Aus Raspberry Pi Geek 03/2024

RasPi als Home-Theatre-Server mit Jellyfin

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Film ab!

Erik Bärwaldt

Home-Theatre-Lösungen auf Basis von Kodi oder Plex erfreuen sich unter Film- und Audiofans großer Beliebtheit. Die innovative Media-Suite Jellyfin dagegen führt bislang zu Unrecht ein Dasein als Mauerblümchen.

Kodi [1] und Plex [2] haben sich vor allem aufgrund ihrer Verfügbarkeit auf vielen Plattformen Freunde gemacht. Während Kodi sich auf nahezu allen Linux-Derivaten problemlos einsetzen lässt, unterstützt Plex zudem sehr viele NAS-Systeme. Dementsprechend können Sie diese als Media-Server nutzen und gleichzeitig große Speicherkapazitäten für Multimediainhalte bereitstellen. Das erstmals im Jahr 2018 freigegebene und vom Emby Media-Server abgeleitete Jellyfin konzentriert sich ebenso auf Linux als Plattform, unterstützt jedoch auch das Flatpak-Paketverwaltungssystem und Docker-Containerumgebungen [3]. Der Neuling eignet sich zusätzlich für den Einsatz auf dem Raspberry Pi, sodass Sie den Kleincomputer als energie- und platzsparenden Media-Server für Ihr Home Theatre verwenden können.

Wie bei der Plex Media-Suite verbirgt sich hinter Jellyfin eine Client/Server-Anwendung. Für alle gängigen Desktop-Betriebssysteme, aber auch mobile Geräte wie Smartphones und Tablets stehen daher Client-Applikationen zur Verfügung, die Inhalte vom Server abrufen und abspielen. Der einfachste Weg, Multimediainhalte vom Jellyfin-Server abzuspielen, besteht allerdings in der Wiedergabe im Webbrowser. Dazu braucht es weder die Installation einer Browser-Erweiterung noch einer dedizierten Client-Software. Diese Wiedergabemethode eignet sich dementsprechend bestens für Desktop-Systeme.

Im Unterschied zu Plex arbeitet Jellyfin ohne eine zwangsweise Anbindung an einen Cloud-Server: Der Jellyfin Media-Server kann deswegen ohne Internet-Anbindung Inhalte bereitstellen, wobei Sie Offline- und Online-Quellen simultan nutzen können. Ein weiterer Vorteil von Jellyfin liegt im Lizenzmodell: Den Plex Media-Server vertreibt der Anbieter unter einem sogenannten Freemium-Modell, bei dem Sie kostenfrei nur auf die Basisfunktionen zugreifen können. Erweiterte Funktionen erhalten Sie ausschließlich über den kostenpflichtigen Plex Pass, und auch einige Apps sind lediglich gegen eine sogenannte Aktivierungsgebühr erhältlich. Zudem behält sich das US-amerikanische Unternehmen Plex Inc. das Recht vor, Daten seiner Kunden zu sammeln und sie mit Partnern zu teilen. Das Ziel dabei besteht darin, Werbung gezielter zu platzieren. Jellyfin dagegen ist komplett freie Software und vermarktet somit keinerlei Nutzerdaten.

Wermutstropfen

Jellyfin kann Videodateien transkodieren, um diese bei nicht vorhandenen Codecs verfügbar zu machen. Dabei kommen verschiedene Arten der Hardwarebeschleunigung zum Einsatz, während als Transkoder eine modifizierte Version von FFmpeg fungiert. Die Transkodierung von Inhalten beschränkt sich dabei nicht nur auf das Kodieren und Dekodieren der Daten, sondern bezieht auch Einstellungen wie das Deinterlacing oder die Skalierung von Videos mit ein.

Für den Raspberry Pi fehlt allerdings in weiten Teilen die Hardwareunterstützung für zahlreiche Funktionen, sodass Inhalte ausschließlich per Software transkodiert werden, was erheblich Rechenleistung bindet. Die Entwickler raten daher explizit davon ab, den Jellyfin-Server auf einem Raspberry Pi zu betreiben [4]. Im Test ließen sich erhöhte Latenzen bei verschiedenen Bildformaten jedoch nur bei hochauflösenden Inhalten feststellen, bei denen eine Skalierung nötig war. Es empfiehlt sich trotzdem, zumindest auf dem Raspberry Pi der vierten Generation keine Hardwarebeschleunigung für die Transkodierung einzuschalten.

Installation

Zunächst installieren Sie auf Ihrem Raspberry Pi die aktuelle Version von Raspberry Pi OS in der 64-Bit-Variante. Beachten Sie bitte, dass es dazu nicht erforderlich ist, das umfangreichste Abbild mit einer kompletten Suite von Anwendungsprogrammen zu wählen – eines der kleineren Abbilder genügt vollkommen. Die MicroSD-Karte Ihres Systems sollte einen möglichst schnellen Standard des Datentransfers unterstützen, um sich bei Übertragung großer Datenmengen nicht als Flaschenhals für unnötige Latenzen zu entpuppen.

Nachdem Sie das Betriebssystem installiert und auf den aktuellen Stand gebracht haben, öffnen Sie nach einem Neustart ein Terminal und integrieren den Jellyfin-Server in das System. Die Entwickler stellen dazu nicht nur eine umfangreiche Dokumentation für mehrere Linux-Distributionen zur Verfügung, sondern bieten für Debian- und Ubuntu-Nutzer zusätzlich ein vorgefertigtes Skript, das das Jellyfin-Repository in Ihr System einbindet und die Installation vornimmt [5]. Dazu geben Sie am Prompt die untenstehende Befehlsfolge ein. Das Skript führt daraufhin alle erforderlichen Schritte durch und startet schließlich den Jellyfin-Server:

$ curl https://repo.jellyfin.org/install-debuntu.sh | sudo bash

Danach legen Sie über einen herkömmlichen Dateimanager oder die Kommandozeile eine Verzeichnisstruktur für die lokal zu sichernden Inhalte an. Für Videos, Audiodateien oder Trailer erzeugen Sie jeweils eigene Verzeichnisse und Unterverzeichnisse. Behalten Sie bitte im Hinterkopf, dass Jellyfin zwischen Filmen und Serien unterscheidet und es somit bei Bedarf mehrere entsprechende Verzeichnisse braucht. Damit im später zu nutzenden Dialog zur Anlage von Bibliotheken die Verzeichnisse alle angesprochen werden können, definieren Sie File-Access-Control-Listen, indem Sie den folgenden Befehl eingeben:

$ sudo setfacl -m u:jellyfin:rx /<I>Pfad<I>/<I>zu<I>/<I>Dateien<I>/

Nun erreichen Sie von einer beliebigen Maschine in Ihrem Intranet aus den Jellyfin-Server auf dem Raspberry Pi durch Eintippen der URL http://<I>RasPi-IP<I>:8096 im Webbrowser. Im nächsten Schritt landen Sie in einer Konfigurationsroutine, in der Sie zunächst die Lokalisierung auf die deutsche Sprache umstellen. Danach richten Sie einen Nutzer mit Authentifizierungsdaten ein (Abbildung 1).

Abbildung 1: Bei Jellyfin erleichtert ein grafischer Assistent die Grundkonfiguration.

Abbildung 1: Bei Jellyfin erleichtert ein grafischer Assistent die Grundkonfiguration.

Daraufhin erstellen Sie mithilfe des Schalters Add Media Library eine erste Medienbibliothek. Geben Sie im nachfolgenden Dialog an, um welche Art von Multimediainhalt es sich handelt, wie die Software die Bibliothek anzeigen soll, und welchen Pfad zur Bibliothek sie berücksichtigen soll. Definieren Sie außerdem, in welcher Sprache Jellyfin Inhalte bevorzugt laden soll.

Im weiteren Verlauf des Einstellungsdialogs stellen Sie anhand vordefinierter Vorgaben ein, aus welcher Quelle Sie Metadaten zu den Multimediainhalten wie Angaben zu Musiktiteln oder Fotos der Künstler beziehen möchten. Dabei müssen Sie lediglich Häkchen vor den entsprechenden Optionen setzen, um die Quellserver anzusprechen. Sobald Sie alle Einstellungen vorgenommen haben, bestätigen Sie mittels OK. Die Software wechselt nun zurück in die Übersicht und blendet die neu angelegte Bibliothek ein.

Ein Mausklick auf Next befördert Sie in einen Dialog, in dem Sie die bevorzugte Sprache für die zu ladenden Metadaten angeben. Wie bereits im vorhergehenden Dialog nutzen Sie dazu entsprechende Auswahlfelder. Im letzten Schritt können Sie noch den direkten Zugriff auf den Jellyfin-Server aus dem Internet von anderen Computern oder Mobilsystemen aus gestatten. Ein Klick auf Finish schließt die Grundkonfiguration ab und die Routine lädt für die neu angelegte Bibliothek die Metadaten der einzelnen Inhalte aus dem Internet. Anschließend öffnet sich ein Fenster zum Einloggen auf dem Server. Nach Eingabe Ihrer Authentifizierungsdaten gelangen Sie in Ihre individuelle Oberfläche. Dort sehen Sie die angelegten Bibliotheken oben horizontal, während darunter bereits die einzelnen Inhalte der Bibliotheken erscheinen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Jellyfin gl&auml;nzt mit einer eing&auml;ngigen und &uuml;bersichtlichen Oberfl&auml;che.

Abbildung 2: Jellyfin glänzt mit einer eingängigen und übersichtlichen Oberfläche.

Bedienung

Durch Scrollen mit den über jeder Bibliothek angeordneten Pfeiltasten nach links oder rechts bewegen Sie sich in den jeweiligen Ordnern. Sobald Sie die Inhaltsbilder mit dem Mauszeiger berühren, taucht mittig Play zum Wiedergeben des betreffenden Inhalts auf. Dabei transkodiert die Anwendung – falls nötig – die vorhandenen Daten auf dem Raspberry Pi und schickt sie an den Web-Client. Die integrierte Abspielsoftware gibt die Inhalte sodann im Webbrowser des Client-Computers wieder.

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