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Aus Raspberry Pi Geek 04/2020

Kernel-Maintainer für Broadcom-Chips beendet seine Arbeit

© Robert Klein, 123RF

Schweres Los

Kristian Kißling

Damit die Broadcom-Chips des Raspberry Pi mit dem Linux-Kernel kooperieren, gibt es eigene Kernel-Module. Deren Maintainer Stefan Wahren zog sich Ende 2019 aus der Entwicklung zurück.

Der Broadcom-Chip BCM2835 steckt unter anderem in den Raspberry-Pi-Modellen A, B, B+, im Compute-Modul sowie im Pi Zero. Kernel-Entwickler verstehen unter der Abkürzung BCM2835 allerdings die Raspberry-Pi-Architektur als solche. Als Maintainer half der Entwickler Stefan Wahren längere Zeit, sämtlichen den Raspberry Pi betreffenden Code in den regulären Linux-Kernel zu integrieren.

Laut einer Ankündigung [1] stellte Wahren seine Arbeit am RasPi-Code jedoch mit dem Ende des Jahres 2019 offiziell ein. Es sei ein großer Spaß gewesen, gab Wahren zu Protokoll, aber ihm fehle genügend freie Zeit, um den Code in der Weise zu betreuen, wie er es verdiene. Die gute Nachricht: Mit Nicolas Saenz Julienne stand zu diesem Zeitpunkt bereits ein Nachfolger fest, der die Betreuung des Codes künftig übernehmen will.

Saenz Julienne bedankte sich postwendend bei Wahren: Der Entwickler habe den Code in einem sehr guten Zustand hinterlassen. Auch über das neue Repository für den Raspberry-Pi-Code besteht inzwischen Einigkeit. Neben dem Broadcom-Tree auf Github soll es ein für alle Entwickler nutzbares Git-Repository auf Kernel.org geben (kernel/git/broadcom/linux.git).

Die Entscheidung über das Repository segnete auch Co-Maintainer Eric Anholt ab, der sich bei dieser Gelegenheit jedoch ebenfalls verabschiedete. Er sei in diesem Bereich nicht mehr länger aktiv, schrieb er. Damit hängt nun die Pflege des Kernel-Codes für den RasPi allein an Nicolas Saenz Julienne.

Allein auf weiter Flur

Diese Situation ist für den Linux-Kernel nicht untypisch und wirft ein Schlaglicht auf die Maintainer-Problematik: In einem Interview gaben die Kernel-Entwickler Greg Kroah-Hartman und Jonathan Corbet zu Protokoll, sie würden am liebsten gleich morgen die Maintainer in der Kernel-Entwicklung entlasten. In zahlreichen Subsystemen geht es nämlich ähnlich zu wie in jenem für den Raspberry Pi: Es gibt nur einen oder zwei Maintainer, die häufig ehrenamtlich in ihrer Freizeit an dem Code arbeiten.

Auch Wahren nannte Beispiele für den Personalmangel: “Die schlimmste Erfahrung damals war das Upstreaming des Thermal-Treibers. […] Wir hatten am Ende knapp ein Jahr gebraucht. Der ursprüngliche Patch-Autor hat frustriert aufgegeben, nachdem der Maintainer erst in Revision 5 Anmerkungen gemacht hatte.”

Auch beim Einsatz für den Raspberry Pi gab es laut Wahren Engpässe: “Speziell für die BCM2835-Architektur musste ich in der Zeit, als Eric im Vaterschaftsurlaub war, sowohl die Rolle als Entwickler als auch die als Maintainer ausfüllen. Da ist es nicht immer so toll, keine zweite Meinung zu haben.”

Als Lösung des Maintainer-Dilemmas fordern viele Beobachter, die Maintainer zu bezahlen. Doch für Wahren wäre das keine Lösung; er nennt “rein persönliche Gründe” für den Rücktritt. “Es war ein besonderes Hobby, und als richtigen Job hätte ich das, glaube ich, nicht machen wollen, da mir in einigen Teilen einfach das Know-how gefehlt hat”. 

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