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Aus Raspberry Pi Geek 04/2015

Fünf Alternativen zum Raspberry Pi (Seite 2)

Hardwareseitig gibt es die Orange in fünf Geschmacksrichtungen mit jeweils leicht unterschiedlicher Ausstattung: Pi, Pi Mini, Pi Plus (Abbildung 3), Pi 2 und Pi 2 Mini. Die zweite Generation der Boards nutzt den A20-Nachfolger H3 mit vier Kernen. Beim Orange Pi 2 entfallen gegenüber dem Plus Flash und SATA, der Netzwerkanschluss beschränkt sich auf 100-Mbit/s-Ethernet; dem Pi 2 Mini fehlt obendrein der WLAN-Chip.

Abbildung 3: Kommt uns doch bekannt vor: Der Orange Pi bedient sich unverfroren im Banana-Pi-Umfeld. (Bild: Orangepi.org)

Abbildung 3: Kommt uns doch bekannt vor: Der Orange Pi bedient sich unverfroren im Banana-Pi-Umfeld. (Bild: Orangepi.org)

Inzwischen stellt der Hersteller, ähnlich wie beim Banana Pi, zumindest angepasste Betriebssystem-Images bereit. Insgesamt wirkt das Ganze aber wie ein absolutes Schmalspurkonzept eines Herstellers, der mit minimalen Mitteln am Boom der Mini-Computer teilhaben will. Konsequenterweise haben es sich die üblichen deutschen Distributoren gespart, den Orange Pi ins Programm zu nehmen. Wer also an diesem Exot Interesse hat, muss direkt in China ordern. Preislich dürfte sich das aber nicht lohnen, den Zeitaufwand für die Zollabwicklung einmal außen vor gelassen.

Viel Zubehör: Odroid-C1

Aus Korea stammen nicht nur Smartphones, Fernseher und Kühlschränke: Die kleine Chipschmiede Hardkernel entwickelt schon seit Längerem diverse Developer-Boards mit ARM-Chips. Im Gegensatz zu vielen anderen Designs, die meist auf die günstigen Allwinner-Chips setzen, nutzt Hardkernel hier Alternativen von Samsung, Amlogic und anderen.

Schon die Webseite [10] der Firma zeigt, dass man hier – zumindest von der Hardware-Seite her – eher ganzheitlich denkt: Neben den Platinen mit der CPU gibt es auch ein breites Angebot an Zubehör. Einen detaillierten Vergleich des Odroid-C1 genannten Boards mit dem RasPi 2 konnten Sie bereits in der letzten Ausgabe lesen [11]. In Sachen Hardware stellt der Odroid-C1 (Abbildung 4) den RasPi 2 zwar in den Schatten, und auch das Dekodieren von Videos klappt mit der Amalogic Video Engine des C1 problemlos – dennoch belegen etliche einschlägige Berichte im Netz, dass es auf der Software-Seite insgesamt nicht ganz so rund läuft.

Abbildung 4: Leistungsfähige RasPi-Alternative mit lebendiger Community: der Odroid-C1 von Hardkernel.

Abbildung 4: Leistungsfähige RasPi-Alternative mit lebendiger Community: der Odroid-C1 von Hardkernel.

Immerhin zeigt sich die Odroid-Community recht agil, es gibt ein Magazin und ein Forum mit mehr als 80 000 Posts von über 10 000 Mitgliedern. Da inzwischen auch etliche deutsche Distributoren den Odroid-C1 im Programm führen, mausert er sich langsam zu einer interessanten RasPi-Alternative.

Euro-Exot: A20-OLinuXino

Neben der dominierenden Raspberry Pi Foundation gibt es aber auch in Europa diverse Hersteller, die bei den Einplatinen-Computern mitmischen – so etwa die Firma Olimex aus Bulgarien [12]. Deren Produkte zeichnen sich durch ein komplett offenes Design aus; neben den Schemata sind also auch die Platinen-Layouts frei verfügbar. Dadurch eignen sich die Boards tatsächlich als Entwickler-Kits, die dann für Speziallösungen in Kleinserie gehen können.

In der Raspberry-Pi-Klasse offeriert Olimex den A20-OLinuXino (Abbildung 5) in diversen Varianten, die sich in Ausstattungsdetails und Formfaktor unterscheiden. Des Weiteren finden sich SD-Cards mit Debian und Android, ein Gehäuse und LCD-Panels von 4,3 bis 15,6 Zoll im Zubehörangebot. Für Arduino-Freunde lohnt zudem ein Blick in die Duino-Rubrik der Webseite.

Das Olimex-Forum weist fast 20 000 Postings auf und zählt damit zu den größeren Communitys, obwohl die Systeme hardwareseitig nicht wirklich aus der Masse herausstechen. Softwareseitig sieht es auch bei Olimex nicht perfekt aus, die gängigen A20-Distributionen laufen aber auf dem A20-OLinuXino.

Abbildung 5: Eher kein Klon, sondern ein offenes Entwicklungskonzept: der A20-OLinuXino. (Bild: Olimex)

Abbildung 5: Eher kein Klon, sondern ein offenes Entwicklungskonzept: der A20-OLinuXino. (Bild: Olimex)

Fazit

Handelt es sich bei den Klonen nun um süße Früchte oder eher um faules Obst? Das muss letztlich jeder Anwender für sich beantworten. Im Großen und Ganzen setzt der Umgang mit den RasPi-Alternativen aber auf jeden Fall Linux-Erfahrung voraus und lässt sich guten Gewissens nur solchen Bastlern empfehlen, für die der Widerstand der Materie einen Teil des Reizes ausmacht. Einsteiger dagegen greifen besser zur aktuellen Version des Raspberry Pi: Seine gute Rechenleistung, die umfassenden Software-Alternativen und nicht zuletzt die aktive Community mit den vielen, auch deutschsprachigen Anleitungen erleichertern den Einstieg enorm.

Leicht tendiert man dazu, die Hardware-Ausstattung überzubewerten: SATA und Gigabit-Ethernet hören sich erst einmal gut an, aber die (Server-) Anwendungsfälle, für die das unverzichtbar wäre, kommen mit den Embedded-Board-Designs sowieso nicht auf einen grünen Zweig. Typisch sind auch inkonsistente Designentscheidungen: Der Odroid-C1 bringt zwar GBE mit, verzichtet aber auf SATA – die Daten tröpfeln von der lahmen USB2-Festplatte nur ins Netz. Beim A20-OLinuXino ist es genau umgekehrt: Er verfügt zwar über einen SATA-Anschluss, kann die Daten aber nur über eine 100-Mbit/s-Schnittstelle abtransportieren.

Viel wichtiger als knackige Hardware-Features ist letztlich die Community: Die breite Verfügbarkeit von Anleitungen und Tutorials im Internet erspart selbst eingefleischten Linuxern oft viele Stunden Forschungsarbeit (so auch dem Autor). Beispielsweise bringt der Banana Pi zwar einen eingebauten Infrarot-Empfänger mit, aber Tutorials dazu sind dünn gesät. Beim Raspberry Pi muss man zwar eine (preiswerte) Komponente nachrüsten, aber es gibt dafür Anleitungen, die auch ein Laie versteht.

Möchten Sie ein spezielles Projekt verwirklichen und brauchen daher ein bestimmtes Feature, das dem RasPi fehlt, stehen Sie aber dank des großen Angebots zumindest nicht im Regen. Trotz des oft mauen Software-Supports ist die Vielfalt an Kleincomputern deshalb trotz aller Kritik hochwillkommen. Und schließlich belebt Konkurrenz bekanntlich das Geschäft – möglicherweise hätten wir ohne Banana Pi und Co. noch länger auf den vierkernigen Raspberry Pi 2 warten müssen. 

Der Autor

Bernhard Bablok (mailto:[email protected]) arbeitet bei der Allianz Managed&Operations Services SE als SAP-HR Entwickler. Wenn er nicht Musik hört, mit dem Radl oder zu Fuß unterwegs ist, beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux, Programmierung und neuerdings Kleincomputer.

Infos

  1. Images für den Raspberry Pi: https://www.raspberrypi.org/downloads/
  2. Raspberry-Pi-Community: https://www.raspberrypi.org/community/
  3. RasPi-Foren: https://www.raspberrypi.org/forums/
  4. Mini-PC Cubietruck im Test: Bernhard Bablok, “Zwergenduell”, RPG 06/2014, S. 66, http://www.raspi-geek.de/32975
  5. Community-Image für den Cubietruck: http://www.cubieforums.com/index.php?topic=1275.0
  6. Banana Pi im Test: Maximilian Batz, Christoph Langner, “Alles Banane?”, RPG 04/2014, S. 56, http://www.raspi-geek.de/32841
  7. Deutsches Banana-Pi-Forum: http://www.forum-bananapi.de
  8. Bananian: https://www.bananian.org
  9. Orange Pi: http://www.orangepi.org/
  10. Hardkernel: http://www.hardkernel.com
  11. RasPi 2 vs. Odroid-C1: Dr. Udo Seidel, “Wettkampf der Zwerge”, RPG 03/2015, S. 18, http://www.raspi-geek.de/34497
  12. Olimex: http://www.olimex.com
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