Aus Raspberry Pi Geek 10/2021

Editorial 09-10/2021

Ein besonderes Jahr

Christoph Langner

Im Interview spricht Eben Upton über die Herausforderungen der Chipkrise und deren Auswirkungen auf die Entwicklung neuer Produkte. Dazu zählen etwa der Raspberry Pi 4 Model A, die fünften Raspberry-Generation und ein neues Touch-Display.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

der stockende Warenfluss aus und nach Asien trifft Industrie und Verbraucher in allen Bereichen. Viele Fahrradteile: Mangelware. Baustoffe wie Dämmmaterialien oder Abwasserrohre: Mangelware. Selbst Winzer klagen über die Folgen des Zusammenbruchs globaler Lieferketten. Es mangelt zum Beispiel an Agraffen, den stabilen Drahtkörbchen für den sicheren Verschluss von Sektflaschen. Ohne das Drahtgeflecht, so das Gesetz, darf Sekt aber nicht über den Ladentisch gehen.

Besonders hart trifft des Chaos auf dem Weltmarkt die Chiphersteller und alle Industrien, die Chips und elektronische Komponenten in ihren Produkten verbauen. In Deutschland geriet besonders die Automobilindustrie aus dem bis ins Detail durchgetakteten Tritt. Fehlen bei Mercedes etwa digitale Tachos oder Steuermodule für Türschlösser, dann rollt in Sindelfingen kein einziges Auto mehr vom Band. Die Folge: Kurzarbeit für tausende Mitarbeiter bei Mercedes selbst sowie den zahlreichen Zulieferern.

Auch die Raspberry Pi Foundation bleibt von der Mangelwirtschaft nicht verschont. In einer Fragerunde [1] erklärt RasPi-Chef Eben Upton allerdings, dass die Foundation bislang noch relativ gut durch diese komplizierte Zeit gekommen ist. Die wichtigsten Produkte, der Raspberry Pi 4, der in eine Tastatur integrierte RasPi 400 und das Compute Module 4, waren für Privatkunden durchweg zu bekommen. Lieferengpässe gibt es lediglich beim CM 3 und dem kleinsten RasPi4 mit 2 GByte Arbeitsspeicher. Der wird allerdings nur für Großkunden knapp wird, die Tausende Einheiten ordern möchten. Mit Andauern der Chipkrise wird die Beschaffung der RasPi-Komponenten jedoch immer komplizierter.

Der Chipmangel wirkt sich allerdings unmittelbar auf die Entwicklung weiterer RasPi-Varianten aus. Laut Upton hätte es ohne ihn wohl schon den Raspberry Pi 4A gegeben, eine abgespeckte Variante ohne USB-3.0-Host-Controller [2] für 25 US-Dollar. Der dadurch freigelegte PCIe-Anschluss könnte dann aber nach außen geführt werden, was neue Möglichkeiten zum Anschluss externer Datenträger öffnet. Upton betont allerdings, dass die Foundation die begrenzten Ressourcen lieber in die bestehenden RasPi-Produkte der vierten Generation steckt und vorerst auf neue Modelle verzichtet.

Besonders neugierig macht die Frage nach einem Raspberry Pi 5. Im Prinzip gilt für Upton dabei das olympische Motto “schneller, höher, weiter”: Mehr Arbeitsspeicher (die Architektur des RasPi4 erlaubt maximal 8 GByte), ein schnellerer Prozessor und USB-Bus sowie 2,5-GBit-Ethernet. Aktuell arbeite man aber nicht konkret an der nächsten RasPi-Generation, so Upton. Stattdessen konzentrieren sich die Entwickler auf Software, etwa das Upgrade von Pi OS auf die Basis von Debian 11 “Bullseye”, das Ende Juli 2021 erscheinen soll. Von den Fortschritten an der Software profitieren alle RasPi-Nutzer, nicht nur die, die in neue Hardware investieren.

2022 dürfen wir uns allerdings über ein neues Display freuen – vielleicht. Das Raspberry Pi Touch Display [3] gehört zu den ältesten Artikeln im offiziellen Raspberry-Pi-Shop. Monatlich werden nach wie vor über 20 000 Einheiten des Displays verkauft. Es wurde der Öffentlichkeit jedoch schon 2015 präsentiert, also vor über sechs Jahren [4]. Seitdem steht es unverändert im Regal, die Auflösung von 800 x 480 Pixel ist aber nicht mehr zeitgemäß. Wegen Beschränkungen des im RasPi verbauten MIPI Display Serial Interface [5] lässt sich eine Full-HD-Auflösung bislang jedoch nicht umsetzen. Zudem sei es aktuell schwer, an LCD-Glas zu kommen, lässt Upton wissen – am Ende liegt es also wieder an den Lieferketten.

Hoffen wir also, dass die nächste Corona-Welle flach ausfällt und dass nicht wieder ein Schiff im Suez-Kanal quersteht. Nicht auszudenken, was dann passiert. Auf jeden Fall: Bleiben Sie gesund!

Herzliche Grüße

Christoph Langner

Redakteur

Infos

  1. Q&A mit Eben Upton: https://youtu.be/19Y_u11kQDk
  2. QSuper Speed USB 3.0 Host Controller: https://www.via-labs.com/product_show.php?id=48
  3. Raspberry Pi Touch Display: https://www.raspberrypi.org/products/raspberry-pi-touch-display
  4. RPi Display: Christoph Langner, “Bildschirm für Bastler”, RPG 06/2015, S. 18, https://www.raspi-geek.de/35804
  5. MIPI Display Serial Interface: https://www.mipi.org/specifications/dsi
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