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Aus Raspberry Pi Geek 05/2016

Exotische Dateimanager unter Linux

© Alexandr Shirokov, 123RF

Alles in Ordnung

Erik Bärwaldt

Die Arbeit mit Dateien und Ordnern gehört zu den Alltagsaufgaben am Computer. Wir stellen vier weniger bekannte Dateimanager vor, die den Umgang mit den Inhalten des Massenspeichers deutlich vereinfachen.

Unter Linux bringt fast jede Desktop-Oberfläche ihren eigenen Dateimanager mit. Doch nicht nur die Platzhirsche Dolphin, Nautilus, Thunar, PcmanFM und Nemo machen die Inhalte des Massenspeichers in übersichtlicher Form zugänglich: Auch abseits des Mainstreams gibt es unter Linux viele kleinere und meist weniger bekannte Dateiverwaltungswerkzeuge, die häufig spezielle Zielgruppen ansprechen und daher Sonderfunktionen aufweisen, die den Boliden fehlt.

XFE: Für Oldies

Speziell für betagtere Rechner, deren Leistung für aktuelle Desktops nicht mehr ausreicht, aber auch für den Raspberry Pi eignet sich der X File Explorer oder kurz XFE vorzüglich. Dieser Oldie wird seit 2002 kontinuierlich weiterentwickelt. Anders als viele andere schlanke Dateimanager bringt XFE eine ansprechende grafische Oberfläche mit. Die meisten gängigen Distributionen stellen die Software in ihren Repositories zur Installation bereit, von wo aus Sie diese bequem über Synaptic, Apper oder YaST auf dem System einrichten.

Sollten Sie eine Distribution nutzen, in deren Repositories noch nicht die aktuelle Version 1.41 bereitsteht, so erhalten Sie den Quellcode zum Selbstkompilieren (ebenso wie vorbereitete Pakete für einige Distributionen) auch auf der Projektseite [1]. Da XFE auf dem FOX-Toolkit basiert, arbeitet er bei geringem Ressourcenbedarf sehr schnell, weist keine weiteren Abhängigkeiten auf und bleibt damit zu allen gängigen Oberflächen kompatibel.

Optisch erinnert XFE stark an ältere Dateimanager unter Microsoft-Betriebssystemen, ohne sich freilich funktionell an deren eingeschränkten Möglichkeiten zu orientieren: Links finden Sie in einer Baumansicht die Ordnerhierarchie des Massenspeichers, rechts im größeren Bereich die Dateien der einzelnen aktiven Ordnerebenen. Über den Anzeigebereichen befindet sich horizontal eine Adress-, eine Schalter- sowie eine Menüleiste (Abbildung 1).

Abbildung 1: Mit dem links eingeblendeten Verzeichnisbaum orientiert sich XFE an der klassischen Fensteraufteilung älterer Dateimanager unter Windows.

Abbildung 1: Mit dem links eingeblendeten Verzeichnisbaum orientiert sich XFE an der klassischen Fensteraufteilung älterer Dateimanager unter Windows.

Zunächst empfiehlt es sich, die Software im Menü Bearbeiten | Einstellungen an die eigenen Wünsche anzupassen. Hier werfen Sie am besten einen Blick in die Liste der externen Programme zum Betrachten und Ändern von Dateien. Hier finden sich teils Applikationen, die nicht jede Distribution von Haus aus an Bord hat.

Als eigene Viewer bringt XFE mit XFW und XFI zwei Anzeigeprogramme für Texte und Bilddateien mit, wobei XFW auch das Editieren erlaubt. Hinzu kommt der Archivmanager XFP, der die Inhalte gepackter Dateien anzeigt. Für alle anderen Aufgaben greift XFE auf Standardprogramme aus dem Linux-Fundus zurück (Abbildung 2).

Abbildung 2: Im Optionsmenü legen Sie fest, welche Software welche Dateitypen öffnet.

Abbildung 2: Im Optionsmenü legen Sie fest, welche Software welche Dateitypen öffnet.

Der Dateimanager erlaubt es auch, die Bedienoberfläche anzupassen und Anzeigeoptionen festzulegen. Setzen Sie beispielsweise im Menü Bedienfeld ein Häkchen vor dem Eintrag Versteckte Dateien, zeigt er die normalerweise unsichtbaren Dateien und Verzeichnisse an. Erscheint Ihnen die Oberfläche zu überladen, dann schalten Sie einzelne Elemente durch Entfernen des Hakens vor der jeweiligen Option im Menü Betrachten ab.

Alle Modifikationen übernimmt die Software in Echtzeit, umständliche Neuaufrufe fallen damit weg. Auf dieselbe Weise ändern Sie auch die Listenansichten, was beispielsweise einen Zwei-Fenster-Betrieb wie mit dem Midnight Commander ermöglicht. Je nach gewählter Ansicht modifiziert das Programm automatisch die Menüzeile und passt damit stets alle Funktionen kontextsensitiv an.

Tastaturgesteuert

XFE beherrscht zudem Drag & Drop, sowohl innerhalb des Dateimanagers als auch mit der jeweiligen Arbeitsumgebung. So fügt sich der schlanke Dateimanager funktionell gut in die unterschiedlichen Oberflächen ein.

Insbesondere geübte Anwender bevorzugen bei der Arbeit mit Dateien und Ordnern den zeitsparenden Einsatz von Tastenkombinationen. Auch XFE lässt sich mit Tastenkürzeln bedienen, die Sie optional an Ihre Wünsche anpassen. Dazu steht im Menü Bearbeiten | Einstellung | Tastenbelegung ein Dialog mit zahlreichen vordefinierten Shortcuts bereit. Indem Sie auf die Schaltfläche Tastenbelegung ändern… klicken, öffnen Sie die Liste vordefinierter Kürzel und modifizieren diese anschließend bequem. Dabei berücksichtigt XFE auch die Hilfsprogramme in eigenen Reitern (Abbildung 3).

Abbildung 3: Zahlreiche Shortcuts erlauben es, XFE fast komplett über die Tastatur zu steuern.

Abbildung 3: Zahlreiche Shortcuts erlauben es, XFE fast komplett über die Tastatur zu steuern.

Archive

XFE liest und entpackt darüber hinaus auch Archive, wobei er auf eine externe Software zurückgreift. Als voreingestelltes Archivierungswerkzeug dient Xarchiver, das jedoch bei voluminösen Desktop-Oberflächen wie KDE in der Regel fehlt – dort verrichten desktopspezifische Tools ihren Dienst.

Daher fragt die entsprechende XFE-Routine in einem kleinen Fenster nach dem zu nutzenden Werkzeug, sobald Sie auf ein Archiv klicken. Sie können anschließend in der entsprechenden Eingabezeile den Startbefehl des gewünschten Packprogramms eingeben. Damit legen Sie das entsprechende Tool für die Zukunft als aufzurufendes Werkzeug für die Arbeit mit Archiven des fraglichen Formats fest. Zusätzlich können Sie diese Software auch im Einstellungsmenü als generell zu nutzendes Archivierungstool eintragen.

Sunflower: Der Klon

Ähnlich wie XFE eignet sich Sunflower aufgrund seines schlanken Designs auch bestens für ältere Hardware, ohne dabei altbacken zu wirken. Die grafische Oberfläche orientiert sich funktionell und vom Fensteraufbau her jedoch am altbekannten Norton Commander aus DOS-Zeiten. Sie erhalten die aktuelle Version 0.3 der Software auf der Projektseite [2], Leser der DVD-Ausgabe finden Sunflower darüber hinaus auf den Heft-Medien.

Lediglich Fedora und OpenMandriva führen Sunflower bereits in den Repositories. Da das Sunflower-Projekt für außergewöhnlich viele Linux-Distributionen jeweils die neueste Variante des Dateimanagers in Form von Binärpaketen vorhält, empfiehlt sich die Installation von der Projektseite.

Nach einem rasanten Start erscheint eine noch nicht komplett deutsche lokalisierte Zwei-Fenster-Oberfläche, ergänzt um eine Menüleiste am oberen und eine Eingabezeile am unteren Bildschirmrand. Eine Schalterleiste wie in XFE gibt es nicht, auch die vom Norton oder Midnight Commander her bekannte Anzeige vordefinierter Funktionstasten fehlt.

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