Alternatives RasPi-Betriebssystem RISC OS

© Christos Georghiou, 123RF

Neue Welt

Die meisten Image-Dateien für den Raspberry Pi bestehen aus mächtigen Linux-Distributionen. RISC OS ist anders, denn es handelt sich dabei um ein vollkommen eigenständiges Betriebssystem.

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Der Artikel beschreibt die grundlegenden Interna und liefert eine Einführung in die Benutzung von RISC OS für den Raspberry Pi. Darüber hinaus wirft er einen Blick auf die für das Betriebssystem verfügbare Software und zieht einen kurzen Vergleich zu Raspbian.

Bereits in den Achtzigerjahren verkaufte der britische Hersteller Acorn Homecomputer mit ARM-CPUs. Für diese entwickelte er das Betriebssystem RISC OS. Doch irgendwann waren die Tage der Homecomputer endgültig gezählt, und Acorn stellte im Jahr 2000 den Geschäftsbetrieb ein. Die ARM-Prozessorarchitektur jedoch war und ist unter Geräteherstellern weiterhin sehr beliebt. In den letzten Jahren veranlasste das den heutigen Rechteinhaber von RISC OS, Castle Technology Ltd., zusammen mit der Initiative "RISC OS Open" (https://www.riscosopen.org) das Betriebssystem auf neu verfügbare Geräte zu portieren und es weiterzuentwickeln. Neben Beagleboard und Pandaboard erhielt unter anderem auch der RasPi schon früh nach seinem Erscheinen eine eigene Version.

Das Betriebssystem basiert auf einem sehr schlanken Kern und bootet innerhalb von Sekunden in einen aufgeräumten, übersichtlichen Desktop (Abbildung 1). Nicht zuletzt wegen der auch durch den RasPi wiedererstarkten Community – in Großbritannien existieren acht aktive, lokal verankerte Usergroups – lohnt sich ein Blick auf RISC OS.

Abbildung 1: Die Desktop-Umgebung von RISC OS wirkt nur auf den ersten Blick ähnlich wie ein Linux-Desktop.

Erste Schritte

Nach dem ersten Start mit einem auf eine SD-Karte geflashten RISC OS müssen Sie dem Betriebssystem Internetzugriffe zunächst explizit erlauben. Dies sollten Sie möglichst direkt erledigen, damit Sie mit dem Paketmanager neue Software herunterladen können. Auch ist der Netzzugriff deswegen von besonderem Interesse, da der Raspberry Pi keine Echtzeituhr besitzt und somit Datum und Uhrzeit nur über das Internet synchronisiert.

Zum Aktivieren des Internetzugangs klicken Sie auf das Desktop-Icon !Configure und hangeln sich anschließend durch das Menü Network | Internet, worin Sie Enable TCP/IP Protocol Suite aktivieren. Close und Save schließen den Vorgang ab. Sofern der RasPi mit dem Internet verbunden ist, steht der Zugriff darauf nach einem Neustart zur Verfügung. !Configure bietet übrigens auch die Möglichkeit, die Tastaturbelegung auf Deutsch umzustellen.

Eigene Paradigmen

Zwar sieht RISC OS auf den ersten Blick anderen Desktop-Systemen sehr ähnlich, trotzdem stoßen Neubenutzer bei dessen Bedienung anfänglich oft auf Probleme. Diese lassen sich schnell ausräumen, wenn Sie die Designunterschiede dieses Betriebssystems gegenüber anderen kennen. Der wichtigste davon: RISC OS wurde in mehreren Bereichen massiv auf Drag & Drop ausgelegt – meist gibt es auch keinen anderen Weg, um eine bestimmte Aktion auszuführen.

Möchten Sie beispielsweise in einem beliebigen Programm eine Datei öffnen, finden Sie keinen Dateiauswahl-Dialog, in der Regel nicht einmal einen Schalter oder Menüpunkt dafür. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Zeichenprogramm, eine Videoschnitt-Software oder einen Texteditor handelt.

Stattdessen öffnen Sie auf dem Desktop ein Fenster mit dem Verzeichnis, welches die gesuchte Datei enthält, klicken diese an und ziehen sie auf das Fenster des Programms, mit dem Sie sie öffnen wollen. Beim Abspeichern dagegen fordert Sie das jeweilige Programm zum Eingeben eines Dateinamens auf, anschließend erscheint ein Icon. Dieses schieben Sie nun in ein Verzeichnisfenster des Desktops, um RISC OS auf diese Weise den Speicherort mitzuteilen.

Ebenfalls ungewohnt wirkt der Ansatz, Dateien auf Webseiten hochzuladen, etwa um innerhalb der Weboberfläche des eigenen E-Mail-Anbieters Attachments an eine Nachricht anzuhängen: Innerhalb der gerenderten Webseite erscheint eine freie Fläche. Diese enthält jedoch nicht wie auf anderen Systemen einen Schalter, der zu einem Dateiauswahl-Dialog führt. Stattdessen schieben Sie das Icon der hochzuladenden Datei, das Sie vorher aus dem Desktop-Fenster des lokalen Pfads herausbewegt haben, auf diese Fläche.

Unter Windows, Mac OS X oder Linux dient Drag & Drop eher dazu, Dateien von einem Verzeichnis in ein anderes zu schieben – und stellt selbst dann nur eine von mehreren Möglichkeiten dar, das zu erledigen. Bei RISC OS verschieben Sie Dateien ebenfalls auf diese Weise – nur ist es dort die einzige Methode dafür. Die Punkte Kopieren beziehungsweise Einfügen tauchen im Kontextmenü nicht auf.

Darüber hinaus sollten Sie wissen, dass ein Klick auf ein Programmfenster dieses nicht wie auf vielen anderen Systemen in den Vordergrund holt: Unter RISC OS erhält es dadurch lediglich den Eingabefokus. Nehmen wir an, der Webbrowser verdeckt größtenteils das Fenster das Texteditors. Sie möchten nun an einer Datei weiterarbeiten, die Sie im Editor geöffnet haben.

Nach einem Klick auf den Editor und das Eintippen eines Satzes passiert nichts zunächst Erkennbares: Der Editor liegt weiterhin größtenteils verdeckt unter dem Browser, doch er hat den eingetippten Text empfangen. Um ein Fenster explizit in den Vordergrund zu holen, klicken Sie auf dessen Titelleiste. Falls diese komplett verdeckt ist, finden Sie in der oberen linken Fensterecke des überlagernden Programms ein Icon, mit dem Sie dieses in den Hintergrund schicken.

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