Aus Raspberry Pi Geek 05/2016

Exotische Dateimanager unter Linux (Seite 3)

Das seit 2007 entwickelte Programm findet sich in den Repositories aller gängigen Distributionen, so auch bei Raspbian. Bevorzugen Sie jedoch die aktuellste Version, so erhalten Sie diese in Binärform für verschiedene Distributionen auf der Projekt-Website. Hier stehen auch portable Binaries für Distributionen, die weder RPM noch DEB unterstützen.

Da die Installationsroutine in einigen Fällen keine Starter in den Menüs anlegt, rufen Sie nach der Installation die Software am besten über den Befehl ./doublecmd im Terminal auf. Verwenden Sie die portable Version, aktivieren Sie das Programm via ./doublecmd.sh. Der sehr zügig arbeitende Dateimanager startet, wie die meisten Programme zur Dateiverwaltung, mit einem Zwei-Panel-Fenster, das jedoch durch eine sehr hohe Zahl von Bedienelementen aus dem Rahmen fällt (Abbildung 7).

Abbildung 7: Der aus Russland stammende Double Commander bietet eine sehr umfangreiche Bedienoberfläche.

Abbildung 7: Der aus Russland stammende Double Commander bietet eine sehr umfangreiche Bedienoberfläche.

So finden sich neben der obligatorischen Menüleiste auch eine Schalterleiste für die Schnellwahl wichtiger Funktionen sowie eine Leiste zur Anzeige der im System befindlichen Laufwerke. So wechseln Sie per Mausklick von einem Laufwerk zum nächsten. Da der Double Commander auch mit per SMB/CIFS und FTP eingebundenen Netzlaufwerken zurechtkommt, erscheinen diese ebenfalls in der Ansicht. In einer weiteren Zeile oberhalb der Listenansicht erscheint das jeweils aktive Laufwerk.

Am rechten Rand des Panels finden Sie einige Schalter zum schnellen Wechsel der Ansicht. Am unteren Rand des Programmfensters gibt es eine Leiste mit den Belegungen der wichtigsten Funktionstasten, die Sie per Mausklick oder per Tastaturbefehl aufrufen.

Über das Menü Zeigen | Baumansicht-Panel schalten Sie eine Baumansicht hinzu, die der Double Commander links im Programmfenster bei gleichzeitiger symmetrischer Verkleinerung der beiden Haupt-Panels einblendet. Damit beschleunigen Sie die Navigation in umfangreichen Ordnerhierarchien deutlich.

Das Programm zeigt zudem in der Listenansicht der Massenspeicherinhalte durch verschiedene Farbgebungen die Rechtezuordnung jeder Datei an, sodass die beiden Panels zuweilen sehr farbenfroh erscheinen. Selbstverständlich unterstützt auch der Double Commander Reiter sowie ein per Rechtsklick aufrufbares Kontextmenü zu jeder Datei mit den wichtigsten Bearbeitungsfunktionen.

Viewer und Player

Für die Anzeige von Dateiinhalten nutzt die Software Drittprogramme, wie unter KDE beispielsweise Kate, Gwenview und Okular. Daneben verfügt der Double Commander auch über eigene Viewer und Editoren, die Sie mithilfe der Funktionstasten aktivieren: [F4] startet einen sehr einfach gehaltenen, integrierten Texteditor, [F3] einen Viewer, der auch Hex- und Binärdateien anzeigt.

Darüber hinaus kennt der Double Commander diverse Archivformate, darunter ZIP, TAR, GZ, LZMA, RAR-Archive sowie DEB und RPM. Sogar das Synchronisieren von Verzeichnissen bietet die Software an, sodass Sie für einfachere Aufgaben kein externes Programm zum Datenabgleich mehr benötigen. Eine Batch-Option rundet den Funktionsumfang ab und ermöglicht ein schnelles Umbenennen mehrerer Dateien in einem Durchgang. Zur schnellen Navigation in umfangreichen Datenbeständen erlaubt die Software das Anlegen von Lesezeichen, die ein schnelles Auffinden der gesuchten Inhalte ermöglichen.

Konfiguration

Aufgrund der vielfältigen Funktionen des Double Commander empfiehlt sich auf jeden Fall eine sorgfältige Konfiguration der Software. Sie erreichen das noch nicht vollständig deutsche lokalisierte Konfigurationsfenster über das Menü Konfigurieren | Options….

Hier finden Sie im linken Bereich einen in Gruppen unterteilten Konfigurationsbaum, während im rechten Fenstersegment kontextsensitiv die dazugehörigen Einstelloptionen erscheinen. Darin geben Sie unter anderem Anzeigefunktionen und Drittprogramme vor, definieren oder modifizieren Tastenkürzel, ändern das Erscheinungsbild der Software oder fügen der Buttonleiste neue Funktionsknöpfe hin (Abbildung 8).

Abbildung 8: An Einstelloptionen mangelt es dem Double Commander nicht gerade.

Abbildung 8: An Einstelloptionen mangelt es dem Double Commander nicht gerade.

Unter Windows hat sich der proprietäre, kostenpflichtige Total Commander als Allround-Dateiverwalter eine große Fangemeinde erworben. Dessen zahlreiche Erweiterungen eignen sich in einigen Formaten auch für den Double Commander und stehen auf der entsprechenden Plugin-Seite zum Download bereit [6]. Sie bereiten den Dateimanager auch auf Aufgaben jenseits des reinen Dateiverwaltung vor.

Fazit

Wohl kaum ein anderes Betriebssystem wartet mit derart vielen Programmen zum Dateimanagement auf wie Linux – entsprechend schwer fällt die Wahl. Ressourcenschonende Exemplare wie XFE und Sunflower eignen sich unabhängig von der verwendeten Desktop-Umgebung sehr gut für den Einsatz auf älterer Hardware. An Vifm dagegen dürften wohl nur Anwender Gefallen finden, die bereits den Texteditor Vi(m) kennen – wer auf Maussteuerung und grafische Oberfläche nicht verzichten möchte, sollte sich anderweitig umsehen. Wünschen Sie sich allerdings ein Multitalent, das auch Synchronisationsaufgaben beherrscht und Netzlaufwerke einbindet, dann greifen Sie am besten zum Double Commander. 

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