Aus Raspberry Pi Geek 03/2016

Der Raspberry Pi feiert vierten Geburtstag (Seite 3)

Wie die älteren Modelle gibt sich der Raspberry Pi 3 abwärtskompatibel, sodass ursprünglich für den RasPi 1 oder 2 entwickelte Projekte auch mit dem neuen Boliden problemlos kooperieren. Durch die Fähigkeit, 64-Bit-Betriebssysteme auszuführen, dürfte jedoch für den Raspberry Pi 3 mittelfristig noch mehr alternative Systemsoftware erscheinen als für seine Vorgänger.

Zusätzlich entstand rund um die eigentliche Computerfamilie ein regelrechtes Raspberry-Biotop, das zahlreiches Zubehör verschiedenster Art entwickelt und vertreibt. Die Palette reicht dabei von Gehäusen (der Raspberry Pi wird als nackte Platine verkauft) über Peripheriegeräte wie WLAN-Sticks bis hin zu Netzteilen, die die Energieversorgung des Rechners sicherstellen. Dabei versteht es die Handelsgesellschaft geschickt, auch durch Lizenzvergabe Dritthersteller einzubinden (Abbildung 5).

Abbildung 5: Für die einzelnen Baureihen des RasPi bieten die Distributoren RS Components und Farnell neben anderen Lizenznehmern auch zahlreiches Zubehör an.

Abbildung 5: Für die einzelnen Baureihen des RasPi bieten die Distributoren RS Components und Farnell neben anderen Lizenznehmern auch zahlreiches Zubehör an.

Die Käufer

Sein Ziel, mit dem Raspberry Pi an Großbritanniens allgemeinbildenden Schulen wieder Interesse an der Informatik zu wecken und den Entdeckergeist bei den Schülern zu fördern, hat Eben Upton zweifellos erreicht: Rund ein Drittel der Produktion des Kleinrechners geht an Kunden im eigenen Land.

Doch der Raspberry Pi fand in rasendem Tempo auch im Rest der Welt eine große Fangemeinde. In Afrika kommt dem Kleincomputer zugute, dass er sich über seinen HDMI-Anschluss mit einem Fernseher nutzen lässt: Diese gibt es anders als Computermonitore auch im letzten Dorf noch. Aber auch andere unerwartete Zielgruppen spricht der Winzling aus Wales an.

So bildete sich eine ähnlich aktive Szene von internationalen Enthusiasten, Geeks und Makern, wie sie das freie Betriebssystem Linux entfachte. Die Community der Hacker, Maker und Nerds zeigt dabei quasi täglich, wie vielseitig und flexibel man den Raspberry Pi nutzen kann. Dabei reicht das Spektrum vom Mediacenter über Drohnen- und 3D-Drucker-Steuerung bis hin zum WLAN-Grillthermometer für die sommerliche Barbecue-Party.

Selbst die Industrie kommt zunehmend auf den Geschmack: Der Raspberry Pi dient in seinen verschiedenen Varianten immer öfter als Steuercomputer in Industrieanlagen und spielt auch für das Internet of Things eine wichtige Rolle. Einen weiteren Schub vor allem bei rechenintensiven Aufgabenstellungen dürfte der neue RasPi 3 auslösen, der mit seiner leistungsfähigen CPU nun Aufgabenfelder erschließt, die den bisherigen Modellen mangels Rechenleistung verschlossen blieben.

Die Szene

Ähnlich wie die Linux User Groups, deren Ziel es ist, sich über das freie Betriebssystem auszutauschen und Linux als alternatives System bekanntzumachen, haben sich rund um den Raspberry Pi sogenannte Jams entwickelt. Auch hier treffen sich Gleichgesinnte zum gegenseitigen Austausch, zur Pflege von Kontakten und um Newcomer zu begeistern.

Die Raspberry Jams finden derzeit primär in Großbritannien und den USA statt, aber auch in Südamerika, der Ukraine und Deutschland (siehe Kasten “Pi and More”) gibt es mittlerweile entsprechende Gruppen. Dabei reicht das Spektrum von spontan organisierten Jams bis hin zu regelmäßigen Veranstaltungen, die auch Vortragsreihen und Workshops beinhalten, Projektvorstellungen mit dem RasPi bieten und außerdem als Marktplatz dienen. Die Teilnehmerzahlen liegen bei wenigen Personen bis hin zu mehreren Hundert RasPi-Interessierten, wie es in Cambridge selbst der Fall ist (Abbildung 6).

Abbildung 6: Die Raspberry Jams sind – wie hier in Cambridge – gut besucht.

Abbildung 6: Die Raspberry Jams sind – wie hier in Cambridge – gut besucht.

Pi and More

Auch in Deutschland hat sich mittlerweile unter dem Titel “Pi and More” ein äußerst erfolgreicher Raspberry Pi Jam etabliert, der diesen Sommer bereits zum neunten Mal stattfindet. Entstanden an der Uni Trier, gastiert jede zweite Pi and More an einer anderen Hochschule der Region – in Trier, Luxemburg oder Saarbrücken. Zur Pi and More 9 treffen sich am 11. Juni 2016, diesmal wieder an der Uni Trier, Einsteiger und Experten in lockerer Atmosphäre zu Vorträgen, Workshops und Projekten rund um den Raspberry Pi, den Arduino und andere SBCs und Mikrocontroller. “Roboter, Heimautomation und Spiele sind Dauerbrenner bei unserem Publikum”, umreißt Daniel Fett, einer der Organisatoren des Jams, das Spektrum. “Für die Roboter bauen wir sogar ein eigenes Gehege auf.” Im breiten Angebot der Veranstaltung finden aber auch andere Themen Platz, wie etwa Kunstprojekte, industrielle Anwendungen oder der Einsatz des Raspberry Pi in der Schule. (jlu)

Ausblick

Der Siegeszug des Raspberry Pi hat zweifellos gerade erst begonnen. Insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern bietet sich dem Winzling aus Großbritannien die Chance, einen signifikanten Beitrag zur Ausbildung von Informatikern zu leisten. Das setzt allerdings voraus, dass die teils sehr hohen lokalen Einfuhrzölle sinken und der Kleincomputer damit leichter einen Weg in weniger zahlungskräftige Haushalte findet. Eines seiner Ziele hat Eben Upton allerdings bereits erreicht: Im Vereinigten Königreich steigen nicht nur die Studierendenzahlen im Fachbereich Informatik wieder an, auch der Wissensstand der Bewerber nimmt merklich zu.

Im Bereich industrieller und kommerzieller Anwendungen steht der Raspberry Pi quasi gerade erst in den Startlöchern. Die Entwicklung eines von Eben Upton angekündigten neuen Compute Module 3 mit stärkerem Prozessor eröffnet dem Einplatinenrechner Einsatzmöglichkeiten, die bisher leistungsfähigeren Konkurrenten vorbehalten blieben. Die in den nächsten Jahren zu erwartende stürmische Entwicklung des Internet of Things mit dem damit einhergehenden hohen Bedarf an eingebetteten Computern dürfte dem Raspberry Pi zusätzlich eine rege Nachfrage bescheren. Dem trägt das neue Modell bereits durch die Integration von WLAN- und Bluetooth-Schnittstellen Rechnung.

Zusätzlich steht bei der Foundation auch noch ein Raspberry Pi 3 Model A in der Warteschlange, das – ausgehend von der derzeitigen Nomenklatur – wohl eine abgespeckte Variante des Mini-Rechners für das IoT darstellt. Wir dürfen also davon ausgehen, dass die Raspberry Pi Foundation nach ihrer Party vom 5. und 6. März zur Feier des vierten RasPi-Geburtstags (Abbildung 7) noch viele weitere Festivitäten begehen wird und wir dem Kleincomputer in einigen Jahren auch noch zum zehnten Geburtstag gratulieren können. 

Abbildung 7: Auf dem Raspberry Pi-Geburtstag am 5. und 6. März in Cambridge präsentierten viele Aussteller Erweiterungen und Projekte mit und für den RasPi.

Abbildung 7: Auf dem Raspberry Pi-Geburtstag am 5. und 6. März in Cambridge präsentierten viele Aussteller Erweiterungen und Projekte mit und für den RasPi.

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