All das verlangt allerdings nach einer Verknüpfung mit dem Benutzerkonto. Dazu gibt der Lautsprecher beziehungsweise die Anwendung eine Buchstabenfolge aus, die Sie im Benutzerkonto im Web unter Devices eintragen. Im Benutzerkonto wählen Sie außerdem die gewünschte Stimme aus. Hier müssen Sie sich zwischen einer britischen oder einer amerikanischen Männerstimme entscheiden. Die Mycroft-Doku beschreibt zwar die Umstellung auf Deutsch, die technisch auch problemlos funktioniert. Die deutsche Version des Assistenten versteht jedoch kaum etwas, und die zugehörige Stimme schmerzt in den Ohren. Für den deutschen Markt ist das aktuell ein KO-Kriterium.
SEPIA: Installation
Während sich die Mycroft-Installation darauf beschränkt, den intelligenten Lautsprecher einzurichten, müssen Sie sich bei SEPIA zusätzlich um den zentralen Server und den STT-Server kümmern. Die gute Nachricht: Für alle Komponenten existieren vollständige Anleitungen und Skripte [6]. Letztere sind mit einfachen textbasierten Menüs strukturiert, Sie müssen nur die entsprechende Ziffer auswählen (Abbildung 4).

Abbildung 4: SEPIAs textbasiertes Menü führt Sie über Klicks auf die Ziffern direkt an die gewünschte Stelle.
Zuerst richten Sie SEPIA und seine Abhängigkeiten ein. Das Installationsmenü erlaubt darüber hinaus, Nginx als Reverse Proxy einzubinden. Das ist zwar optional, empfiehlt sich aber für spätere Testläufe. Direkt aus dem Menü starten Sie dann das Setup von SEPIA. Der STT-Server glänzt im Menü durch Abwesenheit. Um ihn einzurichten, laden Sie ein Skript von Github [7] herunter und folgen den Anleitungen. Insgesamt läuft die Installation aller Komponenten komplikationsfrei und mit minimaler Benutzerinteraktion ab. Es genügt, sich penibel an die Anleitung zu halten.
Für SEPIA gibt es mehrere Clients; neben einer Android-App kann jeder Webbrowser als Zugang dienen. Die Oberflächen unterscheiden sich dabei nur marginal (Abbildung 5). Der Autor nutzte als Client einen Firefox unter Linux auf einem Notebook. Nach Freigabe des Mikros im Browser chattete der Assistent auch per Sprache. Gut artikulierende deutsche Stimmen mit einer offenen Lizenz fehlen allerdings, und so klingt SEPIAs Assistent etwas blechern.
Damit ist die Server-Einrichtung abgeschlossen. Auch zum Einrichten des intelligenten Lautsprechers findet sich ein Skript auf der Github-Seite von SEPIA [8]. Der Autor integrierte zusätzlich diverse weitverbreitete Hardwarekomponenten in die Installation, wie Mikrofon-HATs oder Displays. Das vereinfachte das Aufsetzen im Vergleich zur Picroft-Variante.
Im Test für diesen Artikel liefen alle Komponenten flüssig auf einem Raspberry Pi 4. Der war zwar großzügig mit 8 GByte ausgestattet, aber das laufende System belegte nie mehr als 1 GByte. Die günstigeren RasPi-4-Varianten genügen also für den Betrieb völlig.
Integration
Sowohl die Anleitung von Mycroft als auch die von SEPIA beschreiben einfache Anwendungsszenarien, die vor allem zum Testen des Setups taugen. Auch die weitergehende Konfiguration behandeln beide. Für Fragen gibt es bei Mycroft ein Forum, bei SEPIA läuft alles über Github.
Mycroft hält sich bei den Erweiterungen an die Begrifflichkeit von Amazon und bietet einen Skill Marketplace an. Eine Übersicht finden Sie über das Dashboard Ihres Mycroft-Accounts [9]. Ein Sprachbefehl stößt die Installation an: “Hey Mycroft, install XYZ“. Das Angebot in diesem Punkt bleibt momentan jedoch noch sehr übersichtlich.
In Sachen Performance macht sich Mycroft überraschend gut. Boot-Vorgang und Systemstart ziehen sich zwar etwas hin, anschließend zeigt sich das System aber sehr reaktionsfreudig und beantwortet Fragen zügig, zur Not fragt es zurück. Das alles funktioniert jedoch nur auf Englisch zufriedenstellend. Eingebaute Features wie ein Wecker und eine Erinnerungsfunktion lassen sich intuitiv nutzen.
Bei Sachfragen liefert der digitale Helfer gemischte Ergebnisse. Die Frage nach Olaf Scholz beantwortete er genauso langatmig wie der betreffende Politiker die Fragen von Journalisten. Statt eines umfassenden Vortrags hätte man sich kurze Fakten mit einer Rückfrage nach der Langversion gewünscht. Das Oktoberfest an sich kannte Mycroft, bei der Frage nach dem Anfangsdatum musste er allerdings passen.
Die Engine hinter SEPIA zieht bei generischen Anfragen eindeutig den Kürzeren, was daran liegt, dass Mycroft Cloud-Dienste nutzt (und bezahlt), während SEPIA sich auf das Selbst-Hosting konzentriert. Abgesehen von dieser Schwäche lässt sich SEPIA einfach in lokale Smart-Home-Systeme integrieren, was das Wiki sehr gut beschreibt.
Fazit
Der Weg zu einem eigenen, smarten Privatsekretär ist holprig. Von der Basisinfrastruktur her betrachtet bieten sowohl Mycroft als auch SEPIA eine gute Grundlage. Bildlich gesprochen versucht Mycroft ein Fertighaus zu liefern, während SEPIA den Rohbau stellt. SEPIA ist dadurch deutlich flexibler. Bei beiden Systemen fällt die eigentliche Arbeit erst bei der Inneneinrichtung an, also während Sie die digitalen Assistenten in die eigene IT-Umgebung einbinden. Ohne gewisse Vorkenntnisse und die Bereitschaft, selbst Hand anzulegen, lässt sich keines der Systeme sinnvoll einsetzen.
SEPIA hat in Deutschland eindeutig die Nase vorn. Das Setup weist keine Abhängigkeiten zur Hardware auf und läuft bei Bedarf auf dem heimischen Server einfach mit. Bei Mycroft steckt zudem im Thema privater Assistent eine gewisse Ambivalenz: Im Vergleich zu den Cloud-Diensten der Konzerne sorgt der Mycroft-Proxy für einen gewissen Schutz, letztlich läuft trotzdem alles über den Server einer fremden Firma.
Insgesamt zeigt der Ausflug in die Welt der Open-Source-Assistenten zwei Dinge: Einerseits hat die Software eine Reife erlangt, die Ihnen ermöglicht, die digitalen Helfer für spezielle Szenarien mit überschaubarem Aufwand einzusetzen. Andererseits hat der Raspberry Pi in der vierten Generation eindeutig genug Reserven für komplexe Anforderungen. (csi)
Der Autor
Bernhard Bablok arbeitet bei der Allianz Technology SE als SAP-HR-Entwickler. Wenn er nicht Musik hört respektive mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs ist, beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux, Programmierung und Kleincomputer. Sie erreichen ihn unter mailto:[email protected].
Infos
- Seeed ReSpeaker : Bernhard Bablok, “Hört, hört!”, RPG 04/2022, S. 36, https://www.raspi-geek.de/46786
- SEPIA-Homepage: https://sepia-framework.github.io
- SEPIA auf Github: https://github.com/SEPIA-Framework
- Mycroft: https://mycroft.ai
- Mycroft auf Github: https://github.com/MycroftAI/enclosure-picroft/
- SEPIA-Installationsskripte: https://github.com/SEPIA-Framework/sepia-docs/wiki/Installation#raspberry-pi-installation-via-script
- SEPIA-STT-Server einrichten: https://github.com/SEPIA-Framework/sepia-stt-server
- SEPIA-Client einrichten: https://github.com/SEPIA-Framework/sepia-installation-and-setup/tree/master/sepia-client-installation/rpi
- Mycroft-Dashboard: https://account.mycroft.ai/dashboard






