Zur rudimentären Verschlüsselung der Kommunikation geben Sie mit -k ein Passwort an. Es erfolgt eine einfache XOR-Verschlüsselung, komplexe Algorithmen unterstützt das Tool nicht. Weitere Parameter ermöglichen das Anpassen des MTU-Werts der TUN-Schnittstelle sowie verschiedener Puffergrößen. Zu Testzwecken lässt sich ein Paketverlust simulieren.

Das TinyFecVPN-Binary arbeitet sowohl als Server als auch als Client. Während Sie den Server mit den Parametern -s und -l starten, benötigt der Client die Parameter -c und -r. Mit --help steht eine Online-Hilfe bereit; eine ausführliche Erklärung aller Funktionen sowie Beispiele finden Sie auf der Github-Seite.

TinyFecVPN 20180820.0

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/wangyu-/tinyFecVPN

Webkonsole

Mit Ttyd 1.5.2 verwenden Sie Konsolenprogramme im Webbrowser.

Betreiben Sie Ihren Raspberry im Headless-Modus ohne angeschlossenen Bildschirm, dann blieb bisher nur der Zugriff über SSH, um die Ausgabe von Diensten oder Programmen zu kontrollieren. Mit dem Tool Ttyd starten Sie Konsolenprogramme stattdessen als Dienst und sehen deren Ausgabe im Webbrowser. Das Github-Repository des Projekts stellt Binärpakete für alle wichtigen Linux-Plattformen bereit. Die Konfiguration erfolgt beim Aufruf auf der Kommandozeile via Parameter. Um die Ausgabe eines Konsolenprogramms wie Htop im Browser zu sehen, übergeben Sie Ttyd den entsprechenden Befehl beim Aufruf. Ein Webserver ist dazu nicht erforderlich, da Ttyd seine eigene Engine mitbringt. Standardmäßig lauscht die Software auf Port 7681 an allen Schnittstellen auf eingehende Verbindungen. Mit -i und -p geben Sie ein bestimmtes Interface und einen alternativen Port vor. Ttyd führt alle Programme mit den Rechten des aufrufenden Benutzers aus. Über -u und -g starten Sie das Tool unter der Kennung eines beliebigen unprivilegierten Benutzers.

Im Browser bietet Ttyd eine interaktive Konsole, was Eingaben oder der Einsatz von Tastenkürzeln ermöglicht. Um aus Sicherheitsgründen lediglich eine Anzeige zuzulassen, starten Sie das Tool mit dem Parameter --readonly. Um den Zugang lediglich einzuschränken, setzen Sie mit --credential einen Benutzernamen und ein Passwort. Zur sicheren Kommunikation unterstützt das Ttyd mit den Parametern --ssl, --ssl-cert, --ssl-ca und --ssl-key das Einrichten einer verschlüsselten Verbindung. Mit -m begrenzen Sie bei Bedarf die Anzahl der Client-Verbindungen. Für die Fehlersuche lohnt es sich unter Umständen, mit -o die Anzahl der Verbindungen auf einen Client zu reduzieren; dann beendet sich Ttyd automatisch, wenn dieser Client die Verbindung schließt. Eine Online-Hilfe, die alle Parameter erläutert, erhalten Sie über -h. Die Github-Seite bietet außerdem rudimentäre Beispiele und eine Anleitung zum Erstellen selbst signierter SSL-Zertifikate. 

Ttyd 1.5.2

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/tsl0922/ttyd

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