Die Mahner blieben ungehört: Seit Jahren geht der Trend zum Outsourcing von IT-Ressourcen jeglicher Art – das meiste davon Richtung USA. Das könnte uns nicht nur angesichts der politischen Lage böse vor die Füße fallen.
Seien es E-Mail-Dienste wie Outlook, Cloud-Speicher von Amazon oder Analysewerkzeuge von Google: So gut wie jedes Unternehmen setzt in irgendeiner Form Dienste amerikanischer Anbieter ein, häufig auch in systemkritischen Bereichen. Das merkt man schnell, wenn beispielsweise Microsofts Clouddienste wieder mal Schluckauf haben, wie diese Tage erst passiert. Zehntausende konnten über Stunden nicht mehr auf ihre Mails zugreifen.
Doch temporäre Systemausfälle sind nur ein Aspekt des Themas. So gab Microsoft erst kürzlich bekannt, dass es zum 5. Mai den viel genutzten Messenger Skype for Business abschaltet. Ähnlich verhält es sich mit Google, das sehr viele seiner Dienste mehr oder weniger unvermittelt vom Netz genommen hat.
Jetzt gesellt sich allerdings ein weiteres Problem hinzu: Die aktuell angespannte politische Lage zwischen Europa und den USA lässt im Augenblick schwer Prognosen zu, wohin die Reise führt. Sie könnte dazu führen, dass die Trump-Administration auch auf der IT-Ebene die Daumenschrauben anzieht. Man stelle sich vor, Amazon, Apple, Microsoft oder Google würden auf Geheiß seine Dienste für Europa einschränken oder sperren – das würde unserer IT faktisch den Stecker ziehen – woran wir zu einem nicht geringen Teil selbst schuld wären. Auf US-Clouds ist strategisch wie politisch zumindest aktuell kein Verlass mehr. Mahner, die das Aufgeben der eigenen IT-Autonomie für keine übertrieben gute Idee halten, gibt es seit Jahrzehnten.
Das Rückbesinnen auf eine eigene, unabhängige IT-Infrastruktur wäre das Gebot der Stunde. Doch das erfordert ein Umdenken auf sehr vielen Ebenen. Denn das beträfe nicht nur die Services, sondern auch die Clients. Denn Microsoft hat Windows im Laufe der Jahre so eng mit dem Konzern verbandelt, dass hier das gleiche gälte: Verweigert der Konzern aus welchen Gründen auch immer die Zusammenarbeit mit Europa, gingen relativ schnell die Lichter aus.
Mir ist bewusst, dass es sich dabei nur um spekulative Befürchtungen handelt, die allerdings angesichts der kompletten Unberechenbarkeit des US-Präsidenten relativ schnell zur Realität werden könnten.
Herzliche Grüße,
Thomas Leichtenstern
Redakteur



