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Aus Raspberry Pi Geek 04/2016

Odroid-C2 und Lemaker Guitar im Test

© Scott Betts, 123RF

Aufholjagd

Alexander Merz

Die Bastelrechner Lemaker Guitar und Odroid-C2 entstanden in Konkurrenz zum RasPi 2. Im Test können sie es aber sogar mit dessen Nachfolger aufnehmen, dem RasPi 3.

Die Bastelrechner der Odroid-Serie sind vor allem für Leistung und den ernsthaften Support bekannt, um den sich der Hersteller Hardkernel bemüht. Mit dem Odroid-C2 [1] schlägt Hardkernel eine neue Richtung ein: Bei diesem Modell handelt es sich nicht um einen neuen Super-SBC, sondern um einen Mini-Rechner in der Preisklasse des Raspberry Pi. Gleiches gilt für den Lemaker Guitar [2]: Statt auf mehr Gigahertz pro Euro setzt der Hersteller darauf, die verbaute Hardware tatsächlich sinnvoll für den Käufer zu gestalten – was dem Hersteller bekanntlich beim Banana Pi nicht so recht gelang.

Neuanfang

Lemaker war lange Zeit als Hersteller verschiedener Varianten des Banana Pi bekannt. Nach einem recht undurchsichtigen Rechtsstreit 2015 mit dem Hersteller Sinovoip löste sich das Unternehmen von der Marke und begann eigene Designs zu entwickeln. Beim Lemaker Guitar handelt es sich um das erste Ergebnis dieser Entwicklung, er erschien Ende 2015. Mit dem Bastelrechner will es Lemaker vor allem auf der Software-Seite besser machen als beim Banana Pi.

Der Lemaker Guitar kommt als Rechenmodul, das neben dem Prozessor 1 oder 2 GByte RAM (je nach Variante) sowie einen 8 GByte großen eMMC-Flash-Speicher enthält. Als CPU fungiert ein Actions S500 mit vier auf 1,3 GHz getakteten ARM-Cortex-A9-Kernen. Zur Kontaktaufnahme mit der Peripherie und weiteren Anschlüssen stecken Sie das Modul auf ein Baseboard (Abbildung 1). Auf diesem befinden sich zwei USB-2.0-Buchsen und ein Mikro-B-USB-3.0-Port – Sie können aber nicht beide Anschlussarten gleichzeitig nutzen. Videosignale gibt der Rechner per HDMI aus, Audio ebenfalls per HDMI oder via Klinkenstecker.

Abbildung 1: Das Lemaker-Guitar-Baseboard samt aufgestecktem Modul.

Abbildung 1: Das Lemaker-Guitar-Baseboard samt aufgestecktem Modul.

Anschluss ans Netz findet der Rechner über 10/100-Ethernet oder 802.11b/g/n-WLAN. Weitere drahtlose Kontaktmöglichkeiten bieten Bluetooth und Infrarot. Für den Massenspeicher steht ein Micro-SD-Slot bereit. Für Bastler gibt es eine GPIO-Leiste mit 40 Pins, die mit dem Raspberry Pi kompatibel ist, sowie zwei ADC-Eingänge. Die Stromversorgung erfolgt über einen Hohlstecker, das Netzteil muss zwischen 7 und 12 Volt bereitstellen.

Das Baseboard fällt fast doppelt so groß aus wie ein Raspberry Pi. In der Handhabung wirkt sich das durchaus positiv aus, bei Bastelprojekten stört es allerdings unter Umständen. In Deutschland vertreibt Allnet [3] den Lemaker Guitar – Modul und Baseboard – zu Preisen ab rund 40 Euro.

Start mit Hindernissen

Im Flash-Speicher des Lemaker Guitar ist bereits Android vorinstalliert, im Test sollte aber Linux zum Einsatz kommen. Wie gewohnt bespielten wir dazu zuerst eine Micro-SD-Karte. Der Hersteller bietet eine überschaubare Anzahl an Betriebssystem-Varianten an [4]. Wir entschieden uns für dessen hauseigene Linux-Distribution namens Lemuntu. Nach dem Einschieben der Micro-SD-Karte und Anschluss der Spannungsversorgung bootete der Guitar zwar, gab aber lediglich Grafikfehler aus.

Die Fehlersuche führte uns ins Lemaker-Forum, wo wir den Hinweis fanden, dass der Bootloader auf dem Flash-Speicher kompatibel zum Betriebssystem auf der SD-Karte sein müsse. Die Variante im Flash-Speicher war offenbar zu alt. Wir entschieden uns deshalb, Lemuntu direkt auf dem Flash-Speicher zu installieren, wozu es ein proprietäres Flash-Werkzeug für Windows und Linux gibt. Zehn Minuten später startete das System ohne Probleme, der kleine Schluckauf blieb das einzige Negativerlebnis im Test.

Details zur Konfiguration und zum Verwenden des Lemaker Guitar finden Sie in einem 70-seitigen Handbuch sowie im Guitar-Wiki. Dort erfahren Sie unter anderem, wie Sie die Treiber für den PowerVR-Grafikprozessor herunterladen und installieren. Außerdem erklärt eine Anleitung, wie Sie tatsächlich die volle CPU-Geschwindigkeit aktivieren – das half auch beim Benchmark für diesen Artikel.

Sowohl das WLAN als auch das integrierte Mikrofon konnten wir ohne Probleme nutzen. Für den Einsatz als Mediacenter bespielten wir eine Micro-SD-Card mit der Distribution Lemedia, einer OpenELEC-Variante für den Guitar. Sie startete problemlos, über HDMI-CEC konnten wir den Guitar mit der TV-Fernbedienung steuern. Lediglich der Ein- und Ausschalter am Board bleibt unter Lemuntu wie auch Lemedia wirkungslos.

Odroid-C2: das kleine Schwarze

Während der Lemaker Guitar eine breite Spanne potenzieller Einsatzgebiete mit bewährter Technik bedient, setzt Odroid beim C2 auf einen aktuellen ARM-Cortex-A53-Prozessor, auf dem ein 64-Bit-Linux-Kernel läuft. Für die AMLogic-S905-CPU des Odroid mit ihren vier Kernen stehen 2 GByte RAM bereit. Ansonsten entspricht die Ausstattung im Wesentlichen jener des RasPi 2, auch der C2 hat vier USB-2.0-Ports. Komponenten für WLAN und Bluetooth fehlen ihm, dafür gibt es einen Gigabit-Ethernet-Anschluss. Der Odroid-C2 kostet bei Pollin etwa 50 Euro [5].

Das Board (Abbildung 2) unterscheidet sich zwar in der Größe nicht vom Raspberry Pi, wohl aber in der Optik. Dafür sorgen die schwarze Platine und ein großer Kühlkörper, der gut ein Drittel der Frontseite abdeckt. Ungewöhnlich erscheint der Micro-SD-Karten-Slot, bei dem es sich eigentlich nicht um einen Slot handelt, sondern nur um eine kleine Buchse auf der Rückseite (Abbildung 3). Das wirkt zwar etwas abenteuerlich, verursachte im Test jedoch keine Probleme: Die Karte blieb sicher an ihrem Platz. Optional können Sie den C2 auch mit einem eMMC-Flash-Modul ausrüsten.

Abbildung 2: Klein, schwarz, stark: der Odroid-C2.

Abbildung 2: Klein, schwarz, stark: der Odroid-C2.

Abbildung 3: Beim Micro-SD-Karten-Port des Odroid-C2 handelt es sich tatsächlich mehr um eine Buchse als um einen Slot.

Abbildung 3: Beim Micro-SD-Karten-Port des Odroid-C2 handelt es sich tatsächlich mehr um eine Buchse als um einen Slot.

Die GPIO-Leiste mit 40 Pins ist nicht vollständig kompatibel zum Raspberry Pi. Das hat allerdings einen guten Grund: Die Hardware stellt ADC-Eingänge bereit. Die Stromversorgung erfolgt entweder per Mikro-USB-Anschluss oder durch einen bemerkenswert kleinen Hohlstecker.

Als Betriebssysteme für den Odroid-C2 bietet Hardkernel derzeit nur Android und eine Ubuntu-Variante an. Unter Ubuntu lief der Mini-Rechner im Test ohne Schwierigkeiten. Allerdings spricht der Hersteller selbst eine Reihe von Problemen an: So fehlt derzeit die Grafikunterstützung unter Linux, und noch nicht jede Software harmoniert mit dem Aarch64-Kernel für 64-Bit-Prozessoren.

Die Grafikunterstützung soll demnächst im Zug des Sprungs auf einen Linux-Kernel der 4.x-Serie nachgereicht werden. Die erforderlichen Arbeiten sollen auch direkt in den Mainline-Zweig des Kernels einfließen und keine Insellösung darstellen. Unter diesen Vorzeichen erscheint es wenig überraschend, dass die angepriesene 4K-Auflösung und das Dekodieren von Videos mit H.265 derzeit nur unter Android bereitstehen. Kodi startet auf dem Odroid-C2 zwar, lässt sich aber nicht benutzen.

Klarer Sieger

Die Performance des Odroid-C2 und des Lemaker Guitar haben wir mit Sysbench und Unixbench getestet, die Ergebnisse zeigt die Tabelle “Benchmark-Resultate”. Wie bei unserem Test der Mini-PCs mit acht Kernen [6] beeindruckte dabei die Performance der Aarch64-Linux-Architektur auf den Cortex-A53-Prozessoren.

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