Die halbe Welt jubelt über die neue Errungenschaft namens KI. Was vielen aber nicht bewusst ist: Nicht nur das Konsolidieren und Generieren der Daten kostet Unmengen an Energie, auch das Nutzen der künstlichen Intelligenz.
Zwischenzeitlich sind webbasierte KI-Chats beinahe omnipräsent: Google integriert sie direkt im Browser, Microsoft ebenso. Doch – was vielen nicht bewusst ist: KI braucht Strom, un das sehr viel davon. In Zahlen ausgedrückt: Jede Abfrage einer textbasierten KI wie ChatGPT und oder Gemini von Google verbraucht etwa 3 Watt Strom; zum Vergleich benötigt eine Google-Suche nur ein Hundertstel davon.
Erheblich drastischer fällt der Energieverbrauch bei Bildgeneratoren wie Stable Diffusion aus. Wer das selbst herausfinden möchte, installiert mit dem im Heft vorgestellten KI-Browser Pinokio einen der Bilder-KIs und probiert ihn aus. Schnell stellt sich heraus, dass alle verfügbaren Lüfter in kürzester Zeit auf Maximum hochdrehen – ein Blick auf den Leistungs-Monitor klärt auf, warum: Der Rechner läuft auf Volllast. Ähnlich verhält es sich, wenn Sie KI-Dienste im Netz verwenden. Forscher des AI-Startups Hugging Face und der Carnegie Mellon University stellten fest: Das Erstellen eines hochauflösenden Bildes mithilfe eines leistungsstarken KI-Modells wie Stable Diffusion benötigt ähnlich viel Energie wie das vollständige Aufladen eines Smartphones.
Und das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Die nächste Generation an Multimedia-KIs, etwa Sora von OpenAI, generiert nicht nur Bilder, sondern ganze Filme. Entsprechend steigt der Energiebedarf.
Doch auch das Zusammenstellen der KI-Modelle schlägt ordentlich ins Kontor. Forscher schätzen, dass das Training von GPT-3 1.287 Megawattstunden Strom verbraucht hat. Zur Erinnerung: Dieses Modell besitzt “lediglich” 175 Milliarden trainierte Parameter, die Nachfolgeversion 4 geschätzt über 100 Billionen. Welchen immensen Aufwand das bedeutet, kann sich jeder selbst ausrechnen.
Schon jetzt erzeugt die gesamte Informations- und Kommunikationstechnik laut Schätzungen etwa 2 bis 4 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. Damit liegt sie etwa im Bereich des weltweiten Flugverkehrs. “KI ist der neue Treiber in diesem Bereich geworden”, meint Stefan Naumann, Professor für Nachhaltigkeitsinformatik am Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier.
Herzliche Grüße,
Thomas Leichtenstern
Redakteur



