Taugt der RasPi nicht nur zum Basteln und Experimentieren, sondern auch als Desktop-Ersatz, mit dem auch Windows-Nutzer zurechtkommen? Ja, aber…
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Streikt der heimische PC, tut schnelle Hilfe not – nicht zuletzt, um die diversen Internetdienste, die das Leben leichter machen, wieder zu erreichen. Richtig eingerichtet, eignet sich der Raspberry Pi durchaus als Ersatzrechner für den Fall der Fälle, wenn auch mit Abstrichen.
Ohne Internet geht heute gar nichts mehr – von der Fahrkarte bis zum Wahlantrag: Immer mehr erledigt man bequem von zu Hause. Doch was tun, wenn der heimische Desktop-PC auf einmal nicht mehr will? Das Smartphone stellt nur einen mickrigen Notnagel für unterwegs.
Selbst ein frisch aufgesetzter RasPi kann ad hoc diese Lücke nicht füllen: Weder Raspbian noch Pidora eignen sich mit der ausgelieferten Software-Ausstattung für den komfortablen Desktop-Betrieb. Und auch das drumherum, also die verfügbare Hardware, muss stimmen.
Dieser Artikel beleuchtet die notwendige Hardware und Software für den Aufbau eines desktoptauglichen RasPis, mit dem auch Windows-Nutzer zurechtkommen. Um Ihnen die Arbeit des Selbsteinrichtens abzunehmen, finden Sie auf der Heft-DVD ein vorkonfiguriertes Raspbian-Image (siehe Kasten “Raspbian-Desktop”).
Raspbian-Desktop
Auf dem Datenträger finden Sie ein von uns speziell für den Desktop-Betrieb eingerichtetes Raspbian-Image. Sowohl der Benutzername als auch das Passwort lauten raspberry. Für diesen Benutzer wurde die deutsche Tastaturbelegung unter X wie im Artikel beschrieben eingerichtet, außerdem besitzt er volle Sudo-Rechte. Damit auch der Login-Manager mit der deutschen Tastaturbelegung arbeitet, ergänzen Sie die Datei /etc/lightdm/lightdm.conf noch um den Eintrag display-setup-script=setxkbmap de.
Das System bootet direkt in den grafischen Modus. Auf dem Desktop finden Sie Icons für die wichtigsten Programme, was es erlaubt, direkt mit dem RasPi zu arbeiten. Trotzdem erfordert das System in aller Regel eine weitergehende Konfiguration, zum Beispiel das genaue Tastaturlayout oder den Anschluss ans Netzwerk. Letzteres erfolgt standardmäßig per DHCP über das Ethernet.
Wegen des Vorlaufs der Heftproduktion gibt es bis zum Erscheinen des Artikels sicher einige Updates und Patches für Raspbian. Bringen Sie das System deswegen vor dem Einsatz noch einmal auf den neuesten Stand.
Meine sieben Sachen
Während ein RasPi im Headless-Betrieb [1] so gut wie keine Peripherie benötigt (ein Netzwerkkabel und der obligatorische Stromanschluss reichen im Grunde aus), sieht es beim Einsatz als Desktop anders aus. Der Anschluss des Monitors bereitet keine Probleme – falls der Bildschirm keine HDMI-Schnittstelle mitbringt, gibt es für wenig Geld einen HDMI-DVI-Adapter.
Doch die meiste Zusatzhardware findet über USB den Weg zum Rechner, sei es Tastatur, Maus, WLAN, Drucker oder Scanner. Mit ein bis zwei Anschlüssen für Massenspeicher ergibt das bis zu sieben erforderliche USB-Anschlüsse. Wer den Ton nicht über HDMI weitergibt und auf guten Klang Wert legt, benötigt sogar noch einen weiteren Port für eine USB-Soundkarte.
Ein aktiver USB-Hub ist deshalb Grundvoraussetzung. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Stromaufnahme ausreicht, um jeden Port mit mindestens 500 mA zu versorgen. Auf dem Markt finden sich viele Hubs, die für bis zu sieben Ports nur 2 A (also nur 4 mal 500 mA) bereitstellen – selbst der auf den RasPi spezialisierte Händler “The Pi Hut” [2] vertreibt solche Systeme. Hier gehen die Hersteller einfach stillschweigend davon aus, dass nicht jedes Gerät das verfügbare Strombudget ausschöpft. Trotzdem sollten Sie die Stromversorgung eher großzügig auslegen, denn viele Probleme mit nicht funktionierender Hardware hängen genau damit zusammen.
Allerdings benötigen Sie nicht immer eine Vollausstattung: Der Netzwerkanschluss per Ethernet spart einen Port, eine Wireless-Maus/Tastatur-Kombi einen weiteren. Der Anschluss eines Multifunktionsdruckers mit integriertem Scanner spart ebenfalls einen Port.
Die genannten ein bis zwei Anschlüsse für Massenspeicher erfordert ein Not-PC ebenfalls nicht unbedingt. Allerdings ist es sinnvoll, einen fest angeschlossenen USB-Stick für das Home-Verzeichnis (im Windows-Sprachgebrauch die “Eigenen Dateien”) zu nutzen. Der zweite Steckplatz bleibt frei für temporär angesteckte Geräte, etwa Kamera, Smartphone oder einen weiteren USB-Stick für den Datenaustausch.
Auch bei einer Minimal-Ausstattung kommen Sie also um einen USB-Hub kaum herum. Ein weiteres Argument für einen aktiven Hub ist die Stabilität: Das Einstecken eines USB-Sticks oder einer externen Festplatte direkt an den RasPi benötigt unter Umständen kurzzeitig so viel Strom, dass der Rechner neu startet. Das passierte im Test selbst bei sehr kleinen Sticks mit nur 128 MByte Kapazität.
Ab ins Netz
Den Anschluss ans Ethernet erledigen Sie ohne Probleme und weitere Konfiguration. Für den Zugang per WLAN benötigen Sie dagegen einen unterstützten WLAN-Stick, den es aber für wenig Geld gibt.
Am sichersten fahren Sie mit einem auf RasPi spezialisierten Webshop. Alternativ lohnt ein Blick in die Nutzerkommentare etwa bei Amazon, die häufig Aufschluss über die Kompatibilität geben. Hilft auch das nicht weiter, steht eine kurze Recherche auf Elinux.org [3] an, denn nicht jeder Dongle funktioniert, und manchmal ändern Hersteller ohne Änderung des Produktnamens die Chip-Bestückung ihrer Produkte.






