Aus Raspberry Pi Geek 02/2014

Alternatives RasPi-Betriebssystem RISC OS (Seite 2)

Wie sieht es nun aus, wenn mehrere Dateien in verschiedenen Formaten vorliegen, die jedoch alle den gleichen Namen tragen sollen? Bei RISC OS ist es in solchen Fällen gebräuchlich, ausnahmsweise das Formatkürzel mittels eines / an den Dateinamen anzuhängen – also beispielsweise raspi/png für ein Bild und raspi/wav für eine Audio-Datei.

Der Austausch von Daten mit anderen Betriebssystemen leidet übrigens nicht unter dieser eigenwilligen Namenspolitik: Schließen Sie an den RasPi einen FAT-formatierten USB-Stick an und kopieren Daten auf diesen, so hängt RISC OS auf dem Zielmedium jeweils die passenden Suffixe an.

Bei einem Blick auf die Desktop-Icons von Programmen fällt auf, dass deren Namen immer mit einem Ausrufezeichen (im RISC OS-Sprech als “Pling” bezeichnet) beginnen. Der interne Aufbau der Applikationen weist ebenfalls Besonderheiten auf: So sind diese auf Dateisystemebene zunächst einmal nichts anderes als Verzeichnisse, die eine bestimmte, standardisierte Struktur besitzen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der interne Aufbau eines RISC-OS-Applikationsverzeichnisses unterscheidet sich grundlegend von dem anderer Systeme.

Abbildung 2: Der interne Aufbau eines RISC-OS-Applikationsverzeichnisses unterscheidet sich grundlegend von dem anderer Systeme.

Software

Da RISC OS an sich schon vor vielen Jahren das Licht der Welt erblickte, bieten viele Seiten im Netz Software dafür an. Allerdings haben viele der Programme schon zehn oder mehr Jahre auf dem Buckel, weswegen sie manchmal nicht mehr den heutigen Ansprüchen genügen oder sich gar mit neuesten Betriebssystemversionen beißen. Deswegen empfiehlt es sich, Software stattdessen über die mitgelieferten Paketmanager !Store und !Pacman zu beziehen. Dort finden Sie einige brauchbare Applikationen, in der Mehrzahl kleinere Freeware-Tools.

An ein paar Stellen lässt das Software-Angebot jedoch auch zu wünschen übrig. So beherrscht die RISC-OS-Version des vorinstallierten Netsurf-Webbrowsers weder HTML5 noch Javascript. Die Textverarbeitung EasiWriter wiederum kostet stolze 115 Euro, eine kostenlose Bürosuite wie LibreOffice suchen Sie hingegen vergeblich. Sie finden jedoch auch einiges an brauchbarer und kostenloser Software vor, unter anderem moderne Videoplayer, Messenger, Emulatoren und E-Mail-Clients.

Wollen Sie selbst Software für RISC OS entwickeln, bietet das Projekt dazu einige Möglichkeiten. Aus historischen Gründen dient das mitgelieferte BBC Basic oft als Grundlage für die Programmierung, es stehen mehrere IDEs und einige Bibliotheken dafür zur Verfügung. Zum Erstellen von Desktop-Anwendungen greifen viele Entwickler auf C zurück. Ports anderer Sprachen (wie etwa Python) existieren, führen jedoch unter RISC OS ein Schattendasein. Das offizielle RasPi-SD-Kartenimage von RISC OS enthält kostenlose Bücher im PDF-Format, die in Programmierthemen einführen.

Fazit

Alles in allem bietet RISC OS eine interessante Alternative zu Raspbian, für die es sich lohnt, eine zweite SD-Karte anzuschaffen – auch wenn in Sachen Treiberausstattung und üppiger Paketquellen unzweifelhaft die Linux-Derivate für den Raspberry Pi die Nase vorn haben.

Falls Ihnen diese Kurzvorstellung Lust auf mehr Beschäftigung mit RISC OS gemacht hat, finden Sie im folgenden Artikel den Beginn eines mehrteiligen, ausführlichen Workshops zu dem alternativen RasPi-Betriebssystem. 

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