Zwei Ubuntu-Betriebssysteme auf dem Raspberry Pi 2

© Anna Liebiedieva, 123RF

Richtig beerig

Canonical zögerte lange mit einem Image für den Raspberry Pi. Mit der zweiten Pi-Generation ändert sich dies: Gleich zwei Ubuntu-Systeme sind auf die Himbeere gekommen – eins für den Desktop und eins für die Cloud.

Wer sich bis vor Kurzem nach Distributionen für den Raspberry Pi umschaute, der musste mit Ubuntu auf einen prominenten Namen verzichten. Canonical bietet zwar seit Längerem eine ARM-Version seiner Ubuntu-Distribution an, diese setzt allerdings die ARMv7-Architektur des ARM-Cortex-A-Zweigs voraus. Die Raspberry Pis der ersten Generation bringen jedoch nur einen ARMv6 aus der ARM11-Familie mit. Ubuntu und der RasPi passten somit nicht zusammen.

Mit dem Start des Raspberry Pi 2 ändert sich dies nun: Der auf der zweiten Generation des RasPi aufgebrachte Broadcom-Chip BCM2709 basiert auf einem ARMv7-Layout und ist somit nun zu Ubuntu kompatibel, ohne dass Canonical seine ARM-Version tief greifend überarbeiten musste.

Randnotiz

Ebenfalls erfreut über das Upgrade der Architektur war Microsoft: Der Konzern aus Redmond will das künftige Windows 10 ebenfalls für den Mini-PC an den Start bringen.

Die Entwickler von RasPi-Images müssen ihre Software nun an die neue Architektur anpassen, da der neue CPU-Kern neue Treiber verlangt. Die meisten Distributionen sind dieser Aufgabe sehr schnell nachgekommen. Canonical hat schon am ersten Verkaufstag von Version 2, Modell B des RasPi ein passendes Image von Snappy Ubuntu Core [1] bereitgestellt, das auf dem minimalen Ubuntu Core basiert (siehe Kasten "Internet der Dinge").

Internet der Dinge

Snappy Ubuntu Core ist Canonicals Vorstoß in die Cloud und ins Internet der Dinge (IoT). In Kombination mit der Containerverwaltung Docker [10] will Mark Shuttleworth mit Snappy Red Hat, CoreOS und all den anderen, die sich ein Stück vom Kuchen abschneiden wollen, Paroli bieten. Dafür hat sich Canonical breit aufgestellt und bietet Snappy Core für viele Plattformen an. Neben Amazon EC2, Microsoft Azure und Googles Compute Engine läuft Snappy virtualisiert in KVM, VirtualBox oder Vagrant.

Auf der Hardware-Seite gibt es neben der Unterstützung für den Raspberry Pi 2 auch Support für das Beagleboard Black, weitere Platinen sind in Planung. Kooperationen mit großen Partnern wie Microsoft, Google, Docker Inc., der Telekom oder OpenStack werden durch Projekte mit Partnern aus der Maker-Szene wie Ninja Sphere, Erle Robotics sowie weiteren Entwicklerboard-Herstellern wie Odroid, Banana Pro, Udoo, PCDuino, Parallella und Chip-Herstellern wie Allwinner ergänzt. Snappy Core soll bald in Routern und anderen netzwerkfähigen Geräten laufen und so die leidige Situation in Bezug auf Firmware-Updates der einzelnen Hersteller verbessern helfen.

Wir schauen uns an, was Snappy auf dem Raspberry Pi auszeichnet. Vergleichende Benchmarks mit dem Raspbian-Image von Debian deuteten bereits die Leistungsfähigkeit des Systems an. Neben dem offiziellen Snappy für den Raspberry Pi gibt es ein von der Ubuntu-Community herausgegebenes Image mit Ubuntu 14.04 LTS "Trusty Tahr" für den Raspberry Pi der zweiten Generation. Auch auf dieses werfen wir einen Blick.

Das RasPi2-Image von Ubuntu Snappy Core laden Sie entweder von der Webseite des Raspberry-Pi-Projekts herunter oder verwenden die Version vom Datenträger der Printausgabe.

Das nach dem Entpacken des Archivs vorliegende Image pi-snappy.img schreiben Sie unter Linux wie gewohnt mit dem Befehl dd (Listing 1, Zeile 12) auf eine mindestens 4 GByte fassende Micro-SD-Karte, die Device-ID ermitteln Sie dabei am besten mit dem Kommando lsblk. Um alle Funktionen von Snappy Core zu nutzen, sollten Sie allerdings zu einer SD-Karte mit mindestens 8 GByte Kapazität greifen.

Listing 1

 

$ lsblk
NAME   MAJ:MIN RM   SIZE RO TYPE MOUNTPOINT
sda      8:0    0 232,9G  0 disk
|-sda1   8:1    0    26G  0 part /
|-sda2   8:2    0 202,9G  0 part /home
|-sda3   8:3    0     4G  0 part [SWAP]
sdc      8:32   1   7,4G  0 disk
|-sdc1   8:33   1    64M  0 part /run/media/toff/system-boot
|-sdc2   8:34   1     1G  0 part
|-sdc3   8:35   1     1G  0 part
|-sdc4   8:36   1   744M  0 part
$ sudo dd if=pi-snappy.img of=/dev/sdc bs=1M && sync

TIPP

Windows-Anwender greifen zum Schreiben des Images auf ein Programm wie Win32 Disk Imager zurück.

Erster Kontakt

Nachdem Sie den RasPi 2 per Kabel ans LAN sowie an einen Monitor und eine Tastatur angeschlossen haben, starten Sie das System durch Verbinden mit dem Netzteil. Nach dem üblichen Farbverlauf des Bootloaders erscheinen nach kurzer Zeit vier Himbeeren, stellvertretend für die vier Kerne des neuen Modells. Verzichten Sie auf einen Monitor, lesen Sie die IP-Adresse des Systems auf dem Router aus oder ermitteln sie mithilfe des folgenden Befehls:

nmap -sn Subnetz

Den beim Scan durchsuchten Subnetzbereich müssen Sie dabei an die von Ihnen genutzten IP-Adressen anpassen (Beispiel: 192.168.178.0/24). Anschließend loggen Sie sich mittels SSH oder im Terminal ein, Passwort und Login lauten im Auslieferungszustand jeweils ubuntu (Abbildung 1). Für Root-Rechte setzen Sie – wie bei Ubuntu gewohnt – ein sudo vor den jeweiligen Befehl und wiederholen das Login-Passwort.

Abbildung 1: Das Snappy-Image für den Raspberry Pi 2 bringt von Haus aus einen aktiven SSH-Server mit.

Wie bei einem frisch installierten Linux üblich, spielen Sie im ersten Schritt die im Repository bereitliegenden Updates ein. Möchten Sie das System länger verwenden, sollten Sie anschließend aus Gründen der Sicherheit mit passwd ein neues Passwort setzen und mit sudo usermod -l neuername ubuntu den Benutzernamen des Standardbenutzers ändern.

Umgewöhnung

Ubuntu basiert bekanntlich auf Debian. Aus alter Gewohnheit kommen daher beim Testen schnell Befehle wie apt-get update und apt-get upgrade zum Verwalten der Pakete in den Sinn. Diese bewirken im vorliegenden Fall allerdings nichts (Listing 2), da die Cloud-Software zwar auf Dpkg [2] als Unterbau setzt, anstelle von Apt aber auf die Eigenentwicklung Snappy. Dabei steht dies nicht nur für das Frontend, sondern zusätzlich für ein neues, einfacheres Paketformat.

Listing 2

 

$ apt-get update
Ubuntu Core does not use apt-get, see 'snappy --help'
$ sudo apt-get install docker
Ubuntu Core does not use apt-get, see 'snappy --help'

Dies ist nicht das einzige Alleinstellungsmerkmal. Es lohnt sich ebenfalls, sich ein wenig näher mit den Grundlagen des Cloud-Systems zu befassen: Wie Red Hats Atomic und CoreOS bietet das System von Canonical sogenannte atomare Updates [3] und Rollbacks.

Aktualisierungen erhält das System also im Ganzen, in der Art eines Image. Geht dabei etwas schief, erlaubt der neue Ansatz, die gesamte Prozedur rückgängig zu machen. Diese Rollback-Funktion ist auch der Grund, warum Sie eine SD-Karte mit mindestens 8 GByte Speicherplatz verwenden sollten.

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