Aus Raspberry Pi Geek 12/2022

Alternativen zu Alexa und Co. (Seite 2)

Nach der Installation startet ein Wizard (Abbildung 3), sobald Sie sich als der übliche User pi mit dem Passwort mycroft anmelden. Er aktualisiert das System, lädt insbesondere die Mycroft-Software und installiert alle Abhängigkeiten. Anschließend konfiguriert und testet er Mikrofon und Lautsprecher. Die letzten beiden Schritte betreffen die Sicherheit des Systems: So bietet Mycroft an, sudo mit einem Passwort zu schützen, und Sie können ein eigenes Kennwort für den User pi setzen.

Abbildung 3: Der Mycroft-Wizard übernimmt alle soft- und hardwareseitigen Einrichtungsschritte.

Abbildung 3: Der Mycroft-Wizard übernimmt alle soft- und hardwareseitigen Einrichtungsschritte.

Der ReSpeaker des Autors benötigt einen speziellen Treiber, damit Pi OS das Mikrofon erkennt. In so einem Fall brechen Sie den Wizard ab, installieren die Hardware, und der Wizard startet nach dem nächsten Anmelden erneut. Manuell rufen Sie ihn jederzeit über den Befehl mycroft-setup-wizard auf.

Sobald er seine Aufgaben erledigt hat, startet das Programm mycroft-cli-client. In dieser einfach gestrickten Konsolenanwendung sehen Sie, was auf dem System abläuft – zum Beispiel, was es versteht und welche sogenannten Skills es ausprobiert, um Ihre Fragen zu beantworten. Falls das Mikrofon oder die Audioausgabe nicht funktionieren, chatten Sie mithilfe dieser Anwendung direkt mit dem Assistenten.

All das verlangt allerdings nach einer Verknüpfung mit dem Benutzerkonto. Dazu gibt der Lautsprecher beziehungsweise die Anwendung eine Buchstabenfolge aus, die Sie im Benutzerkonto im Web unter Devices eintragen. Im Benutzerkonto wählen Sie außerdem die gewünschte Stimme aus. Hier müssen Sie sich zwischen einer britischen oder einer amerikanischen Männerstimme entscheiden. Die Mycroft-Doku beschreibt zwar die Umstellung auf Deutsch, die technisch auch problemlos funktioniert. Die deutsche Version des Assistenten versteht jedoch kaum etwas, und die zugehörige Stimme schmerzt in den Ohren. Für den deutschen Markt ist das aktuell ein KO-Kriterium.

SEPIA: Installation

Während sich die Mycroft-Installation darauf beschränkt, den intelligenten Lautsprecher einzurichten, müssen Sie sich bei SEPIA zusätzlich um den zentralen Server und den STT-Server kümmern. Die gute Nachricht: Für alle Komponenten existieren vollständige Anleitungen und Skripte [6]. Letztere sind mit einfachen textbasierten Menüs strukturiert, Sie müssen nur die entsprechende Ziffer auswählen (Abbildung 4).

Abbildung 4: SEPIAs textbasiertes Menü führt Sie über Klicks auf die Ziffern direkt an die gewünschte Stelle.

Abbildung 4: SEPIAs textbasiertes Menü führt Sie über Klicks auf die Ziffern direkt an die gewünschte Stelle.

Zuerst richten Sie SEPIA und seine Abhängigkeiten ein. Das Installationsmenü erlaubt darüber hinaus, Nginx als Reverse Proxy einzubinden. Das ist zwar optional, empfiehlt sich aber für spätere Testläufe. Direkt aus dem Menü starten Sie dann das Setup von SEPIA. Der STT-Server glänzt im Menü durch Abwesenheit. Um ihn einzurichten, laden Sie ein Skript von Github [7] herunter und folgen den Anleitungen. Insgesamt läuft die Installation aller Komponenten komplikationsfrei und mit minimaler Benutzerinteraktion ab. Es genügt, sich penibel an die Anleitung zu halten.

Für SEPIA gibt es mehrere Clients; neben einer Android-App kann jeder Webbrowser als Zugang dienen. Die Oberflächen unterscheiden sich dabei nur marginal (Abbildung 5). Der Autor nutzte als Client einen Firefox unter Linux auf einem Notebook. Nach Freigabe des Mikros im Browser chattete der Assistent auch per Sprache. Gut artikulierende deutsche Stimmen mit einer offenen Lizenz fehlen allerdings, und so klingt SEPIAs Assistent etwas blechern.

Abbildung 5: SEPIAs Web-Client sieht in unterschiedlichen Browsern nahezu gleich aus.

Abbildung 5: SEPIAs Web-Client sieht in unterschiedlichen Browsern nahezu gleich aus.

Damit ist die Server-Einrichtung abgeschlossen. Auch zum Einrichten des intelligenten Lautsprechers findet sich ein Skript auf der Github-Seite von SEPIA [8]. Der Autor integrierte zusätzlich diverse weitverbreitete Hardwarekomponenten in die Installation, wie Mikrofon-HATs oder Displays. Das vereinfachte das Aufsetzen im Vergleich zur Picroft-Variante.

Im Test für diesen Artikel liefen alle Komponenten flüssig auf einem Raspberry Pi 4. Der war zwar großzügig mit 8 GByte ausgestattet, aber das laufende System belegte nie mehr als 1 GByte. Die günstigeren RasPi-4-Varianten genügen also für den Betrieb völlig.

Integration

Sowohl die Anleitung von Mycroft als auch die von SEPIA beschreiben einfache Anwendungsszenarien, die vor allem zum Testen des Setups taugen. Auch die weitergehende Konfiguration behandeln beide. Für Fragen gibt es bei Mycroft ein Forum, bei SEPIA läuft alles über Github.

Mycroft hält sich bei den Erweiterungen an die Begrifflichkeit von Amazon und bietet einen Skill Marketplace an. Eine Übersicht finden Sie über das Dashboard Ihres Mycroft-Accounts [9]. Ein Sprachbefehl stößt die Installation an: “Hey Mycroft, install XYZ“. Das Angebot in diesem Punkt bleibt momentan jedoch noch sehr übersichtlich.

In Sachen Performance macht sich Mycroft überraschend gut. Boot-Vorgang und Systemstart ziehen sich zwar etwas hin, anschließend zeigt sich das System aber sehr reaktionsfreudig und beantwortet Fragen zügig, zur Not fragt es zurück. Das alles funktioniert jedoch nur auf Englisch zufriedenstellend. Eingebaute Features wie ein Wecker und eine Erinnerungsfunktion lassen sich intuitiv nutzen.

Bei Sachfragen liefert der digitale Helfer gemischte Ergebnisse. Die Frage nach Olaf Scholz beantwortete er genauso langatmig wie der betreffende Politiker die Fragen von Journalisten. Statt eines umfassenden Vortrags hätte man sich kurze Fakten mit einer Rückfrage nach der Langversion gewünscht. Das Oktoberfest an sich kannte Mycroft, bei der Frage nach dem Anfangsdatum musste er allerdings passen.

Die Engine hinter SEPIA zieht bei generischen Anfragen eindeutig den Kürzeren, was daran liegt, dass Mycroft Cloud-Dienste nutzt (und bezahlt), während SEPIA sich auf das Selbst-Hosting konzentriert. Abgesehen von dieser Schwäche lässt sich SEPIA einfach in lokale Smart-Home-Systeme integrieren, was das Wiki sehr gut beschreibt.

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