Neben Raspberry Pi OS unterstützten auch andere Linux-Distributionen den Raspberry Pi, wie etwa Arch Linux. Doch nicht jede Arch-Distro läuft optimal: Während das Original glänzt, kämpft Manjaro noch mit Problemen.
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
Wie für so vieles gibt es auch für Linux-Distributionen Schubladen: OpenSuse bietet eine perfekte grafische Konfiguration. Ubuntu empfiehlt sich aufgrund seiner sehr hilfsbereiten Community für Einsteiger. Debian stellt eine stabile Basis für Server-Dienste. Red Hats Community-Ableger Fedora ist immer ganz vorn mit dabei, wenn es um möglichst aktuelle Software-Versionen geht. Arch Linux stecken viele Anwender jedoch gar nicht erst in eine Schublade, sondern sortieren die Distribution in den Giftschrank aus. Das Rolling-Release-System mit seinen fortlaufend eingepflegten Updates sei zu instabil, zu kompliziert, zu umständlich. Arch sei nur etwas für Linux-Profis.
Wie an den meisten Klischees ist auch an diesem zumindest ein Fünkchen Wahrheit dran. So verzichtet die PC-Variante von Arch Linux ganz bewusst auf eine grafische Installationsroutine. Stattdessen gilt es eine Art Installationsleitfaden durchzuarbeiten. Ganz ohne Vorkenntnisse rund um die Begrifflichkeiten aus der Linux-Welt gilt es, eine sehr steile Lernkurve zu erklimmen. In meinen Augen lohnt sich der Weg jedoch: Kein anderes System hat mich so lange begleitet wie Arch Linux. Manch einer meiner Rechner arbeitet seit über einen Jahrzehnt zuverlässig, ohne dass das System selbst neu aufgesetzt werden musste. Das Rolling-Release-Prinzip erspart mir dabei Distributionsaktualisierungen von einer Version auf die nächste; das System bleibt fortlaufend aktuell.
Ein- und Umsteigern würde ich jedoch empfehlen, sich nicht ganz unbedarft auf das Abenteuer Arch Linux einzulassen. Statt gleich das alltägliche Arbeitsgerät umzurüsten, sollte man lieber mit einem Testrechner beginnen und sich Schritt für Schritt in das neue System einarbeiten – doch nicht jeder hat einen Rechner übrig. Eben hier spielt der Raspberry Pi mal wieder seine Stärken aus. Der RasPi 4 kostet in der Ausstattung mit 4 GByte Arbeitsspeicher nur wenig mehr als 50 Euro, bietet aber eine Leistung wie ein günstiges Einsteiger-Notebook ohne dedizierte Grafikkarte. Die Installation des Arch-Systems ist dann nicht weiter schwer. Ab Seite 10 nehmen wir Sie dabei an die Hand. Danach lautet es auch bei Ihnen: I use arch btw [1].
Optional haben Sie auch die Möglichkeit, Manjaro auf dem Raspberry Pi zu verwenden. Das von Arch Linux abgeleitete Betriebssystem zählt zu den aktuellen Shooting-Stars der Linux-Szene. Die Distribution konnte in Sachen Popularität selbst den einstigen Szeneliebling Ubuntu überholen. Der Grund für den Erfolg ist in der Kombination aus der immer aktuellen Basis Arch Linux und der einfach strukturierten Installationsroutine von Manjaro zu suchen. Kaum eine andere Distribution bietet eine so einfache Installation, eine so umfangreiche Dokumentation sowie stets topaktuelle Software. Unser Test zeigt allerdings, dass die Distribution auf dem Raspberry Pi noch ein wenig aufholen muss.
Welchen Weg Sie auch einschlagen: Die weiter wachsende Zahl an Betriebssystemen tut dem Raspberry Pi außerordentlich gut. Das offizielle Raspberry Pi OS (bislang Raspbian) hängt weiterhin die Messlatte für ein erfolgreiches RasPi-System sehr hoch, doch die Konkurrenz holt allmählich auf und ergänzt das RasPi-Universum mit tollen Alternativen.
Herzliche Grüße,
Christoph Langner
Redakteur
Infos
- ‘I use Linux btw’ im Urban dictionary: https://www.urbandictionary.com/define.php?term=i%20use%20arch%20btw

