Organisationsstruktur
Aufgrund des überwältigenden Erfolgs lagerte die Foundation 2013 die Entwicklung und den Vertrieb der Mini-Computer in eine eigene kommerzielle Firma aus, die Raspberry Pi (Trading) Ltd. Zwischen Stiftung und Handelsgesellschaft bestehen enge Verbindungen; die Foundation konzentriert sich nun aber primär auf die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen am Computer. Dazu bietet sie Workshops sowie Unterrichts- und Lehrmaterialien für Lehrkräfte an. Zudem betreut die Stiftung seit 2015 das bereits 2012 von Enthusiasten gegründete englischsprachige MagPi-Magazine.
2014 startete die Foundation zusätzlich einen mit einer Million Pfund (rund 1,3 Millionen Euro) ausgestatteten Fonds, der Projekte fördert, die Kindern und Jugendlichen zwischen 5 und 18 Jahren IT-Kenntnisse vermitteln wollen [4]. Seit April 2013 arbeitet der ehemalige ARM-Mitarbeiter Lance Howarth als Geschäftsführer für die Stiftung, während Projektgründer Eben Upton seither als Geschäftsführer der Raspberry Pi (Trading) Ltd. auftritt [5].
Die Repräsentation der Raspberry Pi Foundation übernimmt ein Kuratorium, dem gegenwärtig neben den Mitgründern David Braben, Jack Lang, Pete Lomas und Alan Mycroft noch der Jurist Louis Glass und der Unternehmer David Cleevely als Vorsitzender angehören [6]. Das University of Cambridge Computer Laboratory und der Chiphersteller Broadcom fördern die Foundation. Daneben wandern auch die Gewinne der Handelsgesellschaft zurück zur Foundation, die sie für soziale Zwecke verwendet.
Familienzuwachs
Bekanntlich blieb es nicht lange beim originalen Raspberry Pi. Im Laufe der vergangenen vier Jahre entfachte der Hersteller ein Feuerwerk an neuen Modellen, das in der Branche seinesgleichen sucht. Nach dem ab Februar 2012 ausgelieferten Raspberry Pi 1 Model B kam ein knappes Jahr später der abgespeckte Raspberry Pi 1 Model A auf den Markt. Er nutzte zwar dieselbe CPU und GPU wie das B-Modell, bot jedoch nur 256 MByte statt 512 MByte Arbeitsspeicher sowie nur einen USB-Anschluss anstelle von zweien. Zudem fehlte dem Model A der LAN-Anschluss. Dafür kostete das abgespeckte Modell lediglich 25 US-Dollar statt 35 US-Dollar beim Model B.
Bereits ein gutes halbes Jahr später, im April 2014, kam das Compute Module des Raspberry Pi auf den Markt (Abbildung 1). Dabei handelt es sich um eine spezielle Abwandlung des Model B/B+, das einen eMMC-Speicher von 4 GByte Kapazität aufweist und in der Bauform eines DDR2-SODIMM-Speichermoduls daherkommt. Zudem fehlen sämtliche Anschlüsse für Peripheriegeräte.

Abbildung 1: Das Compute Module (links) fällt deutlich kleiner aus als der erste Raspberry Pi (rechts).
Mit diesem Produkt richten sich die RasPi-Macher an den Markt für industrielle Anwendungen: Durch den standardisierten SODIMM-Anschluss lässt sich das Modul leicht in industrielle Systeme integrieren, die ein Interface-Board mit entsprechendem Einschub bereitstellen [7]. Das Modul kostet in 100er-Chargen je 30 US-Dollar pro Stück. Passend dazu gibt es im Rahmen eines Entwicklerkits ein I/O-Board, das das Compute Module aufnimmt und die nötigen Anschlüsse aufweist. Zusätzlich stellt das Interface-Board die Energieversorgung sicher.
Im Juli 2014, nur drei Monate später, brachte die Raspberry Pi Foundation das Model B+ auf den Markt, das sich vom Vorgänger äußerlich durch vier USB-Buchsen und einen Micro-SDHC-Kartenslot für den Massenspeicher anstelle des bislang genutzten SDHC-Einschubs [8] unterschied (Abbildung 2). Zusätzlich waren nun 40 GPIO-Pins vorhanden. Das Model B+ kostete wie der Vorgänger zunächst 35 US-Dollar, wobei das ältere Modell weiterhin auf dem Markt blieb.

Abbildung 2: Das Model B+ der ersten Generation erinnert mit seinen vier USB-Ports schon stark an die aktuellen RasPis.
Nur wenig später, im November 2014, präsentierte die Foundation mit dem Raspberry Pi 1 Model A+ ein weiteres Modell. Dieser Kleincomputer unterschied sich von seinem Vorgänger Model A ebenfalls durch die Einführung des Micro-SDHC-Kartenslots sowie durch eine auf 40 Kontakte erweiterte GPIO-Leiste. Zusätzlich sorgten kleinere Komponenten für einen geringeren Energieverbrauch, parallel sank der Preis von 25 US-Dollar beim Model A auf nur noch 20 US-Dollar beim Model A+ [9].
Am 2. Februar 2015 kündigte Eben Upton dann auf seinem Blog die Verfügbarkeit des Raspberry Pi 2 Model B an [10]. Das neue System, das wie das Model B+ aus der RasPi-1-Serie für 35 US-Dollar Listenpreis angeboten wurde, bedeutete einen echten Fortschritt: Ein mit 900 MHz getakteter BCM2836-SoC ersetzte nun den bereits etwas in die Jahre gekommenen BCM2835-Chipsatz, der bis dahin in allen RasPis verbaut war und dort mit einer Taktfrequenz von 700 MHz arbeitete.
Zudem verfügt der BCM2836 über vier anstatt nur einen einzigen Rechenkern. Darüber hinaus spendierten die Entwickler dem Newcomer 1 GByte Arbeitsspeicher. GPU, Audio-Hardware und den Micro-SDHC-Kartenslot übernahmen sie dagegen unverändert vom Vorgänger, auch die Außenmaße änderten sich nicht. Allerdings erhöhte sich die Leistungsaufnahme von 3 auf 4 Watt.
Aufgrund des Vierkern-Prozessors und des vergrößerten Arbeitsspeichers sowie der zugrundeliegenden ARM-Cortex-A7-Architektur stieß der neue Raspberry-Rechner in Leistungsdimensionen vor, die sogar typische Linux-Desktop-Distributionen geschmeidig ablaufen lassen. In der Folge portierten immer mehr Projekte ihre Systeme auf die ARM-Cortex-Architektur, sodass inzwischen eine stattliche Anzahl von Betriebssystemalternativen zur Verfügung steht. Mitte Mai 2015 sank zudem der Listenpreis des weiterhin produzierten RasPi 1 Model B+ um 10 auf nunmehr 25 US-Dollar.
Am 26. November 2015 kündigte Eben Upton die sofortige Verfügbarkeit des Raspberry Pi Zero an [11]. Der neue RasPi fiel komplett aus dem Rahmen: Bei geschrumpften Abmessungen (Abbildung 3) wurde er wieder von einem BCM2835-SoC befeuert, stand aber für den sensationell niedrigen Preis von 5 US-Dollar in der Verkaufsliste. Im Vergleich zu den ausgewachsenen RasPis gab es Abstriche bei den Anschlüssen: Die Kontakte für das speziell für den RasPi entworfene Kameramodul, die LAN-Buchse und auch der Klinkenstecker für Audiogeräte fielen weg. Außerdem verfügt die Platine anstelle der vier herkömmlichen USB-2.0-Buchsen nur noch über einen einzelnen Micro-USB-Anschluss. Änderungen beim Arbeitsspeicher und der GPU gab es hingegen nicht. Die CPU läuft mit 1 GHz sogar ein wenig schneller als beim Raspberry Pi 1 Model B+.

Abbildung 3: Auch hier steckt ein kompletter Computer drin: der Raspberry Pi Zero. Das abgespeckte Modul richtet sich eher an industrielle Anwender.
Eben Upton erklärte die Motivation für die Entwicklung dieses extrem preiswerten Einplatinenrechners damit, dass er auch jenen Anwendern, für die die bisher angebotenen Systeme noch zu teuer waren, die Möglichkeit geben wollte, am eigenen Computer Programmierkenntnisse zu erwerben. Diese Zielgruppe scheint größer zu sein als gedacht: Der Raspberry Pi Zero ist auch Monate nach seinem Erscheinen nur äußerst schlecht lieferbar und war bereits kurz nach seiner Ankündigung vergriffen (siehe auch Kasten “Rants and raves: zero Zero”).
Rants and raves: zero Zero
Haben Sie schon einen Pi Zero ergattert? Falls ja, stammt der vermutlich direkt aus Großbritannien. Tatsächlich gelang es bislang weder der Redaktion noch einem unserer Autoren, in Deutschland einen der “5-Dollar-RasPis” zu erwerben. Viele Händler und auch der Mega-Distributor Farnell element 14 haben den Pi Zero bereits wieder aus ihrem Lieferprogramm gestrichen.
Selbst im Mutterland des RasPi ist der kleine Rechner nur schwer zu bekommen, in der Regel nur tageweise nach Vorankündigung, jeder bitte nur ein Stück! Daneben hat sich um den Pi Zero ein regelrechter Schwarzmarkt gebildet, wo schwarze Schafe die Boards zu Fantasiepreisen bis 36 Pfund Sterling – rund 46 Euro – anbieten.
Die Lieferknappheit liegt ganz offenbar darin begründet, dass der Pi Zero im Direktauftrag der Raspberry Pi Foundation in kleineren Batches gefertigt wird, nicht wie seine großen Brüder in hohen Stückzahlen von erfahrenen Firmen wie RS Components und Farnell. Dem Vernehmen nach haben Letztere eine Produktion des Pi Zero abgelehnt, weil die Margen beim angepeilten Verkaufspreis zu gering ausfallen. Brancheninsider munkeln, die Foundation habe mit dem Release des Pi Zero wohl nur den Presserummel um andere günstige SC wie den “9-Dollar-Computer” CHIP kontern wollen und verdiene letztlich an dem Gerät nichts, möglicherweise setze sie sogar mit jedem Exemplar Geld zu.
Ganz so schlimm kann es nicht sein, denn Mitte Februar ließ RasPi-Vater Eben Upton wissen, er habe gerade zwei Chargen mit insgesamt 150 000 Pi Zeros in Produktion gegeben und versuche, ein stabiles Produktionsniveau von 50 000 Boards monatlich einzusteuern. Allerdings steht derzeit eher der Raspberry Pi 3 ganz oben auf der Prioritätenliste, sodass fürs Erste auch weiterhin der Pi Zero nur schwer zu bekommen sein dürfte. (jlu)
Als neuestes Flaggschiff hat die Raspberry Pi Foundation am 29. Februar 2016 den Raspberry Pi 3 Model B auf den Markt gebracht [12]. Er weist in den Abmessungen und Anschlüssen keine Veränderung zum Vorgänger auf, auch der Listenpreis bleibt bei 35 US-Dollar. Das neue Modell kommt jedoch mit einem BCM2837-Chipsatz, der einen Vierkern-Prozessor der ARMv8-Architektur beinhaltet (Abbildung 4).

Abbildung 4: Gleichen sich äußerlich wie eineiige Zwillinge: der RasPi 2 (oben) und der brandneue Raspberry Pi 3 (unten).
Damit kann der Raspberry Pi 3 als erster Kleincomputer aus der Familie mit dem Himbeer-Logo auch mit 64-Bit-Betriebssystemen arbeiten. Zudem stieg die Taktfrequenz der CPU auf 1,2 GHz. Neben einem zeitgemäßen WLAN nach 802.11b/g/n-Standard bietet der Rechner ab Werk auch Bluetooth 4.1 und Bluetooth Low Energy. Trotz der neuen Schnittstellen und der erhöhten Taktrate von CPU und GPU stieg die Leistungsaufnahme des Computers im Vergleich zum direkten Vorgänger nicht.





