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Aus Raspberry Pi Geek 06/2018

Neue Single-Board-Computer und Open-Source-Router auf der FOSDEM 2018

© FOSDEM

Brüsseler Spitze

Heike Jurzik

Auf der Brüsseler FOSDEM präsentieren im jährlichen Turnus zahlreiche Open-Source-Projekte ihre aktuellen Entwicklungen. Auch in Sachen Hardware gibt es hier immer wieder interessante Neuerungen zu bestaunen.

Jedes Jahr gegen Ende Januar treffen sich Open-Source-Entwickler und Fans freier Software aus der ganzen Welt an der Freien Universität Brüssel zur FOSDEM [1]. Wer keinen Platz in den vollen Hörsälen und Seminarräumen ergattert, der tummelt sich auf der Ausstellung, die sich über den Campus verteilt.

66 Projekte präsentierten in diesem Jahr ihre Neuerungen. Das AW-Gebäude der ULB beherbergte wie in den Vorjahren Aussteller mit Open-Source-Hardware und Embedded-Geräten. Besonders groß war der Andrang an den Ständen von Pine Microsystems [2] und CZ.NIC [3]. Besucher konnten hier unter anderem die neuen Einplatinenrechner Pine H64 und RockPro64, das Pinebook sowie den OpenWRT-Router Turris Omnia bewundern.

Pine H64

Schon länger muss sich der Raspberry Pi einer stetig wachsenden Konkurrenz stellen, etwa dem 2015 über eine Kickstarter-Kampagne mitfinanzierten Einplatinenrechner Pine A64. Der hat nun einen Nachfolger, der pünktlich zur FOSDEM in den Shops erhältlich war (Abbildung 1). Anstelle eines Allwinner-R18-SoCs enthält der Pine H64 den neuen Allwinner-H6-Chip [4] mit vier Cortex-A53-Kernen (64 Bit). Ebenfalls verbaut ist eine Mali-T720 MP2 GPU (Dual-Core), die die Wiedergabe von Videos mit 4K-Auflösung über den HDMI-Port ermöglicht (Abbildung 2).

Abbildung 1: T.L. Lim, Gründer und Geschäftsführer von Pine Microsystems, stellt die neue Hardware seines Unternehmens auf der FOSDEM vor.

Abbildung 1: T.L. Lim, Gründer und Geschäftsführer von Pine Microsystems, stellt die neue Hardware seines Unternehmens auf der FOSDEM vor.

Abbildung 2: Im Gegensatz zum Raspberry Pi verfügt der Pine H64 über USB-3.0-Schnittstellen und unterstützt schnelle eMMC-Speichermodule. (Bild: Pine64)

Abbildung 2: Im Gegensatz zum Raspberry Pi verfügt der Pine H64 über USB-3.0-Schnittstellen und unterstützt schnelle eMMC-Speichermodule. (Bild: Pine64)

Dank 128 MByte SPI-Flash bootet der Mini von USB 3.0/2.0 (HDD oder SSD) sowie von SD-Karten und eMMC-Modulen. Der Pine H64 punktet darüber hinaus mit etlichen Anschlüssen. Er enthält einen Mini-PCIe-Slot (PCI Express), einen USB-3.0- und zwei USB-2.0-Ports, einen Anschluss für Gigabit-Ethernet und einen für Mini-Klinken (3,5 mm, Stereo).

Wer den Audio-DAC oder das Wi-Fi/Bluetooth-Modul des Vorgängerboards Pine A64 besitzt, der kann diese Ergänzungen auch mit dem Pine H64 nutzen – Bluetooth und WLAN gibt es nach wie vor nur über eigene Module.

Größentechnisch unterscheidet sich das kleine Kraftpaket nicht vom Vorgängermodell: Der Pine H64 misst genau wie der Pine A64 (und auch der RockPro64, siehe nächster Abschnitt) 133 x 80 x 19 mm. Er kommt in drei Ausführungen: In der 1-GByte-Variante kostet der Mini-Rechner rund 26 US-Dollar, mit 2 GByte RAM gibt es ihn für etwa 36 US-Dollar und mit 3 GByte für 45 US-Dollar [5].

RockPro64

Mehr Power bietet der für März 2018 angekündigte RockPro64 (Abbildung 3). Er setzt mit dem Rockchip RK3399 [6] auf einen Hexacore-SoC (Dual-Core ARM Cortex-A72 und Quad-Core ARM Cortex-A53). Als GPU dient eine Mali-T860MP4 mit Unterstützung für OpenGL ES1.1/2.0/3.0 and OpenCL 1.2. Zum Regeln der Temperatur des leistungsfähigen Mini-Rechners spendierte der Hersteller dem RockPro64 Befestigungsmöglichkeiten für einen Kühlkörper und einen Lüfter.

Abbildung 3: Der RockPro64 im Playbox-Gehäuse (LCD-Display auf der Rückseite).

Abbildung 3: Der RockPro64 im Playbox-Gehäuse (LCD-Display auf der Rückseite).

Als besonderes Schmankerl gibt es neben zwei USB-2.0-Anschlüssen und einem USB-3.0-Port auch einen USB-C-Anschluss, an den man nicht nur Tastatur oder Maus, sondern auch ein zweites Display anschließen kann. Darüber hinaus lässt sich ein LCD-Display direkt an die Leiterplatte hängen. Ein weiteres Highlight stellt die PCIe-4.0-Schnittstelle dar; im Online-Shop soll es demnächst einen NVM-Express-Adapter (NVMe) geben. 128 MByte SPI-Flash machen es möglich, von verschiedenen Medien zu booten. Die Kommunikation mit der Außenwelt erfolgt über Gigabit-Ethernet beziehungsweise externe Wi-Fi/Bluetooth-Module.

Der Hersteller plant, eine Variante mit künstlicher Intelligenz namens Rockpro64-AI auszuliefern, die eine NPU (Neural Network Processing Unit) umfasst [7]. Auch der RockPro64 kommt in drei Varianten: mit 2 GByte RAM (etwa 60 US-Dollar), 4 GByte (rund 79 US-Dollar) und 4 GByte Rockpro64-AI (99 US-Dollar).

Software für die Minis

Während die Raspberry-Pi-Community etliche Images mit verschiedenen Desktops und Betriebssystemen anbietet, scheint sich die Pine-Community im Wesentlichen auf Linux und Android zu konzentrieren, auch wenn das Wiki für den Pine A64 [8] neben etlichen Linux- und Android-Images auch eine Windows-10-IoT-Variante listet. Für den Pine H64 und den RockPro64 stehen noch keine Abbilder zur Verfügung; es dürfte sich aber nur um eine Frage der Zeit handeln.

Wie uns Benjamin Glass vom Pine64-Projekt auf der FOSDEM erzählte, ist die Pine-Community zwar deutlich kleiner als die RasPi-Gemeinde, es gebe aber ausreichend Entwickler, um die Images für Linux und Android aktuell zu halten. Trotzdem freut sich das Projekt über weitere Mitarbeiter. Er berichtet weiterhin, dass bei Anwendern, die das Gerät als Mediaplayer einsetzen, die Android-Images beliebter seien: Hier gebe es von Haus aus besseren Support für die Hardware-Beschleunigung.

Durchsichtiges Pinebook

Den 64-Bit-ARM-basierten Open-Source-Laptop Pinebook gibt es schon eine Weile im Online-Shop [9]. In der 11,6-Zoll-Ausführung kostet das flinke Notebook 89 US-Dollar, mit 14-Zoll-Display schlägt es mit 99 US-Dollar zu Buche. Das Bestellprozedere erfordert allerdings Geduld: Interessenten müssen sich in eine Warteschlange eintragen, die der Hersteller dann nach und nach abarbeitet.

Unter der Haube werkelt wie bei den Pine-SBCs ein 64-Bit-Prozessor mit vier Cortex-A53-Kernen. Der Laptop wiegt nur etwas über ein Kilo – mit 11,6-Zoll-Display 1040 Gramm, mit 14-Zoll-Display 1260 Gramm. Auf der FOSDEM war der Laptop zum ersten Mal im neuen Gewand zu sehen. Die beiden Prototypen im schwarzen und im durchsichtigen Gehäuse (Abbildung 4) stahlen allen Mini-Rechnern die Show, und am Stand gab es lebhafte Diskussionen zwischen Anwendern und Herstellern, ob man eine Petition starten müsse, damit das Gerät in der transparenten Verkleidung in Produktion gehe.

Abbildung 4: Zog viel Aufmerksamkeit auf sich: der Prototyp eines durchsichtigen Pinebooks.

Abbildung 4: Zog viel Aufmerksamkeit auf sich: der Prototyp eines durchsichtigen Pinebooks.

Turris Omnia

Schon eine Weile am Markt, aber nicht minder beliebt bei den Nutzern ist der Open-Source-Router Turris Omnia [10], dessen Macher ihn ebenfalls auf der FOSDEM ausstellten (Abbildung 5). Das flinke und starke Gerät will vor allem durch seine Erweiterbarkeit und das Webinterface zum Konfigurieren punkten [11]. Auf dem Router läuft eine modifizierte OpenWRT-Version namens Turris OS [12], die besonders unerfahrenen Anwendern die Einrichtung erleichtern möchte. Die Oberfläche erlaubt das schnelle Konfigurieren von DNSSEC (Domain Name System Security Extensions) und eines OpenVPN-Servers (Abbildung 6).

Abbildung 5: Flotte Hardware flexibel erweiterbar: der Open-Source-Router Turris Omnia (hier als beeindruckender Turm am FOSDEM-Stand der CZ.NIC).

Abbildung 5: Flotte Hardware flexibel erweiterbar: der Open-Source-Router Turris Omnia (hier als beeindruckender Turm am FOSDEM-Stand der CZ.NIC).

Abbildung 6: Um die Einrichtung des Routers zu erleichtern, enthält der Router eine OpenWRT-Erweiterung namens Turris OS. Per Mausklick aktivieren Benutzer beispielsweise einen OpenVPN-Server.

Abbildung 6: Um die Einrichtung des Routers zu erleichtern, enthält der Router eine OpenWRT-Erweiterung namens Turris OS. Per Mausklick aktivieren Benutzer beispielsweise einen OpenVPN-Server.

Unter der Haube werkelt ein 1,6-GHz-Dual-Core-Prozessor (Marvell Armada 385), der auf 2 GByte RAM zugreifen kann. Auf 8 GByte Flash-Speicher bleibt genug freier Platz, um die Router-Software zu erweitern. Im Turris-Repository finden sich unter anderem Pakete für einen DVB-Tuner, den Proxy Squid und LXC-Virtualisierung.

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