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Aus Raspberry Pi Geek 06/2013

Interview: Raspbmc-Maintainer Sam Nazarko (Seite 2)

Sam: Ich fing mit vier Jahren an, Computer zu benutzen. Mein erster Rechner war ein Toshiba T4500C mit DOS 6.22 und Windows 3.11. Ich denke, es ist wichtig, so früh wie möglich Computer zu benutzen, da sie immer mehr Teil unseres täglichen Lebens werden. Der RasPi kann meiner Meinung nach eine Vorreiterrolle dabei spielen, junge Leute zu befähigen und zu motivieren, sich mit Technik auseinanderzusetzen. Der Vorteil des Raspberry Pi ist, dass er sich einerseits wie ein Consumer-Gerät nutzen lässt (etwa mit Raspbmc), auf der anderen Seite aber auch als Entwicklungsplattform. Außerdem handelt es sich beim Pi um ihr eigenes Gerät, sodass sie keine Angst davor haben müssen, den Familien-PC aus Versehen zu beschädigen.

RPG:Wie viele Leute beschäftigen sich momentan mit der Entwicklung von Raspbmc?

Sam: Derzeit bin ich der einzige Raspbmc-Entwickler. Jedoch erhalte ich Hilfe beim Testen, und die Community leistet ausgezeichnete Arbeit beim Melden und Beheben von Fehlern. Ich würde mich freuen, wenn in Zukunft noch mehr Entwickler an Bord kämen.

RPG:Für den RasPi existieren neben Raspbmc noch die Mediacenter-Distributionen Xbian und OpenELEC. Wie unterscheiden sich die beiden von Raspbmc?

Sam: Die Entwickler von Xbian und OpenELEC nutzen andere Ansätze. OpenELEC ist kein Debian-Derivat und fühlt sich minimalistisch an wie eine Appliance (also ein hochspezialisiertes Gerät). Ich denke, das passt nicht so gut zum Geist des RasPi, bei dem es immer um Modifikations- und Anpassungsmöglichkeiten geht. Mit Raspbmc kann man Pakete aus den Debian-Paketquellen nachinstallieren, OpenELEC erlaubt hingegen keine Änderungen am Root-Dateisystem. OpenELEC ist toll für Nutzer, die einfach nur Fernsehen schauen möchten. Aber es erlaubt nicht das Herumprobieren und die Freiheiten, die mit Raspbmc möglich sind – und die ein Raspberry Pi auch bieten sollte: Der ist schließlich ein Tüftler-Spielzeug. Xbian basiert wie Raspbmc auf Raspbian, aber ihm fehlen gegenüber meiner Distribution Features wie USB-Soundkarten-Unterstützung, eine “nanny cam” (Abbildung 3), einfache Installationsmöglichkeiten auf NFS und USB, duale Audio-Ausgabe und vieles mehr.

Abbildung 3: Raspbmc bietet sogar an, die optional erhältliche RasPi-Kamera einzubinden.

Abbildung 3: Raspbmc bietet sogar an, die optional erhältliche RasPi-Kamera einzubinden.

RPG:Mit vielen und umfangreichen Updates hat Raspbmc große Fortschritte gegenüber der ersten Version gemacht. Wie viel Zeit und Arbeit investieren Sie in das Projekt?

Sam: Updates benötigen sehr viel Zeit, hauptsächlich wegen der folgenden Faktoren: Das Kontrollieren der Upstream-Quellcodes von XBMC, der RasPi-Firmware, des Kernels und dessen Bugs, das Aktualisieren Raspbmc-eigener Patches und nicht zuletzt das Testen darauf, ob gemachte Änderungen gut funktionieren. Diese Testphasen benötigen sehr viel Zeit. Man will ja schließlich nicht durch ein fehlerhaftes Update mit einem Schlag die Installationen von Zehntausenden Nutzern zerstören! Ich arbeite jeden Tag vier bis fünf Stunden an Raspbmc, wobei das auch Support für Nutzer im Forum oder dem IRC-Channel umfasst.

RPG:Was denken Sie über Googles neuen “Chromecast”-Stick? Stellt er eine Alternative zur Verwendung eines RasPi als Mediacenter dar?

Sam: Ich sehe Googles “Chromecast” eigentlich eher als Anreiz, Raspbmc zu benutzen. Zukünftige Raspbmc-Versionen werden Chromecast-to-Pi-Funktionen beherrschen, mittels derer man Videos vom Google-Browser an den RasPi schicken kann. Das beruht auf einem Reverse Engineering des Chrome-Streaming-Protokolls, sodass sich Raspbmc bald selbst als Chromecast-fähiges “Gerät” bezeichnen kann.

RPG:Sie bekommen sehr viel Feedback. Am 1. April veröffentlichte die Raspbmc-Seite den Scherz, dass die Distribution von nun an Cracks für die beiden fehlenden Codecs enthalten würde. Gab es Leute die dies glaubten und wütend reagierten?

Sam: Die meisten Leute fanden den Aprilscherz recht amüsant. Allerdings waren einige Leute sauer auf die Raspberry Pi Foundation, weil diese die Codecs nicht kostenlos zur Verfügung stellt. Das geht aber aus patentrechtlichen Gründen auch gar nicht. Einige wenige Leute fielen auf den Scherz herein und reagierten empört – bis sie das Datum realisierten.

RPG:Sie arbeiten auch an LinXBMC. Worum handelt es sich dabei? Wird es Raspbmc ersetzen?

Sam: LinXBMC [3] ist eine XBMC-Linux-Distribution, die auf mehreren Geräten laufen wird. Die Codes von Crystalbuntu (i386) und Raspbmc (Armhf) ähneln sich stark, sodass der Gedanke naheliegt, beide Codebases zusammenzuführen und gleich noch Unterstützung für weitere Geräte hinzuzufügen. Das dürfte den Overhead bei der Entwicklung deutlich minimieren und ermöglicht außerdem, ein konsistentes Medienerlebnis über mehrere Plattformen hinweg anzubieten. Neue Features sind ebenfalls vorgesehen, wie etwa Chromecast-Streaming oder ein eingebetteter Webbrowser.

RPG:Vielen Dank für das Interview – und weiterhin viel Erfolg mit Raspbmc und LinXBMC! 

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