Aus Raspberry Pi Geek 02/2017

9-Dollar-Chip von Next Thing ausprobiert (Seite 3)

Erwartungsgemäß ebenfalls eher lahm verhält sich Firefox ESR, geborener Iceweasel. Allgemein stellt gerade das Starten von Desktop-Programmen immer eine kleine Geduldsprobe dar. Zuerst lasten wir das dem SoC mit seinem einzelnen Kern an, haben uns doch andere Bastelrechner bei den Tests in den letzten Monaten mit mehreren CPU-Kernen verwöhnt.

Doch die Resultate eines Benchmarks belehrten uns eines Besseren – dazu gleich mehr. Wahrscheinlich liegt der Hase beim UBIFS-Dateisystem im Pfeffer: Es komprimiert die Daten, bevor es sie auf den Flash-Speicher praktiziert. Gerade GUI-Programme, die meist umfangreiche Programmdateien und Bibliotheken umfassen, brauchen wegen des Entpackvorgangs länger zum Laden; Ähnliches dürfte auch für das 630 MByte große getestete Playstation-Spiel gelten.

Benchmark mit Surprise

Andererseits empfiehlt sich mit Blick auf den gerade mal 512 MByte großen Arbeitsspeicher und den einsamen CPU-Kern der Chip sowieso bestenfalls bedingt für den Einsatz als Desktop-System. Wir wollen es jetzt genauer wissen und starten verschiedene Testläufe mit Unixbench und Sysbench, um mehr über die Prozessorleistung zu erfahren. Die Tabelle “Unixbench-Ergebnisse: Chip, RasPi Zero, RasPi 3” zeigt die überraschenden Resultate.

Unixbench-Ergebnisse: Chip, RasPi Zero, RasPi 3

 

Chip

RasPi Zero

RasPi 3(1)

Dhrystone

319,5

196,0

327,0

Whetstone

35,5

61,2

110,9

Pipe Throughput

223,5

134,4

155,8

Shell Script (einzeln)

178,6

104,5

285,5

Shell Script (8 parallel)

161,8

94,5

554,8

Gesamt

176,1

95,2

201,5

(1) Resultat für nur einen CPU-Kern

Unter Unixbench hängt der Chip den Raspberry Pi Zero deutlich ab und liegt zuweilen auf Augenhöhe mit dem RasPi 3, betrachtet man nur einen Kern. Das erscheint bemerkenswert, taktet der Zero doch ebenso schnell wie der Chip – der RasPi 3 legt sogar noch einige Hundert MHz drauf. Allerdings nutzt das Betriebssystem des Chip die Vorteile der ARM-v7-Architektur aus, während Raspbian immer noch bei ARM v6 verharrt. Lediglich beim reinen CPU-Test von Sysbench gibt es eine klare Abstufung: Der Zero benötigt für 10 000 Durchläufe mit einem Thread 350 Sekunden, der Chip 285 Sekunden und der Raspberry Pi 3 182 Sekunden.

Im Rahmen der Erwartungen liegt hingegen die Datenrate des WLAN-Moduls auf dem Chip mit seinem Realtek-Chip. Mit rund 35 Mbit/s ist die drahtlose Verbindung nicht die schnellste, aber auch nicht schlechter als bei anderen Bastelrechnern mit Realtek-Funkbausteinen. Der RasPi 3 dagegen kommt mit seinem Broadcom-Funkmodul auf 45 Mbit/s.

Satter Strombedarf

Während der Benchmarks haben wir beim Chip bei einer Spannung von 5,14 Volt einen Strombedarf von rund 500 Milliampere gemessen. Der Raspberry Pi 3 benötigt unter Volllast 580 mA, betreibt damit aber vier Kerne statt nur einen. Im Idle-Betrieb bei aktivem WLAN zieht der Chip immer noch 300 bis 350 mA und liegt auch damit nicht weit vom RasPi 3 entfernt. Zum Vergleich: Der funklose Raspberry Pi Zero mit seiner 1-Kern-CPU begnügt sich mit 90 bis 230 mA.

Ohne intensive CPU-Nutzung nahmen wir auch einen Laufzeittest mit einem 1000-mAh-Akku vor (Abbildung 5). Mit dem verwendeten LiPo-Akku hielt der Chip ziemlich genau zwei Stunden durch. Dabei gilt es zu beachten, dass der Next-Thing-SBC bei Untätigkeit auf 432 MHz heruntertaktet. Ärgerlicherweise scheint der Chip keine Informationen zum Ladezustand des Akkus bereitzustellen.

Abbildung 5: Der Chip lässt sich für den mobilen Einsatz ohne Weiteres auch mit einem Akku betreiben, der im stationären Einsatz als USV dienen kann.

Abbildung 5: Der Chip lässt sich für den mobilen Einsatz ohne Weiteres auch mit einem Akku betreiben, der im stationären Einsatz als USV dienen kann.

Wir hatten den Chip inklusive einer Kunststoffabdeckung für die Unterseite der Platine im Testeinsatz. Das sieht zwar gut aus und sorgt für ein besseres Gefühl beim Umgang im rauen Bastelalltag, allerdings heizt sich damit das SoC schon beim Nichtstun auf bis zu 40 Grad auf.

Preis und Verfügbarkeit

Sie erhalten den Chip für 9 US-Dollar über den Webshop des Herstellers [12]. Die Versandkosten nach Deutschland betragen 6,22 US-Dollar.

Beim Zubehör wird es vergleichsweise teuer: Der HDMI-Aufsatz kostet 15 US-Dollar, der VGA-Aufsatz kommt mit 10 US-Dollar etwas günstiger. Das durchaus hochwertige Adapterkabel von Klinke auf Cinch kostet 5 US-Dollar, die Kunststoffabdeckung der Platine ist mit 2 US-Dollar das preiswerteste Teil. Der Gesamtpreis für unsere Testgeräteausstattung lag damit bei 31 US-Dollar (Abbildung 6).

Abbildung 6: Mit 9 US-Dollar ist es nicht getan: Mit dem hier gezeigten Zubehör stieg der Preis für unser Testpaket auf 31 US-Dollar.

Abbildung 6: Mit 9 US-Dollar ist es nicht getan: Mit dem hier gezeigten Zubehör stieg der Preis für unser Testpaket auf 31 US-Dollar.

Das Adapterkabel gibt es im einschlägigen Versandhandel zwar auch günstiger, dann allerdings meist mit dünnerer Isolation. Zudem benötigen Sie ein vierpoliges Adapterkabel, die meisten sind lediglich dreipolig.

Eigentlich nicht um Zubehör, sondern um ein Komplettset handelt es sich beim Pocket Chip für 69 US-Dollar. Es besteht aus einem Chip mit einer Aufsatzplatine, die ein Display (480 x 272 Pixel) und eine Tastatur umfasst. Beide stecken in einem Gehäuse inklusive 3-Ah-Akku.

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