Als Betriebssysteme für den Odroid-C2 bietet Hardkernel derzeit nur Android und eine Ubuntu-Variante an. Unter Ubuntu lief der Mini-Rechner im Test ohne Schwierigkeiten. Allerdings spricht der Hersteller selbst eine Reihe von Problemen an: So fehlt derzeit die Grafikunterstützung unter Linux, und noch nicht jede Software harmoniert mit dem Aarch64-Kernel für 64-Bit-Prozessoren.
Die Grafikunterstützung soll demnächst im Zug des Sprungs auf einen Linux-Kernel der 4.x-Serie nachgereicht werden. Die erforderlichen Arbeiten sollen auch direkt in den Mainline-Zweig des Kernels einfließen und keine Insellösung darstellen. Unter diesen Vorzeichen erscheint es wenig überraschend, dass die angepriesene 4K-Auflösung und das Dekodieren von Videos mit H.265 derzeit nur unter Android bereitstehen. Kodi startet auf dem Odroid-C2 zwar, lässt sich aber nicht benutzen.
Klarer Sieger
Die Performance des Odroid-C2 und des Lemaker Guitar haben wir mit Sysbench und Unixbench getestet, die Ergebnisse zeigt die Tabelle “Benchmark-Resultate”. Wie bei unserem Test der Mini-PCs mit acht Kernen [6] beeindruckte dabei die Performance der Aarch64-Linux-Architektur auf den Cortex-A53-Prozessoren.
Benchmark-Resultate
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Benchmark |
Lemaker Guitar |
Odroid-C2 |
Raspberry Pi 3 |
|---|---|---|---|
|
Sysbench (CPU) |
44 Sekunden |
2 Sekunden |
45 Sekunden |
|
Unixbench (Gesamt) |
457 |
1271 |
789 |
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Unixbench (Dhrystone) |
1262 |
2761 |
1463 |
|
Unixbench (Whetstone) |
485 |
1029 |
538 |
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Unixbench-Ergebnisse auf Ganzzahl gerundet. |
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Der Odroid übertrifft dabei selbst den dort führenden Lemaker Hikey mit seinen acht Kernen und geht als eindeutiger Sieger aus dem Vergleich mit dem Guitar hervor. Der große Kühlkörper leistet gute Arbeit, der Prozessor erwärmte sich im Test nicht über 40 Grad Celsius. Ein aktiver Lüfter, wie ihn das größere Modell Odroid-X4 mitbringt, ist nicht nötig.
Der Lemaker Guitar erzielt nur beim CPU-Test von Sysbench einen marginalen Vorsprung, beim Unixbench unterliegt er dem Raspberry Pi (Abbildung 4). In der Praxis spürt man bei Desktop-Anwendungen aber keinen Unterschied: Hier punktet die Geschwindigkeit des eMMC-Speichers gegenüber einer SD-Karte.

Abbildung 4: Der Odroid-C2 geht als eindeutiger Sieger aus dem Test hervor. Der Lemaker Guitar dagegen unterliegt beim Unixbench dem RasPi 3.
Um mit dem Guitar aber die Benchmark-Werte zu erreichen, müssen Sie ihn explizit auf 1,3 GHz hochtakten, wie im Handbuch beschrieben. Dann heizt sich der Rechner unter Volllast aber auf bis zu 68 Grad Celsius auf. Im Test lief er dabei trotzdem stabil; packen Sie ihn jedoch in ein Gehäuse, besteht die Möglichkeit, dass es beim Betrieb mit 1,3 GHz zu Problemen kommt.
Auch beim Strombedarf unterscheiden sich der Lemaker Guitar und der Odroid-C2. Der Guitar genehmigt sich bei 9 Volt 670 Milliampere, der C2 begnügt sich bei 5 Volt mit 660 Milliampere. Allerdings hat der Guitar unter anderem das WLAN-Modul mitzuversorgen.
Bei der Netzwerkgeschwindigkeit schlagen sich beide Rechner ordentlich. Im Test mit Iperf erreicht der Odroid-C2 mit seinem Gigabit-Anschluss 939 Mbit/s, der Lemaker Guitar kommt mit seinem Fast-Ethernet-Anschluss nur auf 79,5 Mbit/s. Beim WLAN schlägt der Guitar hingegen mit 48,7 Mbit/s selbst den Raspberry Pi 3 (45 Mbit/s).
Fazit
Im Test zeigt sich, dass sowohl der Lemaker Guitar als auch der Odroid-C2 durchaus in der Liga des Raspberry Pi 3 mitspielen können. Vor die Wahl gestellt, würden wir uns trotz des Leistungsvorsprungs des Odroid derzeit für den Lemaker Guitar entscheiden. Dafür sorgen die breitere Software-Unterstützung und die bessere Dokumentation.
Zugegeben hinkt der Vergleich hier etwas, da sich der Lemaker Guitar bereits einige Monate auf dem Markt befindet, während der Odroid-C2 vergleichsweise neu ist. Das Guitar-Board steht dabei hoffentlich für einen Trend bei den im Segment etablierten Herstellern, nicht mehr krampfhaft einen möglichst niedrigen Preis anzustreben, sondern die Pflege der Software in die Kalkulation mit einzubeziehen. Das war bislang die Stärke des Raspberry Pi.
Lemaker hat es allerdings ebenfalls geschafft, ein funktionierendes Komplettpaket aus Hardware und Software zustande zu bringen. Damit gibt es wohl nach langer Zeit wieder einen ernsthaften Raspberry-Pi-Konkurrenten, der nicht nur bei der Hardware besticht. Sehr gut gefällt vor allem der eMMC-Speicher. Wer darin die Lemedia-Distribution installiert, bekommt ein Mediacenter, dem der Micro-SD-Karten-Slot als reiner Datenspeicher zur Verfügung steht. Was dem Guitar in Bezug auf Anfängerfreundlichkeit noch fehlt, ist ein Programm wie Raspi-Config, um die dokumentierten Parameter der Konfiguration einfacher zu modifizieren. Wer sich auf die Kommandozeile traut, bekommt aber auch so einen praktischen Allzweck-PC im Mini-Format.
Der Odroid-C2 eignet sich hingegen eher für experimentierfreudige Anwender. Der Hersteller kämpft derzeit noch an zwei Fronten: Die 64-Bit-Architektur beginnt sich gerade erst zu verbreiten, und obendrein fehlt bislang der Grafiksupport für die Mali-GPU im SoC. Interessant ist der C2 vor allem für jene, die in die 64-Bit-Welt einsteigen wollen. Sie profitieren davon, dass der Hersteller tatsächlich bereit und fähig ist, die notwendigen Linux-Arbeiten zu stemmen, und seine Hoffnungen nicht komplett auf die Community setzt. Es schadet nicht, zu warten, bis Hardkernel seine Arbeiten erstmalig präsentiert.
Ausblick
Nicht nur im Hinblick auf den Odroid-C2, sondern auch angesichts der Erfahrungen beim Test des Lemaker Hikey [6] stellt sich ernsthaft die Frage, wie viel Reserven eigentlich noch im Raspberry Pi 3 stecken. Dessen neuer Broadcom-Prozessor basiert ebenfalls auf Cortex-A53-Kernen. Die bespielt Raspbian aber derzeit noch mit der alten Aarch32-Architektur, die den Befehlssatz der CPU längst nicht ausreizen. Angesichts der Konkurrenz sollte die Raspberry Pi Foundation jetzt so schnell wie möglich ein 64-Bit-Linux für den RasPi nachlegen.





