Aus Raspberry Pi Geek 02/2018

Mini-Router von GL.iNet als Ergänzung zum RasPi (Seite 3)

Als allerletzte Maßnahme, wenn der Router gar nicht mehr will, bleibt das Einspielen einer neuen Firmware. Das wird in aller Regel nur dann notwendig, wenn Sie eine fehlerhafte Firmware aufgespielt haben. Dazu müssen Sie den Taster einige Sekunden gedrückt halten, bevor Sie den Router an die Stromversorgung hängen.

Der Hersteller hat es geschafft, in den Bootloader eine minimale Webseite einschließlich Netzwerkverbindung einzubauen, die das Laden einer neuen Firmware ermöglicht (Abbildung 6). Das funktioniert allerdings nur ohne jeglichen Luxus wie DHCP. Es setzt voraus, dass Sie dem per LAN-Buchse verbundenen Rechner eine feste Adresse im Netz 192.168.1.0/24 zuteilen und dann im Webbrowser die Adresse http://192.168.1.1 aufrufen.

Abbildung 6: Der Bootloader enthält eine Webseite, die das Laden einer neuen Firmware ermöglicht. So reaktivieren Sie ein Gerät mit schadhafter Firmware wieder.

Abbildung 6: Der Bootloader enthält eine Webseite, die das Laden einer neuen Firmware ermöglicht. So reaktivieren Sie ein Gerät mit schadhafter Firmware wieder.

Reichweitenstark

Auf das grundsätzliche Einrichten des Routers folgt die spezielle Konfiguration für den jeweiligen Einsatzzweck. Im Zusammenspiel mit einem RasPi gibt es einige interessante Szenarien, bei denen es sich lohnt, auf die dafür notwendige Konfiguration etwas detaillierter einzugehen.

So sorgt der Mini-Router gegebenenfalls im “Hotelzimmer-Modus” als Repeater für einen Internet-Zugang: Oft erlauben Hotels nur das Einbuchen eines einzigen Geräts ins freie WLAN. In diesem Fall wäre das der Mini-Router, der aber das Netz transparent im Hotelzimmer für weitere Geräte verteilt. Dazu öffnen Sie im Menü Settings den ersten Unterpunkt (Weltkugel) und stellen dann von Cable auf Repeater um (Abbildung 6).

Abbildung 7: Im Huckepackbetrieb hilft der Mini-Router im Repeater-Modus einem Raspberry Pi dabei, Anschluss ans drahtlose Netz zu finden.

Abbildung 7: Im Huckepackbetrieb hilft der Mini-Router im Repeater-Modus einem Raspberry Pi dabei, Anschluss ans drahtlose Netz zu finden.

Falls der Heimrouter WDS unterstützt, lässt sich der GL.iNet auch als Repeater transparent ins Heimnetz einbinden. Dazu wählen Sie im Dialog in Abbildung 7 statt WISP einfach WDS aus. Der einzige Fallstrick dabei: Sie erreichen den Router nicht mehr, wenn kein WDS-fähiges Gegenstück bereitsteht. In diesem Fall hilft aber ein Notfall-Reset.

Access Point

Verschiedene früher bereits in RPG vorgestellte Projekte, wie etwa der 3G-Hotspot [3] oder der Fototank [4], nutzen einen Raspberry Pi als Access Point. Hier läuft auf dem RasPi das Programm Hostapd, dass anderen Rechnern WLAN-Zugang bietet. Mit dem Mini-Router vereinfacht sich das Szenario grundlegend – statt des RasPi stellt er nun das WLAN bereit.

Dazu ändern Sie im Einstellungsmenü (zweiter Punkt, “Funkmast”) die IP-Adresse des Mini-Routers und damit des Netzes. Hängt der GL.iNet per Ethernet-Kabel an einem Upstream-Router, dann schalten Sie über den Schieber am Gerät den Bridge-Modus ein (Abbildung 8). In diesem Fall bindet der kleine Router alle Rechner, die per WLAN an ihm hängen, ins Gesamtnetz ein.

Abbildung 8: Ein einfacher Klick im Webinterface des Mini-Routers erlaubt das Umschalten zwischen Router- und Bridge-Modus.

Abbildung 8: Ein einfacher Klick im Webinterface des Mini-Routers erlaubt das Umschalten zwischen Router- und Bridge-Modus.

Fazit

Für nur 10 Euro mehr, als Sie für einen guten USB-WLAN-Stick zahlen, erhalten Sie mit dem GL.iNet ein kleines Gerät mit vielen Funktionen, das die WLAN-Schwächen des RasPi abfängt und dank des niedrigen Stromverbrauchs quasi huckepack auf dem Raspberry Pi läuft.

Die gute Unterstützung seitens des Herstellers macht das Gerät gerade für Bastler interessant, die mehr wollen – Root-Zugang, eine offene Firmware-Plattform und Hardware-Support (GPIOs) machen das ohne Klimmzüge möglich. Die wachsende Anzahl von Blogposts rund um die GL.iNet-Systeme zeigt, dass die Rechner in der Community gut ankommen.

Auch wer sich in OpenWRT einarbeiten möchte, weil er etwa einen großen Router umstellen will, findet in den Modellen von GL.iNet eine gute Plattform zum Üben. Es bleibt zu hoffen, dass das Beispiel der Chinesen Schule macht, auch andere Hersteller endlich auf offene Betriebssysteme umstellen und so Router mit Uralt-Firmware endlich aussterben. 

Der Autor

Bernhard Bablok arbeitet als SAP-HR-Entwickler bei der Allianz Technology SE. Hört er nicht Musik oder ist mit dem Rad beziehungsweise zu Fuß unterwegs, dann beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux, Programmierung und Kleincomputer. Sie erreichen ihn unter mailto:[email protected].

Glossar

WDS

Wireless Distribution System. Verfahren zur Adressierung von Datenframes in WLANs, das den Aufbau anspruchsvoller Topologien ermöglicht. Damit lassen sich Ad-hoc-Netze, LAN-Gateways und Bridges realisieren.

Infos

  1. Mobile Router: Bernhard Bablok, “Der 1-Watt-Server”, LU 05/2013, S. 83, http://www.linux-community.de/28787
  2. GL.iNet: https://gl-inet.com
  3. 3G-Hotspot: Bernhard Bablok, “Do it yourself”, RPG 06/2015, S. 48, http://www.raspi-geek.de/35641
  4. Foto-Backup: Bernhard Bablok, “Weggesichert”, RPG 06/2016, S. 38 http://www.raspi-geek.de/36241
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