Daher muss die Antenne unbedingt einen Verstärker mitbringen, der auch weniger starke Signale entsprechend aufbereitet. Zudem eignen sich die üblichen DVB-T-Antennen nur bedingt, selbst wenn der Hersteller sie ausdrücklich als Outdoor-Antennen ausweist. Das sollten Sie vorher durch entsprechende Versuche testen. Am besten greifen Sie aber zu einer sogenannten Rundstrahlantenne, die in praktisch jedem Winkel zum Sender den Empfang sicherstellt. Allerdings schlägt ein ordentliches Exemplar dieser Kategorie, wie etwa die Maxview Omnimax, mit 170 Euro oder mehr zu Buche, während es normale Outdoor-Antennen im Internet ab 30 Euro gibt. Für das vorliegende Projekt fiel die Wahl am Ende auf die Strong SRT ANT 45 [5], die sich bei diversen Tests als hinreichend empfangsstark erwies.
Eine Antenne entfaltet ihr volles Potenzial jedoch erst dann, wenn Sie sie am Boot an prominenter Stelle anbringen. Für die erwähnte Omnimax gibt es ein ganzes Füllhorn diverser Halterungen für Reling oder Masten, die den Preis für das Set allerdings nochmals in die Höhe treiben. Hinzu kommt, dass von der Antenne in jedem Fall ein häufig stromführendes Kabel abgeht, das der integrierte Verstärker der Antenne benötigt. Jeder Bootsbesitzer verspürt aber einen inneren Widerstand, wenn es um Löcher im Rumpf geht. Der Autor des Artikels hat die Antenne letztlich an der Masterhalterung achterlich montiert und das Kabel durch eine Backskiste unter Deck geführt. Als Einlass für die Kabel ins Boot diente eine Kabeldurchführung, die eigentlich die beiden Bowdenzüge für die Fernsteuerung des Außenborders beheimatet. So ging es ohne ein zusätzliches Loch im Rumpf ab.
DVB-T-Empfänger
Um das eingehende DVB-T-Signal zu verarbeiten, benötigt der Raspberry Pi einen entsprechenden Receiver in Form eines DVB-T-Dongles. Was sich in der Vergangenheit wegen fehlender Treiber häufig als Geduldsspiel erwies, funktioniert heute sehr gut. Da klar war, dass der RasPi als Multimedia-Distribution OpenELEC nutzen sollte, empfahl sich ein Blick in die Liste der offiziell unterstützten DVB-T-Geräte.
Hier fiel die Wahl auf den TripleStick von PCTV [6]: Er beherrscht auch die Frequenzen für DVB-T2, schlägt nur mit gut 70 Euro zu Buche und baut obendrein sehr klein. Für den Antennenanschluss bietet er anstelle einer normalen Koax-Buchse einen MCX-Anschluss, ein entsprechender Adapter liegt bei. Da OpenELEC den Treiber für den Stick bereits mitbringt, genügt es, ihn nach dem Anschließen zu konfigurieren.
WLAN
Ein eigenes WLAN-Setup an Bord mag auf den ersten Blick überflüssig wirken, hat aber durchaus seine Berechtigung. So ermöglicht ein WLAN-Access-Point es allen WLAN-fähigen Geräten an Bord, miteinander zu kommunizieren, sodass man den Inhalt des Fernsehstreams vom Raspberry Pi auch auf dem Tablet genießen kann, statt nur auf dem Fernseher. Hinzu kommt, dass sich viele WLAN-APs mit UMTS-Sticks um Internetfunktionen erweitern lassen. Entsprechende Prepaid-Tarife bieten mehrere Gigabyte Datenvolumen pro Monat für wenig Geld. Daneben lässt sich so auch Internet für mehrere Geräte realisieren, wenn das Boot beispielsweise in ausländischen Häfen anlegt. Passende Prepaid-Tarife gibt es in der Regel auch dort, häufig sogar mit besseren Konditionen als hierzulande.
Hinzu kommt, dass ein Access Point auf dem Boot nicht schwer zu realisieren ist: Der TP-Link MR3020 [7] etwa begnügt sich mit Strom aus der USB-Buchse und lässt sich so per USB-12-Volt-Adapter problemlos betreiben. Das Gerät kostet bei Amazon rund 30 Euro, etwa ebenso viel müssen Sie für einen passenden UMTS-Stick für die Internetanbindung investieren. Der TP-Link nimmt kaum Platz weg, sodass er an Bord nicht stört. Obendrein lässt sich die auf dem Gerät vorinstallierte Firmware durch OpenWRT ersetzen, sodass in Sachen Software fast keine Wünsche offenbleiben. Genau diese Kombination bewährte sich auf dem Boot des Autors.
Kabelitis
Das sinnvolle Verkabeln der Komponenten miteinander erfordert jede Menge Kabel und Steckdosen. So war an Bord zwar ein vollständiges 12-Volt-Stromnetz verbaut, doch fehlte die passende Steckdose in der Nähe der Stelle, an die der Fernseher sollte (Abbildung 4). Hinzu kamen diverse Verlängerungskabel, etwa für den Weg von der Antenne zum DVB-Stick oder von dem eigens installierten 12-Volt-Panel hin zur TV-Halterung. Die diversen Verlegearbeiten nahmen letztlich deutlich mehr Zeit in Anspruch als die Installation der Multimedia-Hardware selbst. Der Aufwand hat sich allerdings gelohnt: Am Ende des Projekts steht ein Boot mit eigenem WLAN-Access-Point, funktionierender Außenbord-DVB-Antenne und einem Raspberry Pi, der auf dem angeschlossenen Fernseher multimediale Inhalte wiedergibt.

Abbildung 4: Vorbereitungen: Am gewünschten Aufstellort des Fernsehers galt es, mit einer 3er-Steckdose für 12-Volt-Anschlüsse die notwendige Energieversorgung herzustellen.
Bildschirmprobleme
Verglichen mit der nötigen Hardware-Bastelei gestaltete sich das Setup von OpenELEC für DVB-T relativ trivial. Das RasPi Geek Kit von Pi3g kommt ab Werk mit vorinstalliertem OpenELEC. Dabei handelte es sich zwar nicht um die aktuellste Version, sie ließ sich aber sehr leicht aktualisieren. Lizenzschlüssel für MPEG-2 und VC-1 lagen dem Bundle bei und waren nach dem Eintrag in die passende Datei in /boot sofort lauffähig.
Im Grunde verlief das erste Setup also schmerzfrei – mit einer Ausnahme: Das Thema Bildschirm-Overlay, eigentlich ein Relikt der Vergangenheit, bereitete diverse Probleme. Vor allem bei Röhrenfernsehern bezeichnet der Begriff von schwarzen Masken abgedeckte Bildbereiche. Eine Rolle spielt das Overlay besonders bei analogen Videosignalen beim Abspielen auf digitalen Anzeigegeräten: Kommt das Bild aus einer digitalen Quelle, spielt das Overlay im Grunde keine Rolle, der Fernseher sollte es nicht mehr verwenden.
Das Grundig-Gerät allerdings wandte auf das dargestellte Bild, das direkt aus dem HDMI-Port des Raspberry Pi kam, trotzdem eine Overlay-Maske an – mit unschönen Nebeneffekten: Die vom RasPi gesendete Full-HD-Auflösung wirkte auf dem Bildschirm unförmig und unscharf. Alle Versuche, das Problem auf der RasPi-Seite zu lösen, schlugen fehl. Abhilfe brachte letztlich ein Blick ins Handbuch des Grundig-Fernsehers: Hier erläutert der Hersteller, wie sich das Overlay über das Service-Menü des Geräts explizit abstellen lässt. Danach klappte die 1080p-Darstellung scharf und ohne jedes Problem. Wer ein vergleichbares Setup auf einem Boot oder für einen Wohnwagen nachbauen will, schaut sinnvollerweise gleich am Anfang in das Handbuch des Fernsehers. Der Autor dieses Artikels hätte sich damit mehrere Stunden überflüssige Bastelei erspart.
OpenELEC und DVB-T
Kurzzeitig spannend wurde es auch nach dem Anschließen des DVB-T-Sticks an den RasPi. Der Befehl dmesg förderte zumindest die Information zutage, dass OpenELEC das angesteckte Gerät erkannte und den passenden Treiber für DVB-T lud. Das ist allerdings nur die halbe Miete; die Software verarbeitet zwar die DVB-T-Signale, allerdings gestaltet sich der Weg bis dort eher steinig. Der erste Schritt besteht darin, das Unofficial-Repository für zusätzliche Software zu aktivieren. Dort versteckt OpenELEC jene Komponenten, die zwar mit dem System harmonieren sollten, für deren Funktionieren das Projekt jedoch nicht garantiert. Nach dem Anschalten des zusätzlichen Software-Verzeichnisses erreichen Sie im Konfigurationsmenü das Tvbackend und aktivieren es. Das Modul läuft im Hintergrund und zeichnet für das Dekodieren des DVB-Signals zuständig.





