Der Formfaktor lässt sich auch als schlagendes Argument für den Odroid HC1/HC2 als Fileserver ins Feld führen: Beide unterstützen normale Festplatten (HC1: 2,5 Zoll, HC2: 3,5 Zoll), die im mitgelieferten Kühler verschwinden. Dabei finden die Kabel für Strom und Netzwerk an derselben Seite Anschluss. Nachteilig für die Odroid-Alternativen ist eine (im Alltag allerdings kaum relevante) niedrigere Performance und das Fehlen einer zweiten schnellen Schnittstelle für ein lokales Backup. Als Desktop-System eignen sich die beiden Odroids allerdings nicht, während der Rock Pi 4 hier dank seiner normalen HDMI-Schnittstelle glänzt. Selbst leistungshungrige Anwendungen mit vielen Schreib- und Lesevorgängen werden nicht wie beim RasPi 3 durch eine lahme Anbindung der Speichermedien ausgebremst.
Allerdings kommt die höhere Leistung auch zu einem deutlich höheren Preis. Hier sieht man das Dilemma, in dem die Raspberry Pi Foundation steckt: Zu dem jetzigen Preispunkt von etwa 35 Euro für einen RasPi 3B++ lässt sich ein rundum leistungsfähigeres Board nicht produzieren.
Für die Zukunft des Rock Pi 4 dürfte entscheidend sein, ob sich eine ausreichend große Community aufbaut und ob der Hersteller seinen Kernel samt Distributionen regelmäßig pflegt. Da die Rockchips inzwischen in SBCs diverser Hersteller zum Einsatz kommen, stehen die Chancen nicht schlecht, dass entsprechende Kernel-Anpassungen in den Mainstream-Kernel einfließen. Radxa betreibt seine Entwicklung öffentlich über Github [6] – auch damit pflegt das Unternehmen einen wichtigen Baustein für den Aufbau einer aktiven Entwicklergemeinschaft.
Aktuell zeigt sich Radxa in seinem Support-Forum [7] sehr engagiert. Mitarbeiter des Herstellers reagieren schnell auf Anfragen und versuchen aktiv, das Problem nachzustellen und auszuräumen. Auch der Distributor Allnet verspricht, Rückmeldungen von Kunden ernst zu nehmen und Verbesserungsvorschläge zu berücksichtigen. Für den Endanwender ist der Rock Pi 4 aktuell aber nur dann eine gute Wahl, wenn er ein solides Wissen rund um Linux mitbringt. Dann aber bietet das Board genug Leistung, um vorhandene Grenzen zu überspringen.
Der Autor
Bernhard Bablok arbeitet bei der Allianz Technology SE als SAP-HR-Entwickler. Wenn er nicht Musik hört oder mit dem Radl respektive zu Fuß unterwegs ist, beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux, Programmierung und Kleincomputer. Sie erreichen ihn unter mailto:[email protected].
Infos
- Download-Seite von Radxa: https://wiki.radxa.com/Rockpi4/downloads
- Einstieg: https://wiki.radxa.com/Rockpi4/getting_started
- Rock-Pi-4-Wiki: https://wiki.radxa.com/Rockpi4
- LibreELEC: https://libreelec.tv/
- Quellen des FST-Pakets: http://www.openfst.org/twiki/pub/FST/FstDownload/openfst-1.7.1.tar.gz
- Github-Repository: https://github.com/radxa
- Forum des Herstellers: https://forum.radxa.com





