Die ursprünglichen Planungen sahen vor, innerhalb von mehreren Monaten 10 000 Stück zu verkaufen, doch bereits am ersten Tag gingen bei der Stiftung über 100 000 Bestellungen ein. Eben Upton erklärte, dass er sich sehr freue, zu sehen, was die japanischen RasPi-Fans alles aus den Geräten herausholten. Japan sei einer der wichtigsten außereuropäischen Märkte für den Pi, betonte er.
Danach beschrieb Yuriko Ikeda, wie man bei sich zu Hause einen WordPress-Blog auf dem RasPi hostet. Hierzu sei erwähnt, dass in Japan Privathaushalte wesentlich günstigere und höherwertigere Internetzugänge in Anspruch nehmen können, als dies beispielsweise in Europa der Fall ist. So zahlt man im Großraum Tokio für einen Glasfaseranschluss mit 2 Gbit/s Bandbreite gerade einmal 40 Euro im Monat! Während man also in Europa für eine Homepage eher Webspace in einem Rechenzentrum anmieten würde, ergibt es demgegenüber in Japan durchaus Sinn, den privaten Blog stattdessen in den eigenen vier Wänden zu hosten.
Der Vortrag thematisierte neben diversen Grundkonfigurationen (Netzwerkkonfiguration, Installieren einer LAMP-Umgebung, die Einrichtung von WordPress an sich) auch die Einstellung des Memory-Splits via Raspi-config. Da bei einem reinen Servereinsatz des Pis dieser keine Grafik darstellen muss, ist es äußerst sinnvoll, der GPU nur den Mindestwert von 16 MByte Speicher zuzuteilen, damit den Server-Daemons mehr RAM zur Verfügung steht. Zum Schluss diskutierten die Teilnehmer noch die Möglichkeit, für den Serverbetrieb mehrere RasPis zu einem Cluster zu verbinden.
Keika Komura erklärte, wie man mit einfachen Mitteln Gehäuse für den Raspberry Pi selbst zusammenbaut. Daran schloss sich Masataka Tsukamoto an, der einmal einen Pi in ein Famicom-Gehäuse eingebettet hatte. Dabei handelt es sich um eine japanische Spielekonsole der 80er-Jahre – in Europa und Nordamerika wurde das Gerät in einer optisch stark abweichenden Variante unter dem Namen NES verkauft. Während der Präsentation des Gehäuses erzählte er, dass er der DIY-Community Tokyo Hackerspace angehört und die ehemalige Famicom-Hülle günstiger erwarb als im Handel angebotene RasPi-Gehäuse.
Der Tag schloss mit Erläuterungen von Tatsuya Sasaki, wie man mithilfe von drei RasPis den Standort eines WLAN-Clients wie beispielsweise eines Smartphones orten kann. Dabei kam zur Sprache, wie man auf den Pis den Monitor-Mode in die Netzwerkkonfiguration einträgt. Anschließend besprach Sasaki ein für die Ortung verfasstes Ruby-Skript.
Am Sonntag erklärte Hideki Aoshima den Teilnehmern, wie sie mit Ihrem RasPi LEDs zum Blinken bringen oder Werte eines Thermosensors einlesen. Anfangs schilderte er, wie und wo LEDs auf einem Steckbrett zu befestigen sind. Dann beschrieb Aoshima die verschiedenen Zugriffsmöglichkeiten via Software: Angefangen damit, wie man auf der Kommandozeile mit dem Befehl echo Werte an die GPIO-Pins sendet, ging er beim Thema Abfragen des Sensors zu einer Beschreibung des I2C-Busses über.
Auch in den Pausen gab es viel zu sehen und zu bereden. So lief beispielsweise ein Exemplar des Rapiros herum (wir berichteten in unserer letzten Ausgabe über den knuffigen Roboter mit einem RasPi im Kopf), das zeitweilig alle Blicke auf sich zog. Außerdem konnten sich die Teilnehmer des Jams bei einem gemütlichen Abendprogramm auch jenseits der Technik persönlich näher kennenlernen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Kanpai! Auf dem japanischen RasPi-Jam konnten sich die Teilnehmer abends bei einem gemütlichen Beisammensein entspannen.
Indien und Hongkong
In Asien gibt es aber nicht nur größere RasPi-Jams. Daneben existieren auch viele kleinere Raspberry-Pi-Anwendergruppen, die sich austauschen oder auf Veranstaltungen Wissen weitergeben. Dazu zählt beispielsweise die Arduino- und Raspberry-Pi-Gruppe im indischen Pune [3], rund 150 Kilometer südwestlich von Mumbai. Diese trifft sich sporadisch: Mal gibt jemand einen Einführungsworkshop, ein anderes Mal entwerfen alle ein digitales Thermometer, oder man wirft einen Blick über Tellerrand auf andere Hardware und bastelt an einem Beaglebone Black herum.
Ebenfalls in kleinerem Maßstab finden solche Veranstaltungen in Hongkong statt. Dort führt die lokale Linux User Group, die HKLUG [4], auch schon einmal einen speziell an lokale Oberschüler gerichteten, einführenden Raspberry-Pi-Jam durch, um den Jugendlichen Technik näherzubringen.
Unterm Strich gesehen, lässt sich sagen: Weltweit entstehen aus kleinen Veranstaltungen und Treffen im Lauf der Zeit manchmal große “Jams”. Wer in seiner Umgebung keinen Jam vorfindet, der sollte also möglicherweise einfach eine kleine RasPi-User-Group gründen – diese könnte schnell zu etwas Größerem wachsen.
Infos
- Raspberry Pi Club Singapur: http://rpiclubsg.com/
- Japanese Raspberry Pi User Group (in Japanisch): http://www.raspi.jp/
- RasPi- und Arduino-Nutzer in Pune, Indien: http://www.meetup.com/The-Internet-of-Things/
- Hongkong Linux User Group: http://www.linux.org.hk/





