Mit Ubos eine private Cloud aufsetzen

© Jakub Jirsak

Du bist der Boss

Immer mehr Menschen möchten die Kontrolle über ihre Daten behalten. Der Weg zur eigenen Cloud fällt kaum leichter als mit Ubos – und das ganz ohne grafische Oberfläche.

Nie waren Maßnahmen zum Schutz von Daten und Privatsphäre wichtiger als nach den Erkenntnissen der letzten zwei Jahre. Die NSA-Affäre hat schonungslos klargemacht, dass selbst die schlimmsten Befürchtungen über den Datenhunger von Regierungen und Unternehmen bei Weitem zu kurz gedacht waren.

Der amerikanische Geheimdienst scannt alle E-Mails, und Google, Facebook und andere horten persönliche Daten und verkaufen sie zu Werbezwecken an alle, die bei drei nicht auf den Bäumen sind. Seit das Ausmaß dieser Spitzelei bekannt ist, interessieren sich Anwender zunehmend dafür, Daten nicht den Datenkraken zu überlassen.

Als Google 2012 mit Nest Labs [1] eine Firma aus dem Bereich Heimautomation erwarb, eröffnete das Unternehmen sich einen weiteren Weg in Wohnungen und Häuser. Demgegenüber findet in der Maker-Szene und verwandten Communities ein Prozess statt, der auf für jeden umsetzbare Datenhaltung in Eigenverantwortung abzielt. Hier ist das Projekt Ubos vorne mit dabei.

Nicht jeder Anwender ist in der Lage, Lösungen, die ihm die Kontrolle über seine Daten ermöglichen, technisch umzusetzen und zu pflegen. Ein eigener, schlecht abgesicherter Server im Netz gerät leicht in falsche Hände und richtet so unverhofft großen Schaden an.

Alles in einem

In letzter Zeit stehen deshalb immer mehr Lösungen sowohl für sicherere E-Mail als auch für das Hosting von Webapplikationen im Fokus von Entwicklern. Ziel ist es, Anwender mit geringen Computerkenntnissen an die Hand zu nehmen und zu befähigen, Daten selbst im Netz zu verwalten. Dazu zählen Mailanbieter, die Anonymisierung und Verschlüsselung so einfach wie möglich gestalten, oder eben Software-Projekte wie Owncloud, ArkOS und Ubos.

Mit Ubos setzen Sie in wenigen Schritten einen Heimserver auf, auf den Sie mit nur einem Befehl und wenigen Angaben verschiedene Webapps integrieren, auf die Sie dann mit dem Browser zugreifen. Die derzeit unterstützten Webapps entnehmen Sie der Tabelle "Applikationen". Das Framework Jenkins kommt ebenfalls bei der Arbeit an Ubos zum Einsatz. Ein App-Store ist geplant, für versierte Anwender besteht die Möglichkeit, selbst Apps einzubinden.

Applikationen

Wordpress

Blogging-Plattform

Known

Blogging-Plattform mit guter Integration in soziale Netzwerke

Owncloud

Privater Cloud-Dienst

Wikimedia

Wiki-Plattform

Selfoss

RSS-Aggregator

Shaarli

URL-Shortener

Jenkins

Entwicklungs- und Build-Plattform,

Was die Hardware angeht, braucht sich niemand für einen eigenen Server in Unkosten zu stürzen: Die meisten Programme begnügen sich mit einem älteren, umfunktionierten PC oder mit einem Mini-PC wie dem RasPi, der gerade in neuer Version mit stärkerer Hardware und mehr Anschlüssen als Version 2, Modell B auf den Markt kam.

Noch einfacher gelingt das Vorhaben, wenn Sie zu fertigen Produkten wie der um Ubos herum entwickelten Indie Box [2] greifen. Ubos stammt aus dem Projekt, das das Crowdfunding über Indiegogo abgebrochen hatte, um die Hardware zum Nachbessern zurück auf das Reißbrett zu holen. Die Software, die auf Arch Linux aufsetzt, ist jedoch fertig und mittlerweile im fortgeschrittenen Betastadium, eine finale Version planen die Entwickler für den Sommer.

Der deutschstämmige, in Kalifornien lebende Entwickler Johannes Ernst lädt ausdrücklich dazu ein, ihm Fragen zu Ubos im IRC-Chat auf dem Server Freenode im Kanal #ubos auf Deutsch zu stellen, falls die letzte Unterrichtsstunde in Englisch schon weiter zurückliegt. Ernst ist dort unter dem Pseudonym j12t zu erreichen. Darüber hinaus steht auf der Webseite eine Dokumentation bereit. Diese ist allerdings noch im Aufbau und nicht in allen Bereichen vollständig.

Einfaches Update

Ubos bringt keine grafische Bedienoberfläche mit. Da Sie jedoch nur wenige Befehle benötigen, um Ubos aufzusetzen und zu administrieren, reicht ein Terminal hier vollkommen aus. Eine GUI wäre sogar eher hinderlich. Wenn Sie erst einmal die gewünschten Applikationen aufgesetzt haben, sehen Sie Ubos lediglich beim Aktualisieren der Software, wobei Sie mit einem Befehl sowohl Pakete als auch Apps auf den neuesten Stand bringen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Update von System und installierten Applikationen gelingt bei Ubos mit einem Befehl im Terminal.

Ubos legt Linux-Anwendern, die keine Scheu vor einer Handvoll kurzer Befehle auf der Kommandozeile haben und gegebenenfalls bereit sind, ab und an einen Blick in die Dokumentation oder das exzellente Wiki von Arch Linux [3] zu werfen, keine große Hürden in den Weg.

Das Projekt verwendet Arch als Grundlage, da dieses es einfach macht, ein schlankes System aufzusetzen. So ist der Bestand an installierter Software auf das Nötigste reduziert. Es steht Ihnen aber frei, aus dem stets sehr aktuellen Fundus von Arch Linux zusätzliche Pakete zu installieren.

Da das System ursprünglich für die völlig wartungsfrei geplante Indie Box gedacht war, benötigt es – einmal aufgesetzt – nicht zwingend ein Display, was es erlaubt, die Hardware versteckt unterzubringen. Zum Aktualisieren bemühen Sie dann einen SSH-Zugang oder einen Cronjob.

Das Ubos-Projekt bietet vier verschiedene komprimierte Images zum Herunterladen an. Zwei sind für die Raspberry-Pi-Modelle B, B plus und 2B, ein weiteres ist zur Installation auf PCs gedacht. Das dritte Image ist eine für VirtualBox vorbereitete Image-Datei, die es ermöglicht, den Server selbst unter Windows oder MacOS X zu nutzen.

Empfohlen ist aber eine feste Installation auf einem PC, da Sie in der virtuellen Maschine entweder Bridging für das Netzwerk verwenden oder eine zweite virtuelle Karte einrichten müssen, um die Arbeit im Browser zu ermöglichen.

Zum Testen empfiehlt es sich, falls möglich, das Image auf einen USB-Stick zu legen und von diesem das System zu starten. Die darin aufgesetzten Webapps merkt sich Ubos ebenso wie die auf Deutsch umgestellte Tastatur, sodass auch intensiveren Testläufen inklusive Neustarts nichts im Wege steht.

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