Startseite>Stromversorgung per Windturbine
Aus Raspberry Pi Geek 05/2014

Stromversorgung per Windturbine (Seite 2)

Für die Projekt-Curaçao-Messstation ging das Team grob von einer effektiven Last von 25 Ohm bei minimalem Widerstand (maximale Spannung) aus. Diese wurde beim Betrieb an einem Netzteil ermittelt, wobei zur Überwachung und Kontrolle die bereits erwähnte App RasPiConnect [2] zum Einsatz kam. Deren Ausgabe sehen Sie in Abbildung 3, wobei die falsche Angabe für die Power Efficiency dem direkten Anschluss an ein Netzteil geschuldet ist.

Abbildung 3: Bei Projekt Curaçao kam zur Überwachung und Steuerung des RasPi die iPad-App RasPiConnect zum Einsatz.

Abbildung 3: Bei Projekt Curaçao kam zur Überwachung und Steuerung des RasPi die iPad-App RasPiConnect zum Einsatz.

Freilaufmessung

Im Zug der Freilaufmessung ermittelten die Entwickler die regulierte und unregulierte Spannung der Windturbine, die Spannung des Solarpanels sowie die entsprechenden Ströme. Dazu kamen I2C-High-Side-Strom- und Spannungssensoren auf INA219-Basis zum Einsatz.

Bei der 15W-Windturbine handelt es sich um ein rund 90 US-Dollar teures Do-it-yourself-Windkraft-Kit, das aus einem Generatorteil mit zweiblättrigem Rotor sowie der kompletten Verkabelung besteht [3]. Es findet sich zum Preis von 40 US-Dollar als Micro Wind Turbine Generator Science Project Kit auch bei Amazon, dort aber ohne Anschlusskabel. Als 50W-Windkraftanlage dient der Cyber 50 Micro Wind Turbine Generator, bei Amazon für rund 80 US-Dollar zu haben. Die Wahl der beiden Systeme spiegelt keinerlei technische Präferenzen wider: Während der Designphase von Projekt Curaçao waren dies schlicht die beiden am schnellsten verfügbaren, preiswertesten Systeme dieser Art.

Als Erstes bestimmten die Entwickler die Freilauf-Spannungskurve, um zu ermitteln, welche Spannung die Turbinen bei gegebener Windgeschwindigkeit liefern. Dazu montierten sie das 15W-System schlicht auf den Stiel einer Gartenschaufel (Abbildung 4) und hielten es so aus dem Fenster eines Autos. Beim Fahren mit verschiedenen konstanten Geschwindigkeiten maßen sie dann die jeweilige Spannung mit einem Multimeter (Abbildung 5). Das ging allerdings nicht ganz problemlos vonstatten: Abgesehen von erstaunten Blicken der Nachbar und dem mangelnden Verständnis eines Polizeibeamten für die Messmethode erwiesen sich insbesondere aufgrund eines vorangegangenen Schneesturms zum Messzeitpunkt leicht vereiste Straßen als Hindernis.

Abbildung 4: Die recht kompakte 15W-Windturbine, für den Test auf einen Schaufelstiel montiert.

Abbildung 4: Die recht kompakte 15W-Windturbine, für den Test auf einen Schaufelstiel montiert.

Abbildung 5: Die 15W-Windturbine, bereit für eine erste Messreihe unter winterlichen Bedingungen.

Abbildung 5: Die 15W-Windturbine, bereit für eine erste Messreihe unter winterlichen Bedingungen.

Die Entwickler ermittelten die Daten für Geschwindigkeiten bis zu 50 Meilen/h (80 km/h) und übertrugen sie in eine Tabellenkalkulation. Dort nahmen sie eine polynomische Kurvenanpassung dritter Ordnung vor, um eine passende Gleichung zum Berechnen der Ausgangsspannung bei einer gegebenen Windgeschwindigkeit zu finden (Abbildung 9). Das Ergebnis fasst der Kasten “Kurvenpolynom für die 15W-Windturbine” zusammen. Der maximale Kurvenanpassungsfehler liegt bei +6,89 Prozent / -4,74 Prozent (+0,4V / -0,6V), was für den angepeilten Zweck völlig ausreicht. Das gefundene Polynom lässt sich auf dem Raspberry Pi zum Implementieren von Kontrollfunktionen sowie für das Ermitteln der Windgeschwindigkeit verwenden, gilt aber lediglich für den Freilauf.

Abbildung 6: Spannung bei gegebener Windgeschwindigkeit für die 15W-Windturbine im Freilauf.

Abbildung 6: Spannung bei gegebener Windgeschwindigkeit für die 15W-Windturbine im Freilauf.

Kurvenpolynom für die 15W-Windturbine

y = (c3 * x^3) + (c2 * x^2) + (c1 * x^1) + b

 

y = Ausgangsspannung der Windturbine

x = Windgeschwindigkeit in Meilen/h

 

Koeffizienten:

 

c3 = -0,000224491

c2 = 0,012549184

c1 = 0,255523699

b = 0,247342657

Zudem zeigt die Kurve, dass eine einzelne 15W-Windturbine bei geringen Windgeschwindigkeiten von 10 bis 14 Meilen/h (16 bis 22 km/h) zu wenig Leistung für das Projekt Curaçao liefert: Unter solchen Bedingungen wären zwei der Anlagen notwendig, da der 6V-Regulator, der den Ladeschaltkreis der Batterien bedient, eine Eingangsspannung von wenigstens 9 Volt benötigt.

Nach der Beschaffung einer zweiten 15W-Windturbine und einem Parallelbetrieb probehalber kamen die Entwickler zu dem Schluss, dass ein solches Szenario zwar die Leistungsanforderungen gerade so erfüllen würde, jedoch technisch nicht voll befriedigen kann (Abbildung 7).

Abbildung 7: Die Lösung mit zwei 15W-Windturbinen erschien in technischer Hinsicht als nicht ganz zufriedenstellend.

Abbildung 7: Die Lösung mit zwei 15W-Windturbinen erschien in technischer Hinsicht als nicht ganz zufriedenstellend.

Deswegen wiederholte das Team die Leistungsmessreihe für die 50W-Windturbine (Abbildung 8), auch hier für Windgeschwindigkeiten bis zu 50 Meilen/h (80 km/h). Die Auswertung erfolgte auf dieselbe Weise wie schon beim 15W-Modell, das Ergebnis zeigt Abbildung 9. Die ermittelten Parameter fasst der Kasten “Kurvenpolynom für die 50W-Windturbine” zusammen, der maximale Kurvenanpassungsfehler liegt hier bei +6,75 Prozent / -7,77 Prozent (+0,9V / -1,07V).

Abbildung 8: Die deutlich größere 50W-Windturbine weist einen mehrblättrigen Rotor auf.

Abbildung 8: Die deutlich größere 50W-Windturbine weist einen mehrblättrigen Rotor auf.

Abbildung 9: Spannung bei gegebener Windgeschwindigkeit für die 50W-Windturbine im Freilauf.

Abbildung 9: Spannung bei gegebener Windgeschwindigkeit für die 50W-Windturbine im Freilauf.

Kurvenpolynom für die 50W-Windturbine

y = (c3 * x^3) + (c2 * x^2) + (c1 * x^1) + b

 

y = Ausgangsspannung der Windturbine

x = Windgeschwindigkeit in Meilen/h

 

Koeffizienten:

 

c3 = -0,000385082

c2 = 0,022102564

c1 = 0,675897436

b = 0,172727273

Nachdem sowohl die Konfiguration mit zwei 15W- als auch mit einer 50W-Windturbine die Ansprüche des Projekts decken konnte, beschlossen die Entwickler, beide Varianten auch in der Praxis mit der Projekt-Curaçao-Gerätebox zu testen.

Praxistests

Zunächst untersuchte das Team die Auslegung mit zwei 15W-Windturbinen. Die Ausgangsvermutung ging dahin, dass sich bei geringen Windgeschwindigkeiten von gut 20 km/h wohl nur geringe Spannungen erzeugen lassen würden.

Für den Test wurden die beiden Windturbinen an den für das Projekt Curaçao bereits entwickelten Ladestromkreis angeschlossen. Dieser besteht aus einem eigentlich für den automobilen Einsatz gedachten 3A/18W-Gleichstrom-Abwärtswandler (9 bis 22V Eingang, 12V auf 6V), verkabelt mit dem Relais, das zwischen den Solarzellen und den Windturbinen umschaltet und mit dem Batterielader (Lipo Rider Pro) verbunden ist.

Diese Kombination stellte hier die Last dar. Bitte beachten Sie, dass bei Ihren Projekten die Last eine völlig andere Impedanz und Charakteristik aufweisen kann als die des Projekts Curaçao. Ein relativ simpler Weg, das festzustellen, wäre beispielsweise das Entladen der Windturbine in eine resistive Last und das Messen der Spannung.

Auch die Lastmessungen erfolgten nach der nun bereits bewährten Methode vom Auto aus, wobei sich das in Abbildung 10 gezeigte Diagramm ergab. Die Messkurve für den erzeugten Strom in Abhängigkeit von der Windgeschwindigkeit sehen Sie in Abbildung 11.

Abbildung 10: Spannung bei gegebener Windgeschwindigkeit für die Konfiguration mit zwei 15W-Windturbinen.

Abbildung 10: Spannung bei gegebener Windgeschwindigkeit für die Konfiguration mit zwei 15W-Windturbinen.

Abbildung 11: Strom bei gegebener Windgeschwindigkeit für die Konfiguration mit zwei 15W-Windturbinen.

Abbildung 11: Strom bei gegebener Windgeschwindigkeit für die Konfiguration mit zwei 15W-Windturbinen.

Grillfest

Nach Abschluss der Testläufe lag klar auf der Hand, dass sich die 50W-Windturbine wesentlich besser für den angepeilten Betrieb eignet, da sie, anders als die gekoppelten 15W-Modelle, auch bei geringen Windgeschwindigkeiten schon ausreichend Spannung liefert. Für das Projekt Curaçao genügt dann bereits ein Wind von gut 20 km/h, um eine Spannung von 6,4 Volt zu erzeugen – genug, um auch bei parallelem Betrieb des RasPi die Batterien noch zu laden.

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 8 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
€0,99 – Kaufen
RASPBERRY PI GEEK KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland