Aus Raspberry Pi Geek 04/2017

E-Mails von mehreren Geräten aus lesen (Seite 2)

Für die Konfiguration des Servers erstellen Sie die Datei /etc/dovecot/local.conf (Listing 2). Der Server lädt diese Datei automatisch am Ende der Datei /etc/dovecot/dovecot.conf. Da der Mailserver im lokalen Netz steht, greifen die Clients im Beispiel ohne SSL auf ihn zu (dritte Zeile). Mit einem selbst signierten Zertifikat ließe sich das Verschlüsseln einschalten. Allerdings setzt das auf der Seite der Clients einige Klimmzüge voraus.

Listing 2

 

# /etc/dovecot/local.conf
protocols = imap
ssl = no
disable_plaintext_auth = no
mail_location = maildir:~/Maildir
pop3_uidl_format = %g
auth_verbose = yes
auth_mechanisms = plain
passdb {
  driver = passwd-file
  args = /etc/dovecot/passwd
}
userdb {
  driver = static
  args = uid=vmail gid=vmail home=/home/vmail/%u
}
postmaster_address = postmaster@localhost

Als letzten Schritt benötigen Sie die Passwort-Datei für Dovecot (Listing 2, Zeile 13). Hier tragen Sie die Kombinationen aus Benutzername und Passwort ein, mit denen die Anwender später mit ihrem Mailclient auf die Postfächer zugreifen. Listing 3 zeigt das entsprechende Format.

Listing 3

 

[email protected]:{PLAIN}_geheim_
[email protected]:{PLAIN}Passwort_2

Statt lesbarer Passwörter dürften Sie hier verschlüsselte Passwörter hinterlegen [2]. Da aber später die Passwörter beim Abholen von Mails per Fetchmail zum Einsatz kommen, bleibt es vorerst bei dieser Variante.

Thunderbird & Co.

Damit ist erst einmal die Konfiguration des IMAP-Servers abgeschlossen. Im Mailclient erstellen Sie jetzt ein neues Konto vom Typ IMAP. Dort tragen Sie als Zugangsdaten Benutzernamen und Passwort aus der Datei /etc/dovecot/passwd ein.

Als Adresse für den Server verwenden Sie die IP des RasPi, für den Versand bleiben Sie bei der bisher verwendeten Adresse des Servers Ihres Providers. Bei Thunderbird sieht das aus wie in Abbildung 2. Wer nicht gleich mit seinen Adressen aus dem täglichen Einsatz experimentieren möchte, besorgt sich bei einem der vielen Provider eine Adresse zum Testen.

Abbildung 2: In Thunderbird erledigen Sie die Konfiguration eines neuen Accounts im Wesentlichen über einen Dialog.

Abbildung 2: In Thunderbird erledigen Sie die Konfiguration eines neuen Accounts im Wesentlichen über einen Dialog.

Thunderbird weist mit einer unübersehbaren Warnung auf die unverschlüsselte Verbindung zum IMAP-Server hin. Da die Rechner im Beispiel sich aber im lokalen Netz befinden, spielt das ein nachgelagerte Rolle. Die Konfiguration von anderen Clients verläuft ähnlich. Abbildung 3 zeigt den entsprechenden Dialog des freien Mailers K-9 unter Android.

Abbildung 3: Die freie Mail-App K-9 unter Android erlaubt ebenfalls den Einsatz eines Kontos mit einem IMAP-Server.

Abbildung 3: Die freie Mail-App K-9 unter Android erlaubt ebenfalls den Einsatz eines Kontos mit einem IMAP-Server.

An dieser Stelle ist ein erster Test möglich. Erstellen Sie zum Beispiel einen Ordner im IMAP-Konto von Thunderbird. Anschließend rufen Sie für dieses Konto die Mails ab – zwar kommt noch nichts an, aber die Software synchronisiert die erstellten Ordner auf den RasPi. Anschließend wiederholen Sie den Vorgang auf dem Android-Device. Der auf dem PC angelegte Ordner sollte daraufhin auch dort erscheinen.

Versenden Sie Mails, legt der Mailclient diese in einem Ordner ab (üblicherweise Sent oder Gesendet). Viele Programme erlauben es, zu konfigurieren, welcher Ordner das im Dateisystem ist. Mit der nächsten IMAP-Synchronisation landen die Mails über den Server auf allen Clients. Analog funktioniert das, wenn Sie die Mails per Regeln in andere Ordner einsortieren (solange diese innerhalb des IMAP-Kontos liegen).

Mails abholen

Das Versenden und Synchronisieren sollte jetzt also funktionieren. Als Nächstes wenden Sie sich dem Abholen von eingehenden Mails beim Provider zu. Hier kommt die Software Fetchmail ins Spiel.

Das Programm läuft unter dem Benutzerkonto, das das Skript aus Listing 1 in Zeile 8 angelegt hat. Dazu wechseln Sie auf dem RasPi mit dem Befehl sudo su -- vmail die Identität und erstellen im Home-Verzeichnis die Datei .fetchmailrc gemäß Listing 4. Diese Datei generieren Sie später automatisch aus der Passwort-Datei von Dovecot, für einen ersten Test eignet sich jedoch die selbst geschriebene Konfiguration besser.

Listing 4

 

set logfile /var/log/fetchmail.log
set no bouncemail
set postmaster vmail
preconnect "date >> /var/log/fetchmail.log"
poll mein.provider.de protocol pop3
  username [email protected] password "_geheim_" fetchall
  mda "/usr/lib/dovecot/dovecot-lda -d [email protected]"
poll mail.provider2.de protocol pop3
  username [email protected] password "Passwort_2" fetchall
  mda "/usr/lib/dovecot/dovecot-lda -d [email protected]"

Steht die Konfiguration, holt ein – weiterhin als User vmail abgesetztes – beherztes fetchmail im Terminal die Mails ab und übergibt sie an den IMAP-Server.

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