Immerhin transportieren die kleinen Router die Pakete im praktischen Betrieb erstaunlich zuverlässig. Ebenso erstaunlich, aber weniger erfreulich fällt die Boot-Dauer der GL.iNet-Geräte aus: Es dauert fast eineinhalb Minuten, bis das WLAN da ist.
Inbetriebnahme
Die Inbetriebnahme unterscheidet sich nicht wesentlich von jener bei anderen Routern: Entweder verbinden Sie einen Rechner per Kabel mit dem LAN-Port, oder Sie kontaktieren das Gerät per WLAN. Dessen SSID ist am Boden aufgedruckt und leitet sich von der MAC-Adresse ab. Das Passwort lautet für alle Modelle goodlife.
Per Browser surfen Sie die Adresse http://192.168.8.1 an und wählen die Sprache (Englisch oder Chinesisch), die Zeitzone und das Passwort für den Administrator aus. Danach begrüßt Sie die angepasste Oberfläche (Abbildung 4), die selbst mit einem Smartphone hervorragend funktioniert.

Abbildung 4: Über die Weboberfläche des Routers richten Sie im ersten Anlauf die Sprache und die Zeitzone sowie das Passwort für den Administrator ein.
Das Hauptmenü in der Desktop-Ansicht ist waagerecht ausgerichtet, die Unterpunkte erscheinen am linken Rand. Das Menü mit den Einstellungen (Settings) steht an erster Stelle. Jeder Reiter bietet weitergehende Informationen.
An erster Stelle (Weltkugel) finden Sie die Optionen zum Verwalten des WANs, an zweiter Stelle kommt das WLAN, danach folgen Seiten für den Zugriff aus der Ferne, die aktuell angemeldeten Geräte, einen eventuell eingesteckten USB-Stick sowie eine Seite für das Update der Firmware.
Auf der Startseite findet sich ganz oben rechts ein Link (advanced settings in Abbildung 4) auf die OpenWRT-eigene Oberfläche mit dem Namen Luci. Konsequenterweise verlangt diese aber nochmals die Eingabe des Root-Passworts, und Sie müssen bestätigen, dass Sie die Risiken kennen.
Neben dem Ändern des WLAN-Passworts stehen noch drei Aktivitäten an: Zum einen empfiehlt es sich, den WAN-Zugriff zu deaktivieren (dritter Menüpunkt) sowie das unsägliche Universal Plug-and-Play (UPnP) abzuschalten. Ersteres ist bei neueren Versionen der Firmware schon erledigt, Letzteres erreichen Sie über das Hauptmenü oben.
Anschließend verbinden Sie den Router testweise über die WAN-Buchse mit dem Heimrouter. Die Weboberfläche spiegelt das dann wieder (Abbildung 5): Die Weltkugel in der Navigation hat eine IP-Adresse bekommen, und es funktioniert jetzt das Update der Firmware, das Sie auf alle Fälle vornehmen sollten.

Abbildung 5: Haben Sie den kleinen Router einmal eingerichtet, empfiehlt es sich, als Erstes die Firmware über ein Update auf den neuesten Stand zu bringen. Dabei bietet das System mehrere Optionen an.
Im Notfall
Der Hersteller hat eine Reihe von Vorkehrungen gegen eine fehlerhafte Konfiguration oder das Aufspielen einer falschen Firmware getroffen. Zum einen sehen Sie in Abbildung 4 gleich nach dem ersten Login das Bild mit dem Zeigefinger und dem Taster an der Seite des Routers. Drücken Sie den Knopf im laufenden Betrieb drei Sekunden, setzt der Router die Parameter für das Netzwerk auf die Werkseinstellung zurück, entsprechend den Angaben auf dem Aufkleber auf dem Boden.
Hilft das nicht, setzt ein langer Druck von zehn Sekunden die gesamte Firmware zurück. Das letzte Update bleibt zwar erhalten, aber im Zustand nach dem Aufspielen. Das bedeutet insbesondere, dass Sie alle Konfigurationsschritte (Auswahl der Sprache, Zeitzone und Passwort) von Neuem eingeben müssen. Damit bietet dieses Vorgehen auch den letzten Rettungsanker, falls Sie das Passwort vergessen haben. Zu zählen brauchen Sie die Sekunden übrigens nicht: Der Router zeigt durch immer schneller blinkende LEDs an, ob Sie schon jenseits der drei beziehungsweise zehn Sekunden liegen.
Als allerletzte Maßnahme, wenn der Router gar nicht mehr will, bleibt das Einspielen einer neuen Firmware. Das wird in aller Regel nur dann notwendig, wenn Sie eine fehlerhafte Firmware aufgespielt haben. Dazu müssen Sie den Taster einige Sekunden gedrückt halten, bevor Sie den Router an die Stromversorgung hängen.
Der Hersteller hat es geschafft, in den Bootloader eine minimale Webseite einschließlich Netzwerkverbindung einzubauen, die das Laden einer neuen Firmware ermöglicht (Abbildung 6). Das funktioniert allerdings nur ohne jeglichen Luxus wie DHCP. Es setzt voraus, dass Sie dem per LAN-Buchse verbundenen Rechner eine feste Adresse im Netz 192.168.1.0/24 zuteilen und dann im Webbrowser die Adresse http://192.168.1.1 aufrufen.

Abbildung 6: Der Bootloader enthält eine Webseite, die das Laden einer neuen Firmware ermöglicht. So reaktivieren Sie ein Gerät mit schadhafter Firmware wieder.
Reichweitenstark
Auf das grundsätzliche Einrichten des Routers folgt die spezielle Konfiguration für den jeweiligen Einsatzzweck. Im Zusammenspiel mit einem RasPi gibt es einige interessante Szenarien, bei denen es sich lohnt, auf die dafür notwendige Konfiguration etwas detaillierter einzugehen.
So sorgt der Mini-Router gegebenenfalls im “Hotelzimmer-Modus” als Repeater für einen Internet-Zugang: Oft erlauben Hotels nur das Einbuchen eines einzigen Geräts ins freie WLAN. In diesem Fall wäre das der Mini-Router, der aber das Netz transparent im Hotelzimmer für weitere Geräte verteilt. Dazu öffnen Sie im Menü Settings den ersten Unterpunkt (Weltkugel) und stellen dann von Cable auf Repeater um (Abbildung 6).

Abbildung 7: Im Huckepackbetrieb hilft der Mini-Router im Repeater-Modus einem Raspberry Pi dabei, Anschluss ans drahtlose Netz zu finden.
Falls der Heimrouter WDS unterstützt, lässt sich der GL.iNet auch als Repeater transparent ins Heimnetz einbinden. Dazu wählen Sie im Dialog in Abbildung 7 statt WISP einfach WDS aus. Der einzige Fallstrick dabei: Sie erreichen den Router nicht mehr, wenn kein WDS-fähiges Gegenstück bereitsteht. In diesem Fall hilft aber ein Notfall-Reset.
Access Point
Verschiedene früher bereits in RPG vorgestellte Projekte, wie etwa der 3G-Hotspot [3] oder der Fototank [4], nutzen einen Raspberry Pi als Access Point. Hier läuft auf dem RasPi das Programm Hostapd, dass anderen Rechnern WLAN-Zugang bietet. Mit dem Mini-Router vereinfacht sich das Szenario grundlegend – statt des RasPi stellt er nun das WLAN bereit.




