Aus Raspberry Pi Geek 08/2019

Harte Konkurrenz für den RPi: Der Radxa Rock Pi 4 im Test

© Gita Kulinica, 123RF

Steinkuchen

Bernhard Bablok

Der Raspberry Pi hat viele Fans, doch nicht ohne Grund sehnen sich viele Anwender nach einem RasPi 4. Der Rock Pi 4 übertrumpft den RasPi 3 in Sachen Leistung um Längen und schlägt sich auch in der Praxis gut.

Das Angebot an Single-Board-Computern (oder kurz SBCs) gestaltet sich auffallend fruchtig: Banana Pi, Orange Pi und selbstverständlich der Raspberry Pi. Dazu gesellen sich unterschiedliche Varianten von Odroids, Beagle- und Cubieboards oder NanoPis. Viele der Raspberry-Pi-Klone stammen von chinesischen Herstellern. Die Nachbauten zeigen sich in Sachen Ausstattung dem Himbeer-Rechner oft überlegen, doch die Verfügbarkeit in Deutschland lässt zu wünschen übrig.

Im Gegensatz zu vielen SBCs aus China gibt es den Radxa Rock Pi 4 in Deutschland zu kaufen: Der Importeur Allnet hat uns freundlicherweise auch ein Testexemplar zur Verfügung gestellt. Zwar verkauft Allnet nicht an Endkunden, doch Sie können den Rock Pi 4 bei verschiedenen Shops erwerben, etwa bei Innet GmbH oder Reichelt. Weitere Anbieter finden sich auf den üblichen Vergleichsportalen.

Der Rock Pi 4 im Test

Beim Betrachten des Boards fällt die Ähnlichkeit zum Raspberry Pi 3 auf. In der Tat setzt der Hersteller Radxa hier auf denselben Formfaktor, einschließlich der Position der Anschlüsse (Abbildung 1). Markant sind auch Farbtupfer auf der Platine, wie etwa auf der GPIO-Leiste, was eine willkommene Hilfe beim Verkabeln darstellt.

Abbildung 1: Im Gegensatz zu den Raspberry-Pi-Varianten steuern beim Rock Pi 4 die USB-3.0-Ports und der Ethernet-Anschluss die CPU direkt an.

Abbildung 1: Im Gegensatz zu den Raspberry-Pi-Varianten steuern beim Rock Pi 4 die USB-3.0-Ports und der Ethernet-Anschluss die CPU direkt an.

Zwei der vier USB-Anschlüsse unterstützen USB 3.0. Das scheint gegenüber ähnlichen Boards eher wenig, aber dort hängen die USB-3.0-Ports oft an einem internen Hub und teilen sich so die Bandbreite. Dagegen sprechen die beiden Ports des Rock Pi 4 direkt die CPU an. Der obere der blau markierten USB-3.0-Ports ist OTG-fähig, dafür gibt es auf der Unterseite zwischen den beiden USB-Paaren einen Schiebeschalter.

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht: Die GPIO-Leiste ist nicht kompatibel zum Raspberry Pi. Die Position von Strom- und GND-Pins blieb zwar unverändert, genauso wie die I2C- und UART-Pins, aber im Detail unterscheiden sich die Leisten. So bietet der Rock Pi 4 etwa einen analogen Eingang, was in vielen Fällen einen externen ADC-Chip überflüssig macht. Auch hier punktet also der Rock Pi 4 gegenüber dem Original.

Neben den USB-Ports gibt es wie beim RasPi einen Ethernet-Anschluss, jedoch für das schnelle Gigabit-Ethernet. Zudem hängt er nicht über USB an der CPU, wird also davon auch nicht ausgebremst.

Links hinten sitzt ein USB-C-Anschluss für die Stromversorgung. Der Rock Pi 4 unterstützt die USB-C-PD-Spezifikation (Power Delivery), das Board handelt also mit dem Netzteil die Spannung aus. Da die vielen leistungsstarken Komponenten viel Strom ziehen, sollte das Netzteil 9 bis 20 V liefern, sonst fallen die Stromstärken einfach zu hoch aus.

Auf der Oberseite neben der GPIO-Leiste sitzt der WLAN-Bluetooth-Chip, allerdings nur beim Rock Pi 4B. Das A-Modell verzichtet darauf, behält aber im Gegensatz zu den A-Modellen des RasPi den Gigabit-Anschluss bei. Beim Funkmodul greift der Hersteller fast in dieselbe Schublade wie die Entwickler des RasPi 3B+ (hie Cypress 43456, da 43455). Der einzige Unterschied liegt in der Unterstützung von Bluetooth Version 5.

Neben einem eher uninteressanten analogen Audioausgang verfügt der Rock Pi 4 über einen Kamera- und einen Display-Anschluss. Sowohl die aktuelle Pi-Kamera als auch das offizielle Pi-Display funktionieren mit diesen Anschlüssen.

Kernkomponenten

Auf der Unterseite (Abbildung 2) des Boards thront in der Mitte der Rockchip RK3399, ein ARM-SoC mit sechs Kernen: vier Cortex-A53-Kerne mit 1,4 GHz wie beim RasPi 3B++ sowie zwei Cortex-A72-Kerne mit 1,8 GHz – also eine asymmetrische Big-Little-Verteilung. Neben der CPU sitzt der LPDDR4-Hauptspeicher. Den Rock Pi 4A/B gibt es mit 1, 2 und 4 GByte RAM, unser Testexemplar war voll ausgestattet. Je nach Aufgabenbereich erweist sich ein Vollausbau des Arbeitsspeichers als unabdingbar, denn wer mehr Kerne beschäftigen will, der muss auch entsprechend RAM bereitstellen.

Abbildung 2: Den Rock Pi 4 gibt es in Varianten mit 1, 2 und 4 GByte RAM. Auf der Unterseite rechts befinden sich die Sockel für die Aufnahmen von schnellem eMMC-Speicher.

Abbildung 2: Den Rock Pi 4 gibt es in Varianten mit 1, 2 und 4 GByte RAM. Auf der Unterseite rechts befinden sich die Sockel für die Aufnahmen von schnellem eMMC-Speicher.

An der Vorderkante des Boards findet sich der obligatorische Micro-SD-Slot, direkt dahinter ein PCIE-M.2-Anschluss. Letzterer unterstützt nur NVMe-SSDs, die in der Anschaffung in der Regel deutlich teurer kommen als M.2-SATA-SSDs. Daneben liegt ein Anschlusspaar für schnellen eMMC-Speicher. Auf der anderen Seite des Boards findet sich ein Anschluss für die Backup-Batterie der Onboard-Echtzeituhr (die dem RasPi bekanntlich fehlt). An der Hinterkante der Platine befindet sich der bereits erwähnte Schiebeschalter.

Erweiterungen

Radxa produziert für das Board eine Reihe von Erweiterungen zu einem fairen Preis – dazu später mehr. Abbildung 3 zeigt den massiven Kühlkörper sowie ein eMMC-Modul samt Micro-SD-Adapter. Letzterer hilft zwar beim Aufspielen eines Betriebssystems, doch stellt sich die Frage, wie lange er in Gebrauch bleibt: Nach der Montage des Kühlkörpers kommt man nur noch mit größter Mühe an den eMMC-Chip heran. Wahrscheinlich hätte Radxa hier ohne Einbußen in der Kühlleistung einfach eine Aussparung im Kühlkörper vorsehen können.

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