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Aus Raspberry Pi Geek 06/2013

Mit ArkOS selbstbestimmt Daten in der Wolke anbieten (Seite 2)

Genesis

Kurz nach dem Start des kleinen Rechners können Sie im Browser eines Rechners im gleichen Netzwerk das ArkOS-Webfrontend über die Adresse http://arkos:8000 ansteuern. Klappt das nicht auf Anhieb, ersetzen Sie arkos durch die IP-Adresse des RasPi. Die finden Sie schnell heraus, indem sie erneut den Installer starten und den Menüpunkt zum Scannen des Netzwerks verwenden. Sie erhalten dann eine Liste der angeschlossenen RasPis samt IP-Adresse. Außerdem können Sie von hier aus den RasPi oder auch nur das Webfrontend neu starten. Die Abfrage von Username und Passwort erwartet beim ersten Einloggen zweimal die Eingabe von admin. Daraufhin erscheint die Weboberfläche Genesis, die als Erstes ein neues Benutzerkonto samt Passwort abfragt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der erster Kontakt mit der ArkOS-Weboberfläche Genesis.

Abbildung 1: Der erster Kontakt mit der ArkOS-Weboberfläche Genesis.

Genesis ist ein modulares, in Python geschriebenes Framework, das mit Plugins interagiert. Diese Plugins installieren und konfigurieren Anwendungen nach den Angaben des Nutzers. Die unter der Bezeichnung Webapps zusammengefasste Funktion erlaubt das Herunterladen, Installieren und Grundkonfigurieren von Anwendungen wie WordPress, Drupal, Nginx oder Owncloud innerhalb von ArkOS mit nur einem Klick. Das funktioniert anhand von vorgefertigten Rezepten, die das Framework auf Mausklick abarbeitet. Es werden beispielsweise die nötigen Datenbanken angelegt, ein Webserver vorkonfiguriert oder nötige Netzwerkeinstellungen vorgenommen. Am Ende erhalten Sie einen Link, unter dem Sie die Anwendung individuell zu Ende konfigurieren.

Als Erstes sollten Sie aber in der nach dem Start eingeblendeten Maske einige grundlegende Einstellungen etwa zu Hostnamen und Zeitzonen vornehmen. Ändern Sie hier den vorgegebenen Hostnamen arkos, müssen Sie den neuen Namen auch beim Einwählen in das Webfrontend im Browser verwenden. In der gleichen Maske können Sie auch den noch nicht belegten Teil der SD-Karte für ArkOS freigeben, was in den allermeisten Fällen sinnvoll ist.

Weitere generelle Einstellungen finden sich unter dem ersten der drei Icons oben rechts (Abbildung 2). Hier treffen Sie unter anderem grundlegende Einstellungen zu Secure Sockets Layer (SSL), das heute eigentlich Transport Layer Security (TLS) heißt [8] und es ermöglicht, sich per HTTPS mit Genesis zu verbinden. Dazu brauchen Sie ein Zertifikat oder einen entsprechenden Schlüssel. Diese Einstellung empfiehlt sich insbesondere, wenn ArkOS außerhalb des heimischen LAN läuft oder unterwegs an einem nicht abgesicherten WLAN hängt. Dieser Menüpunkt wird in Genesis 0.4 auch das Erstellen und die Handhabung eigener Zertifikate beinhalten.

Abbildung 2: Hier treffen Sie generelle, zum Großteil sicherheitsrelevante Einstellungen.

Abbildung 2: Hier treffen Sie generelle, zum Großteil sicherheitsrelevante Einstellungen.

Das Häkchen bei Authorisation sollten Sie ausschließlich setzen, um kurzfristig einem anonymen Benutzer zu Testzwecken Zugang zu Genesis zu gewähren. Unter dem gleichen Menüpunkt finden sich auch die Netzwerkeinstellungen, das Nachinstallieren weiterer Applikationen sowie der Punkt Recovery, unter dem Sie Backups des Systemzustands anlegen und auch wiederherstellen. Das mittlere Icon oben rechts dient der Verwaltung der Nutzer, das rechte Icon ermöglicht eine Aktualisierung oder den Neustart des Systems.

Die unter Genesis verfügbaren Module teilen sich auf der linken Seite in die Kategorien System Monitor, Servers und System ein. Nach der Installation finden sich hier noch kaum Inhalte: Beim RasPi gilt es, wegen der begrenzten Systemressourcen nur das zu installieren, was wirklich gebraucht wird. Jetzt ist es an der Zeit, benötigte Plugins [9] und Widgets zu installieren (Abbildung 3). Unter Plugins versteht Genesis Applikationen und Werkzeuge, bei Widgets handelt es sich um Systemanzeigen zu CPU, Speicher und anderem mehr.

Abbildung 3: Die Maske zum Installieren der Plugins.

Abbildung 3: Die Maske zum Installieren der Plugins.

Spätestens nach diesem Schritt sollten Sie den RasPi neu starten, um alle Änderungen zu initialisieren. Ein lästiger Bug, der nur gelegentlich auftritt: Manchmal verlangt die Anmeldemaske daraufhin immer noch die alten Standard-Passwörter. In diesem Fall ändern Sie nach dem Einloggen Benutzernamen und das Passwort nochmals, was das System dann auch übernimmt.

Administrationstools

Unter System Monitor versammeln sich die installierten Widgets zum Überwachen der Hard- und Software. Dazu zählen unter anderem Monitore für CPU, Festplatten, Hauptspeicher, Systemlast, Netzwerk und Systemalarm. Diese richten Sie über die Schaltfläche Add Widgets oben in der Toolbar des System Monitor ein. Mittels der ebenfalls am oberen Rand angesiedelten Alerts-Funktion definieren Sie Schwellwerte für die verschiedenen, zuvor installierten Systemmonitore, bei deren Überschreiten im Systemalarm-Widget eine Benachrichtigung erfolgt.

Für die Rubrik Servers steht neben Samba-Share für das Filesharing mit Windows-Rechnern (Abbildung 4) noch der Menüpunkt Websites bereit. Haben Sie zusätzliche Anwendungen wie etwa WordPress oder Owncloud installiert, können Sie diese Webapps hier konfigurieren. Dazu genügt das Anwählen von Websites | Add Websites.

Abbildung 4: In dieser Maske erledigen Sie das Einrichten von Samba-Usern und Freigaben.

Abbildung 4: In dieser Maske erledigen Sie das Einrichten von Samba-Usern und Freigaben.

Die Sektion Tools bietet einer Auswahl an unerlässlichen Helfern Platz. So dient Execute dem schnellen Ausführen einzelner Befehle – bei umfangreicheren Aufgaben wäre hier das Terminal die bessere Wahl. Der File Manager erweist sich als vereinfachte Ausführung der bekannten Dateimanager (Abbildung 5). Er zeigt den Dateibaum an und erlaubt das Ausschneiden, Kopieren, Verschieben und Löschen von Dateien. Zusätzlich können die Rechte der Dateien bearbeitet werden. Es stehen mehrere Tabs mit verschiedenen Inhalten gleichzeitig zur Verfügung. Am unteren Rand befindet sich ein Clipboard, das die derzeit ausgeschnittenen oder kopierten Inhalte darstellt. Notepad ist ein kleiner Editor zum Bearbeiten von Dateien. Er erlaubt auch das Arbeiten in Tabs und kennt eine Bookmark-Option für Dateien, die man öfter in die Hand nimmt.

Abbildung 5: Einfach, aber funktional völlig ausreichend präsentiert sich der Dateimanager.

Abbildung 5: Einfach, aber funktional völlig ausreichend präsentiert sich der Dateimanager.

Für Fortgeschrittene

Advanced, der unterste Eintrag in der Seitenleiste, erlaubt das Einrichten von Apps, die etwas mehr Hintergrundwissen erfordern – insbesondere von solchen, die potenziell das System destabilisieren oder unbrauchbar machen könnten.

Als Erstes wäre hier Filesystems zu nennen, mit dessen Hilfe Sie das Dateisystem bearbeiten können. Das Plugin dient zum Erstellen und Editieren von Einhängepunkten und schreibt direkt in die Datei /etc/fstab. Firewall Tables bietet ein kleines grafisches Frontend für Iptables [10], dem meistbenutzten Firewall-Skript unter Linux. Das Plugin erlaubt das grafische Konfigurieren der Ketten und Regeln der im Kernel implementierten Firewall. Hierzu brauchen Sie zumindest gute grundlegende Kenntnisse über Iptables.

Das Plugin Packages dient dem Nachziehen von Paketen aus dem ArkOS-Repository und dient als Frontend für den unter Arch verwendeten Paketmanager Pacman (Abbildung 6). Die Applikation System Users erlaubt das Bearbeiten aller auf dem System vorhandenen Nutzer – inklusive Root – und deren Passwörter. Über das normale Users-Plugin hinaus erlaubt es das Setzen von UID und GID, das Erstellen von und Zuweisen zu Gruppen sowie die Definition einer Standard-Shell pro Anwender.

Abbildung 6: Die Systemaktualisierung erfolgt am einfachsten über das Plugin Packages.

Abbildung 6: Die Systemaktualisierung erfolgt am einfachsten über das Plugin Packages.

Der Task Monitor bietet eine Ansicht des Zustandes aller Prozesse inklusive PID, CPU-Last und RAM-Verbrauch. Er gestattet auch das Beenden der Prozesse per Kill-Befehl oder über andere Interrupts. Schließlich gibt es noch das Terminal, einen VT-100-Terminal-Emulator [11]. Er verhält sich wie ein normales Linux-Terminal, es lassen sich mehrere Instanzen gleichzeitig öffnen.

Systemd-Befehle

Da ArkOS auf das relativ neue Init-System Systemd setzt, unterscheidet sich der Befehlssatz zur Dienstesteuerung vom bisher Gewohnten. Um beispielsweise Befehle an einen Service abzusetzen, lautet das Schema:

# systemctl Operation Name der Anwendung

Die Operationen start und stop lassen den angegebenen Dienst anlaufen beziehungsweise halten ihn wieder an. Um eine Anwendung automatisch zu starten, wenn der RasPi hochfährt, verwenden Sie enable, wohingegen disable den Start unterdrückt. Über status prüfen Sie den Zustand des Dienstes und sehen eventuelle Fehlermeldungen ein.

Als sehr nützlich erweist sich auch der Befehl journalctl (ohne Parameter): Er zeigt den kompletten Ablauf des letzten Bootvorganges. Weitere Informationen zu Systemd finden Sie im Systemd-Wiki [19].

Ausblick

Wenn Sie diesen Artikel lesen, dürfte bereits Genesis 0.4 erschienen sein – zumindest hat uns das der Entwickler Anfang September bescheinigt. Neben Sicherheitsaktualisierungen wird die neue Version auch zusätzliche Funktionen mitbringen. Dazu gehört, wie bereits erwähnt, ein Zertifikatsmanager, mit dessen Hilfe Sie selbst signierte Zertifikate erstellen und einbinden oder vorhandene SSL-Zertifikate importieren. Der File Manager wird die Fähigkeit erhalten, Dateien zwischen dem Client-Computer, auf dem Genesis läuft, und der ArkOS-Instanz auszutauschen. Darüber hinaus soll das Netzwerk-Plugin komplettiert werden.

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