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Aus Raspberry Pi Geek 02/2018

Mini-Router von GL.iNet als Ergänzung zum RasPi

© Kirill Makarov, 123RF

Wohnungsfunker

Bernhard Bablok

Der kompakte Router GL.iNet dockt problemlos am Raspberry Pi an und erweitert diesen um einen Access Point samt Server-Funktion.

Im Prinzip gibt es leistungsfähige USB-WLAN-Sticks, die auch mit dem RasPi gut harmonieren. Der Autor hat hier gute Erfahrungen mit dem CSL 300Mbit USB WLAN Adapter für 17 Euro oder dem TP-Link TL-WN822N für 13 Euro gemacht (Abbildung 1). Gerade Letzterer demonstriert aber gut, warum so ein Gerät nicht immer die passende Lösung darstellt: Der Hersteller TP-Link hat in der aktuellen Revision 4 das Innenleben ausgetauscht, ohne den Modellnamen zu ändern. Unter Linux lässt sich der Stick jetzt nur noch mit Klimmzügen einsetzen.

Abbildung 1: WLAN-Sticks wie jene von CSL (links) und TP-Link (rechts) kooperieren je nach Hardware-Revision mehr oder minder gut mit Raspbian.

Abbildung 1: WLAN-Sticks wie jene von CSL (links) und TP-Link (rechts) kooperieren je nach Hardware-Revision mehr oder minder gut mit Raspbian.

Als Alternative bieten sich deshalb sogenannte Mini-Router an, die nur 10 Euro mehr kosten als ein WLAN-Stick und prinzipbedingt grundsätzlich keine Probleme mit angeschlossenen Linux-Rechnern haben. Vor ein paar Jahren haben wir aus dieser Riege den TL-MR3020 von TP-Link vorgestellt [1]. Durch Aufspielen von OpenWRT verhelfen Sie dem Gerät zu einem freien Betriebssystem – die originale Firmware für die seinerzeit aktuelle Hardware-Revision hat der Hersteller seit 2015 nicht mehr angepasst.

Zwar verhindert TP-Link das Aufspielen einer fremden Firmware zumindest nicht, unterstützt es aber auch nicht explizit. Ganz anders sieht das bei den Geräten der chinesischen Firma GL.iNet aus, deren handliche Router hier im Mittelpunkt stehen.

Parade

Neben ein paar größeren, aber uninteressanten Geräten bietet die Firma Router an, die perfekt zum Raspberry Pi passen. Abbildung 2 zeigt links das Modell GL-AR300M und auf dem RasPi das Modell GL-MT300N-V2. Neben dem schwarzen (Shadow) und dem gelben (Mango) System gibt es noch eine hellblaue (Azure) und eine weiße (White) Variante. Eine Übersicht erhalten Sie auf der Homepage des Herstellers [2].

Jede Variante bietet spezifische Vorteile: Der Shadow etwa hat den stärksten Prozessor und am meisten Speicher, ist aber recht teuer. Der Azure verfügt zusätzlich über einen Steckplatz für eine Micro-SD-Karte und eignet sich deshalb zur Not als kleiner Server.

Abbildung 2: Der Raspberry Pi im Vergleich mit den Mini-Routern. Der Stromverbrauch fällt so niedrig aus, dass sich der GL.iNet direkt über die USB-Ports eines RasPi speisen lässt. Verwendet man ein kurzes Patchkabel, ergibt das eine kompakte Kombination (rechts).

Abbildung 2: Der Raspberry Pi im Vergleich mit den Mini-Routern. Der Stromverbrauch fällt so niedrig aus, dass sich der GL.iNet direkt über die USB-Ports eines RasPi speisen lässt. Verwendet man ein kurzes Patchkabel, ergibt das eine kompakte Kombination (rechts).

Die gelbe Mango-Variante liegt inzwischen in Version 2 vor und kostet mit 26 Euro inklusive Versand nur unwesentlich mehr als die eingangs beschriebenen Sticks. Allerdings gibt es noch keinen deutschen Distributor; auf Amazon bietet der Hersteller aber an, direkt aus China zu liefern. Alternativ gibt es einen Marketplace-Shop, der über Amazon ausliefert. Beide Bestellvarianten funktionierten im Test gut und unterschieden sich nur in der Lieferzeit.

Offenheit

Der Hersteller setzt in allen Belangen auf Offenheit. Während andere Hersteller ihre Geräte oft versiegeln und ein Öffnen des Gehäuses mit dem Verlust der Garantie einhergeht, stellt GL.iNet ein Video ins Netz, das das Öffnen des Gehäuses demonstriert. Das erweist sich in der Praxis als recht hilfreich, weil die sauber verarbeiteten kleinen Boxen aus Plastik auf den ersten Blick gar nicht erkennen lassen, wie man sie öffnen kann.

Auf der Platine fällt vor allem der bereits aufgelötete Header für ein serielles Kabel auf (Abbildung 3). Mit dessen Hilfe kann man nicht nur die Boot-Meldungen des Routers beobachten, sondern zur Not auch ein falsch konfiguriertes System retten. Während bei Routern anderer Hersteller der Weg über die serielle Konsole oft den einzigen Weg zu einer solchen Wiederherstellung bietet, brauchen Sie diesen Weg bei den GL.iNet-Routern aber gar nicht unbedingt zu gehen.

Abbildung 3: Die Platine des GL-MT300N-V2 weist bereits einen vom Hersteller aufgelöteten Header für eine serielle Verbindung auf.

Abbildung 3: Die Platine des GL-MT300N-V2 weist bereits einen vom Hersteller aufgelöteten Header für eine serielle Verbindung auf.

Auf der Platine sehen Sie auch Lötpunkte zum nachträglichen Bestücken mit GPIO-Headern. Damit eignet sich das System selbst für Projekte, die mit externen Komponenten zusammenspielen.

OpenWRT

Der Quellcode der GL.iNet-Firmware steht über die Hersteller-Homepage beziehungsweise via Github bereit. Für einzelne Router flossen Änderungen direkt in den Hauptzweig von OpenWRT ein. Als Alternative bietet sich DD-WRT an, allerdings nicht für alle Geräte. Dem Hersteller ist bewusst, dass eine einzige Firmware nicht genügt, um die Bedürfnisse aller Nutzer abzudecken. GL.iNet selbst stellt drei Varianten bereit.

Bei der offiziellen Firmware handelt es sich im Wesentlichen um ein OpenWRT mit einer zusätzlichen, auf Endanwender fokussierten Weboberfläche. Daneben offeriert GL.iNet eine Variante, die den Router in einen Tor-Knoten verwandelt – recht interessant für eine Firma, deren heimische Regierung den Tor-Verkehr gezielt stört. Die dritte Spielart erweist sich als hardwarespezifische, aber auf den OpenWRT-Kern reduzierte Version der offiziellen Firmware.

Für alle, denen diese Auswahl nicht genügt, liefert GL.iNet Informationen zum Bau einer eigenen, speziell angepassten Firmware.

Hardware im Detail

Wie erwähnt besteht das Gehäuse des Routers aus sauber verarbeitetem Kunststoff. Die beiden Fast-Ethernet-Ports tragen die Beschriftungen WAN und LAN. USB-Speicher oder UMTS-Sticks finden Anschluss an einer USB-Buchse vom Typ A, eine weitere Micro-USB-Buchse dient der Stromversorgung. Ein entsprechendes Kabel gehört zum Lieferumfang, allerdings kein Netzteil. Ein Taster, ein Schalter und drei LEDs komplettieren die Ausstattung.

Alle GL.iNet-Router haben Single-Core-Prozessoren, die für den normalen Netzwerkbetrieb ausreichen, aber bei rechenintensiven Aufgaben wie etwa der Verschlüsselung an ihre Grenzen stoßen. Der Hauptspeicher variiert je nach Modell zwischen 64 und 128 MByte, der Flash-Speicher umfasst in der Regel 16 MByte. Nur die schwarze Variante bringt zusätzlich noch 128 MByte Flash-Speicher mit und beherbergt dadurch parallel zwei Firmware-Versionen.

Der Stromverbrauch fällt so niedrig aus, dass sich das System direkt über die USB-Ports eines RasPi speisen lässt. Verwendet man ein kurzes Patchkabel, ergibt das eine kompakte Kombination. Die im Datenblatt des GL.iNet versprochenen 300 Mbit/s Durchsatz der WLAN-Schnittstelle, ohnehin theoretischer Natur, lassen sich in der Praxis schon deswegen nicht ausreizen, weil die Ethernet-Buchsen des Mini-Routers nur 100 Mbit/s transportieren.

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