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Aus Raspberry Pi Geek 08/2017

7-Zoll-Touchscreen von Waveshare im Test

© Galina Peshkova, 123RF

Angeschaut

Anzela Minosi

Das offizielle Raspberry-Pi-Display bietet nur eine geringe Auflösung. Das gleichgroße 7-Zoll-Display von Waveshare kann deutlich mehr und dient zudem als Touchscreen für den RasPi.

Die Anwendungsgebiete des Raspberry Pi reichen von Mediacenter oder Fileserver bis zur Hausautomation und darüber hinaus. Vor allem als Server fristet der RasPi jedoch ein einsames Dasein: Meldet man sich nicht per SSH an oder richtet eine Monitoring-Lösung ein, weiß man nicht, was auf dem Mini-Rechner so vor sich geht. Funktioniert alles wie geplant? Laufen alle Dienste? Geht der Speicher auf der SD-Karte zur Neige?

Als pfiffiger Ersatz für Tastatur, Maus und Monitor kann jedoch ein Touchscreen dienen – so lässt sich der Rechenzwerg wie ein Tablet-PC bedienen. Der auf dem RasPi aufgebrachte DSI-Port (Display Serial Interface) bleibt allerdings bislang dem offiziellen Raspberry-Pi-Display [1] vorbehalten, und so müssen Drittanbieter auf den GPIO- oder HDMI-Port ausweichen. Das 7-Zoll-Display von Waveshare geht den zweiten Weg, bietet dabei eine satte Auflösung und dient obendrein als Touchscreen.

Überblick

Waveshare offeriert sein HDMI-Display in zwei Varianten: Die B-Version [2] verfügt lediglich über eine Auflösung von 800 x 480 Pixeln und entspricht damit dem offiziellen RasPi-Display. Die C-Variante dagegen löst mit 1024 x 600 Pixeln deutlich feiner auf [3]. Beide Bildschirme dienen als kapazitiver Touchscreen. Während das offizielle RasPi-Display für Gesten bis zu 10 Eingaben gleichzeitig registriert, eignet sich das Waveshare-Pendant unter Linux allerdings nur als Single-Touch-Gerät. Immerhin sorgt das IPS-LCD für einen großen Blickwinkel und eine klare Darstellung.

Beim Kauf (siehe Kasten “Bezugsquelle”) sollten Sie darauf achten, ein Modell mit Firmware 2.1 zu bekommen, das unter Linux (wie auch Microsoft Windows ab Version 7) ohne die Installation zusätzlicher Treiber funktioniert. Für ältere Modelle benötigen Sie dagegen ein speziell aufgearbeitetes Raspbian-Image. Hinweise auf die Firmware-Version finden Sie auf der Rückseite des Monitors. Im Rahmen des Tests widmen wir uns dem höher auflösenden C-Modell mit der aktuellen Firmware.

Mit Abmaßen von 165 x 107 Millimeter nimmt der Monitor kaum mehr Platz ein als ein Tablet (Abbildung 1). Das ausreichend helle Display spiegelt allerdings stark. Das Paket enthält neben dem Bildschirm selbst noch je ein HDMI- und USB-Kabel, Schrauben sowie eine DVD mit mehreren Images diverser Betriebssysteme. Der Hersteller verspricht Kompatibilität zum RasPi 2 und 3, Banana Pro sowie weiteren SBCs und Rechnern mit Microsoft Windows ab Version 7.

Abbildung 1: Über die Ösen lässt sich das Waveshare-Display fest verschrauben oder in einem optional erhältlichen Gehäuse fixieren.

Abbildung 1: Über die Ösen lässt sich das Waveshare-Display fest verschrauben oder in einem optional erhältlichen Gehäuse fixieren.

Bezugsquelle

In Deutschland erhalten Sie die zwei Displays sowie andere Modelle von Waveshare über der Online-Shop der Eckstein GmbH [11]. Die Kosten für das Display belaufen sich auf 69,95 Euro. Da es ohne Gehäuse kommt, empfiehlt es sich, zusätzlich das passende Case für 11,29 Euro zu bestellen [12].

Installation

Für die Zusammenarbeit mit dem Waveshare-Monitor gilt es, die Konfiguration ein wenig anzupassen. Dazu ergänzen Sie einige Zeilen in der Konfigurationsdatei /boot/config.txt (Listing 1). Je nach eingesetzter Display-Variante müssen Sie die letzte Zeile (hdmi_cvt ...) entsprechend ein- oder auskommentieren. Nehmen Sie die Änderungen am besten von Hand vor: Die vom Händler bereitgestellte Konfigurationsdatei [4] bringt den RasPi beim Booten zum Absturz.

Listing 1

 

#/boot/config.txt
[...]
max_usb_current=1
hdmi_group=2
hdmi_mode=1
hdmi_mode=87
### Waveshare-Display B
# hdmi_cvt 800 480 60 6 0 0 0
### Waveshare-Display C
hdmi_cvt 1024 600 6 0 0 0

Anschließend verbinden Sie das Display per HDMI mit dem RasPi, die Versorgungsspannung liefert ein USB-Kabel zwischen Display und Mini-Rechner. Auf der Rückseite des Bildschirms finden Sie einen Schiebeschalter, den Sie auf ON stellen. Dann stecken Sie den RasPi selbst an den Strom an. Die Bootmeldungen des Betriebssystems sollten nun automatisch auf dem Bildschirm erscheinen. Der Schalter am Display steuert die Hintergrundbeleuchtung, einen Helligkeitsregler gibt es nicht.

Montage

Ohne Gehäuse droht die filigrane, teils mit Flachbandkabeln bestückte Rückseite des Displays über kurz oder lang Schaden zu nehmen. Als Abhilfe offeriert Waveshare einen Monitorrahmen (Abbildung 2) aus Acryl mit weißer Vorder- und schwarzer Rückseite. Die meisten der mitgelieferten Schrauben und Muttern sind ebenfalls aus Kunststoff. Eine Anleitung zum Zusammenbau findet sich sowohl auf der Webseite des Herstellers [5] wie auch beim deutschen Vertrieb.

Abbildung 2: Der Display-Rahmen von Waveshare – Sie müssen ihn noch zusammenbauen – kostet knapp 12 Euro.

Abbildung 2: Der Display-Rahmen von Waveshare – Sie müssen ihn noch zusammenbauen – kostet knapp 12 Euro.

Der Raspberry Pi lässt sich im Zusammenspiel mit dem Gehäuse hinter dem Display montieren. Allerdings tragen die Kabel kräftiger auf als die Flachbandkabel des offiziellen Displays, sodass die Waveshare-Lösung weniger elegant wirkt. Zusätzlich zum Rahmen befinden sich noch Teile für einen Ständer im Paket (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der Zusammenbau des mitgelieferten Ständers ist im Handumdrehen erledigt.

Abbildung 3: Der Zusammenbau des mitgelieferten Ständers ist im Handumdrehen erledigt.

Während der Montage müssen Sie bei den zwei mittleren Schrauben aufpassen: An diesen Stellen finden sich auf der Platine des Displays keine Laschen. Die Distanzhülsen geraten daher schnell in Schieflage und wölben so das ganze Konstrukt nach außen auf (Abbildung 4). Um das zu verhindern, können Sie auf eines der Distanzstücke verzichten. Dann müssen Sie jedoch in Kauf nehmen, dass sich das Sandwich unter Last leicht nach innen verformt.

Abbildung 4: Bei falscher Montage des Sandwichs aus Gehäuse und Display wölben sich die dünnen Kunststoffplatten.

Abbildung 4: Bei falscher Montage des Sandwichs aus Gehäuse und Display wölben sich die dünnen Kunststoffplatten.

Praxistest

Wir testen das Waveshare-Display auf einem Raspberry Pi 3 unter Sabayon ARM [6]. Als Desktop-Umgebung kommt das leichtgewichtige XFCE zum Einsatz. Dabei treten die Vorteile des höher auflösenden Waveshare-Bildschirms gegenüber dem offiziellen RasPi-Display schnell hervor: So lassen sich Webseiten, die bislang noch nicht für die Darstellung auf mobilen Geräten optimiert wurden, in der Regel ohne Scrollen lesen, und auch Anwendungen wie LibreOffice passen komplett auf den Bildschirm.

Typisch für einen kapazitiven Touchscreen lässt sich dieser nur mit der Fingerkuppe oder speziellen Stiften bedienen. Das Drücken größerer Schaltflächen gelingt in der Regel gut, bei kleineren Buttons muss man jedoch sehr genau zielen. Auch das Ausführen eines Doppelklicks per Fingerzeig fällt nicht gerade leicht. XFCE selbst fehlen zudem Optionen, um Kontextmenüs per Geste zu öffnen oder in Anwendungsfenstern per Wisch zu scrollen.

Für Texteingaben müssen Sie nicht zwangsläufig eine Tastatur anschließen: Sabayon ARM bringt von Haus aus ein virtuelles Keyboard mit (Abbildung 5), das Sie über Applications | Accessories | Keyboard aufrufen. Damit das Fenster der Tastatur nicht immer hinter der gerade aktiven Anwendung verschwindet, pinnen Sie es im Vordergrund fest. Dazu tippen Sie links oben auf das Icon für die Fenstereinstellungen und wählen dort die Option Always on Top an. Für die virtuellen Keys gilt jedoch dasselbe wie für kleine Schaltflächen: In der Praxis muss man schon sehr genau zielen, um die gewünschte Taste sicher zu treffen.

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