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Aus Raspberry Pi Geek 01/2016

Raspberry Pi als Synchronisierungszentrale einsetzen (Seite 2)

Die Option Suchintervall sollten Sie auf dem RasPi sehr konservativ handhaben, um den kleinen Rechner nicht zu überfordern. Für den Fall eines Falls bietet das Interface ersatzweise die Option Alle überprüfen, um jederzeit per Mausklick alle beteiligten Verzeichnisse auf Änderungen zu checken und gegebenenfalls einen automatischen Abgleich zu starten.

Versionierung

Der Punkt Dateiversionierung (Abbildung 7) bietet verschiedene Modi an, um Sicherungskopien geänderter Daten aufzubewahren. Im einfachsten Fall schalten Sie die Funktion ab oder nutzen eine einfache Versionierung, bei der die Software eine festgelegte Anzahl von Kopien der gelöschten oder geänderten Dateien im versteckten Verzeichnis .stversions/ ablegt. Die stufenweise Versionierung dagegen orientiert sich an einem vorgegebenen Verfallsdatum für die Kopien. Bei der externen Versionierung schiebt ein externer Befehl die Versionierung an.

Abbildung 7: Die integrierte Versionierungsroutine erlaubt das genaue Festlegen, wie oft oder wie lange sie Änderungen an Dateien vorhält.

Abbildung 7: Die integrierte Versionierungsroutine erlaubt das genaue Festlegen, wie oft oder wie lange sie Änderungen an Dateien vorhält.

Die Option Berechtigungen ignorieren benötigen Sie lediglich, wenn das hinzugefügte Verzeichnis auf einer FAT-Partition liegt. Unter Teilen mit diesen Geräten wählen Sie diejenigen Geräte aus, mit denen Sie das Verzeichnis abgleichen möchten. Unter Ignoriermuster nehmen Sie komplette Unterverzeichnisse von der Synchronisierung aus.

Systemeinbindung

Um Syncthing beim Start des jeweiligen Geräts automatisch mitzuladen, müssen Sie derzeit noch selbst Hand anlegen. Das gilt für alle Distributionen, die Systemd nutzen, also auch für Raspbian und Arch Linux. Legen Sie dazu eine Servicedatei mit dem Inhalt aus Listing 2 an und nennen Sie sie syncthing.service.

Listing 3

 

[Unit]
Description=Syncthing - Open Source Continuous File Synchronization
Documentation=http://docs.syncthing.net/
After=network.target
[Service]
Environment=STNORESTART=yes
ExecStart=/usr/bin/syncthing -no-browser -logflags=0
Restart=on-failure
SuccessExitStatus=2 3 4
RestartForceExitStatus=3 4
[Install]
WantedBy=default.target

Danach erstellen Sie das Verzeichnis ~/.config/systemd/user und verschieben die Datei dorthin. Danach geben Sie als normaler Benutzer die ersten beiden Zeilen aus Listing 4 ein. Nach einem Neustart des Rechners sollte Syncthing nun automatisch starten. Klappt das nicht, hilft das Kommando aus Zeile 3 von Listing 4 bei der Fehlersuche.

Listing 4

 

$ systemctl --user enable syncthing.service
$ systemctl --user start syncthing.service
$ systemctl -l status syncthing.service

Android-App

Die Android-App [4] gibt in der Grundeinstellung den Ordner frei, in dem die Kamera des Smartphones oder Tablets die Bilder ablegt (Abbildung 8), erlaubt aber auch das Einbinden weiterer Verzeichnisse. Die Konfiguration verläuft analog zur PC-Version. Zusätzlich legen Sie aber fest, ob die Synchronisierung nur per WLAN oder während der Verbindung via Ladekabel erfolgt. An der Energieverwaltung der App müssen die Entwickler aber noch arbeiten: Lief sie ständig, wurde das Smartphone im Test relativ warm, und auch der Stromverbrauch stieg merklich an. Daher empfiehlt es sich, in den Einstellungen den Daemon im Hintergrund laufen zu lassen und Syncthing nur bei Bedarf zu starten.

Abbildung 8: In der Grundeinstellung synchronisiert die Android-App automatisch den Foto-Ordner des Smartphones mit den eingetragenen Geräten.

Abbildung 8: In der Grundeinstellung synchronisiert die Android-App automatisch den Foto-Ordner des Smartphones mit den eingetragenen Geräten.

Kleine Eigenheiten

Die freie Software Syncthing befindet sich in ständiger Entwicklung: Im Wochenrhythmus gibt es sonntags Aktualisierungen für die verschiedenen Plattformen. Bei unserer Testreihe mit Version 0.11.21 funktionierte die Synchronisation einwandfrei.

Nach jeder Änderung steht ein Neustart des Daemons an, wobei es bis zu einer Minute dauert, bevor die Geräte sich wiederfinden – das liegt jedoch am P2P-Prinzip. Mahnt nach einer Änderung der Konfiguration die Weboberfläche wiederholt einen Neustart an, schließen Sie sie und starten die Applikation neu.

Die Datenraten bei der Synchronisation erwiesen sich auf dem RasPi 2 als nicht berauschend. Hier müssen die Entwickler nachbessern; Bittorrent Sync zeigt sich in dieser Disziplin noch klar überlegen. Ein Einsatz auf dem Raspberry Pi der ersten Generation scheint daher nicht angeraten.

Die Startanleitung, die derzeit nur auf Englisch vorliegt, hilft über die ersten Hürden beim Einrichten hinweg [5], ein Youtube-Video erklärt auf Deutsch die Installation auf Debian und seinen Derivaten [6]. Darüber hinaus stellt das Projekt eine erweiterte Dokumentation [7] und eine recht ausführliche FAQ [8] bereit sowie eine Erklärung, welche Netzwerkeinstellungen Sie in Router und Firewall vornehmen müssen [9].

Fazit

Syncthing unterstützt viele Plattformen und eignet sich sowohl zur heimischen Datensynchronisation als auch zum Datenaustausch in Arbeitsgruppen oder mit Freunden. Die recht einfache Konfiguration und die fehlerfreie Synchronisation über mehrere Geräte lässt über die kleinen Schwächen hinwegsehen, die derzeit noch bestehen. Insgesamt präsentiert sich Syncthing als empfehlenswerte und vor allem freien Software in einem Bereich, in dem vornehmlich proprietäre Programme sowie die allgegenwärtige und oft gedankenlos genutzte Cloud die Platzhirsche stellen. 

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